Die Empörung über den koreanischen Wissenschaftler Hwang Woo-Suk ist am Montag auf ein neue Spitze getrieben worden. Wie der Rechnungshof in der Hauptstadt Seoul mitteilte, hat der Klonforscher nicht nur Eizellen von Mitarbeiterinnen erzwungen, die internationale Wissenschaft übers Ohr gehauen und eine ganzes Forschungsfeld in Misskredit gebracht . Nein, jetzt kommt auch noch das schnöde Geld ins Spiel. Und die Korruption.

Umgerechnet knapp 6 Millionen Euro seines 30 Millionen-Forschungsetats soll Hwang auf Privatkonten geschaufelt haben. Einen weiteren Teil der Fördergelder nutzte der Südkoreaner offenbar dazu, Politiker zu bestechen. Wie der Korea Herald im Detail berichtete, handelt es sich bei den unterschlagenen Summen unter anderem um die Gehälter von 53 Mitarbeitern aus Hwangs Klonlabor. Zudem scheint der einstige Nationalheld aber auch Prämien für besonders hilfreiche Kollegen abgezweigt zu haben. Insbesondere werden hier Personen genannt, die vermutlich maßgeblich an den Forschungsfälschungen beteiligt waren - und dafür auch belohnt wurden.

Wie gewohnt bestreitet Hwang alles. Die für wissenschaftlichen Fortschritt gedachten Mittel habe er nicht zweckentfremdet. Laut Rechnungshof sagte der Forscher gar, das Geld sei von seinem Konto in die - zuvor unterschlagenen? - Gehaltszahlungen der Mitarbeiter geflossen. Warum Hwangs Sekretär die Löhne dazu erst auf das Privatkonto des Laborchefs überweisen musste, bleibt offen. Belege für Hwangs Behauptungen konnten die Rechnungsprüfer jedenfalls nicht finden. Klar ist jedoch, das Hwang im Umgang mit seinen gewaltigen Forschungsetats auch von behördlicher Seite ungewöhnlich viel Spielraum gewährt wurde.

Doch wer nun denkt, der absolute Tiefpunkt dieser Forschungsposse sei längst erreicht, der irrt. Vor wenigen Tagen haben die Ermittler der Staatsanwaltschaft in Seoul zwei Computer und eine Kiste mit Unterlagen aus der Wohnung Hwangs geschafft und verlauten lassen, es handle sich um signifikante Beweismittel für die weiteren Ermittlungen. Sprich: Da kommt noch was. Unter anderem ist nach wie vor unklar, welche der 15 Koautoren der ersten Stammzellarbeit, und welche der 25 Koautoren der zweiten gefälschten Veröffentlichung direkt an diesem beispiellosen Forschungsbetrug beteiligt waren.

Und es gibt schließlich noch Gerald Schatten, den Ex-Hauptkollaborateur des Klonforschers . Die Staatsanwaltschaft in Seoul bat den Amerikaner vergangene Woche per E-Mail, zu einer Befragung in Südkorea zu erscheinen. Flugticket und Unterkunft hätte der Professor an der University of Pittsburgh bezahlt bekommen, doch Schatten ließ sich bis heute nicht dazu herab, auf die Anfrage der Koreaner zu reagieren. Warum? Schatten hatte an der ersten der gefälschten Arbeiten beratend, an der zweiten als Koautor mitgewirkt. Ob er im Falle einer Mitschuld von der südkoreanischen Staatsanwaltschaft strafrechtlich verfolgt werden könnte, ist offen - und auch nur dann relevant, falls Schatten sich ebenfalls schuldig gemacht hat.

Ob dem so ist, wird derzeit von einer Untersuchungskommission an der University of Pittsburgh untersucht. Sie will ihre Ergebnisse noch im Februar bekannt geben. Es wäre allerdings eine Überraschung, sollte sich plötzlich herausstellen, dass sich ein völlig naiver Schatten einfach nur hinters Licht führen ließ. Vergleichbares glaubt allen Geschehnissen zum Trotz aber auch manch Südkoreaner von Ex-Nationalikone Hwang. Ein Lastwagenfahrer aus Pusan hielt seinen Helden nach Angaben der britischen Onlinezeitung The Register so eindeutig für das Opfer eines riesigen Komplotts, dass sich der Mann jetzt in seiner Verzweiflung mit Farbverdünner übergoss und am lebendigen Leibe verbrannte. Zuvor verteilte er 30 Zettel mit der Aufforderung, Hwang möge seine Studien fortsetzen.