Islamisten Gewalt gegen Satire
Nachrichtenüberblick: In Damaskus brannten die dänische und die schwedische Botschaft
Dieses Thema wird von den ZEIT online-Lesern intensiv diskutiert
Aus Protest gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen haben
Demonstranten in der syrischen Hauptstadt Damaskus am Samstag die dänische
Botschaft angegriffen und in Brand gesetzt.
Augenzeugen berichteten, dass das dreistöckige Gebäude zunächst von mehreren
tausend Demonstranten belagert wurde. Dann hätten Demonstranten das Gebäude
gestürmt und in Brand gesetzt. Alle drei Stockwerke des Hauses, in dem
auch die diplomatischen Vertretungen von Schweden und Chile
untergebracht sind, seien in Brand geraten, hieß es. Aufgebrachte
Demonstranten attackierten auch die norwegische Botschaft und setzten
diese in Brand.
Nachdem die wütende Menge die dänische Botschaft ohne Eingreifen der
Behörden gestürmt hatte, stellten sich den Tausenden von
Protestierenden vor der norwegischen Vertretung Hunderte Polizeikräfte
in den Weg, die auch Tränengas einsetzten. Eine größere Menschenmenge
versuchte nach Augenzeugenberichten auch zu der französischen Botschaft
zu gelangen, wurde aber von der Polizei aufgehalten.
Die Regierung in Kopenhagen forderte alle in Syrien lebenden Dänen zum
sofortigen Verlassen des Landes auf. Man bereite eine politische
Reaktion auf die Botschaftserstürmung vor.
Alle drei Stockwerke des Hauses, in dem auch die diplomatischen
Vertretungen von Schweden und Chile untergebracht sind, seien in Brand
geraten, hieß es. Die Botschaften waren zum Zeitpunkt des Angriffs
nicht besetzt. Der dänische Diplomat Hans Skov sagte im Rundfunk, nach
seinen Informationen hätten die syrischen Behörden nichts unternommen,
um die rasende Menge zu stoppen. »Darüber wundern wir uns natürlich«,
sagte Skov.
Die Demonstration sollen völlig außer Kontrolle geraten sein,
weil in Damaskus Gerüchte kursierten, nach denen in Kopenhagen
Koranverbrennungen geplant seien. Die protestierende Menge
trug Möbel aus dem Gebäude, zog die dänische Flagge ein und hisste
stattdessen eine islamische. Schwedens Botschafterin Catharina Kipp
sagte nach dem Ende der Demonstration im Rundfunk, dass die Fassade
komplett von Rauch eingeschwärzt sei.
Syrien hat wie auch Saudi-Arabien, Libyen und Kuwait seinen Botschafter
aus Kopenhagen wegen der von der dänischen Zeitung »Jyllands-Posten«
vor mehr als vier Monaten veröffentlichten Mohammed-Karikaturen
abgezogen.
Wütende Palästinenser haben am Samstag in der Stadt Gaza wegen der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen die deutsche Vertretung attackiert. Augenzeugen und Polizeikreise berichteten, etwa ein Dutzend Männer, darunter auch mehrere Maskierte, hätten die Scheiben des derzeit geschlossenen Büros eingeworfen. Die Randalierer sagten, sie wollten gegen eine Beleidigung des Propheten Mohammed protestieren, nachdem die Karikaturen auch in deutschen Zeitungen veröffentlicht wurden. Das Auswärtige Amt in Berlin bemühte sich über die deutsche Außenstelle in Ramallah um Klärung des Vorfalls.
Schon seit Donnerstag reagieren radikale Muslime auf die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Jyllands-Posten mit Waffengewalt. So suchten palästinensische Al-Aksa-Brigaden in Nablus im Westjordanland gezielt nach Ausländern und fragten in Hotels der Stadt danach, ob sich dort Bürger aus Dänemark, Norwegen oder Frankreich aufhielten. Kurzzeitig wurde ein deutscher Lehrer entführt, weil sich die bewaffneten Kidnapper in seiner Nationalität getäuscht hatten. In der Stadt Gaza drangen etwa 50 maskierte und mit Schnellfeuergewehren und Panzerfäusten bewaffnete Palästinenser in den Vorgarten des dortigen EU-Büros ein und feuerten Schüsse ab. Allerdings war das Büro vorsorglich bereits geräumt worden. In Indonesiens Hauptstadt Jakarta wiederum stürmten militante Demonstranten die dänische Botschaft.
Unterdessen trugen am Donnerstag auch gemäßigte Regierungen islamischer Staaten indirekt zur Verbreitung der Karikaturen bei, nachdem am Mittwoch bereits 17 arabische Regierungen gefordert hatten, dass sich Dänemarks Regierung sowie die Königin entschuldigen. Der ägyptische Präsident Mubarak erklärte, Pressefreiheit könne Beleidigung der Religion nicht rechtfertigen. Der türkische Ministerpräsident Erdogan ließ sich im gleichen Sinne vernehmen. Eine Äußerung des UN-Generalsekretärs, der von sich sagt, ihn mache der Streit betroffen, unterscheidet sich von diesen Positionen nur in Nuancen: Die Pressefreiheit solle immer so ausgeübt werden, dass auch der religiöse Glauben und die Grundsätze aller Religionen voll respektiert werden.
Irans Präsident Ahmadineschad will ein Komitee einberufen,
das Wirtschaftssanktionen gegen jene Länder erwägen soll, in denen die
Presse jene Karikaturen abgebildet hat.
Die ultrakonservative Teheraner Zeitung
Aftab-e Yazd
fragte am Donnerstag bereits, warum die iranische Regierung noch keine Volksbewegung ins Leben gerufen habe. Welcher Art diese sein könnte, verdeutlichte eine vom iranischen Rundfunk verbreitete Erklärung des Hizbollah-Führers Hassan Nasrallah: Hätte sich ein Muslim gefunden, die Fatwa des Imam Khomeini gegen den Ketzer Salman Rushdie auszuführen, dann hätte das Pack, das unseren Propheten Mohammed in Dänemark, Norwegen und Frankreich beleidigt hat, dies nicht zu tun gewagt. Nasrallah fuhr fort: Ich bin sicher, dass Millionen Muslims bereit sind, ihr Leben für die Verteidigung der Ehre unseres Propheten zu geben.
- Datum 01.04.2009 - 07:37 Uhr
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- Quelle ZEIT online (GvR), dpa, 4.2.2006
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