Seit Wochen schwebt die Ankündigung des iranischen Regimes in der Luft, eine internationale Holocaust-Konferenz veranstalten zu wollen. Auf weitere Konkretisierungen hinsichtlich Ort und Zeit wartet man bis heute. Verschiedene Stellungnahmen des iranischen Außenamtssprechers zeigten jedoch den zu erwartenden Charakter einer solchen Zusammenkunft: Sie soll ein Tummelplatz internationaler Holocaust-Leugner, islamistischer Antisemiten und rechtsradikalen Geschichtsfälsche werden. Die populistischen, antisemitischen Ergüsse Ahmadinedschads, Israel gehöre von der Landkarte getilgt, sollen mit ihrer Hilfe eine pseudowissenschaftliche Grundlage bekommen.

Einer darf dabei nicht fehlen: Horst Mahler, einstiger Mitbegründer der RAF und heute ein rechtsextremistischer Ideologe. Mahler und andere internationale Holocaust-Revisionisten sollen angeblich auf der Teilnehmerliste der Konferenz stehen. Prompt wurde vom brandenburgischen Landesinnenministerium Mahler der Reisepass für sechs Monate entzogen, um seine Teilnahme an der Konferenz zu verhindern. Wie aber ist der Planungsstand dieser Konferenz? Die Spurensuche gestaltet sich schwierig, zeichnet aber ein Bild iranischer Antisemitismusfolklore mit internationaler Graswurzel-Verstrickung.

Der Unterstützung westlicher Revisionisten, wie dem Amerikaner Arthur Butz, dem Franzosen Robert Faurisson oder eben auch Mahler, können sich die Mullahs in Teheran ob ihrer ideologischen Übereinstimmung gewiss sein. Auf Nachfrage teilte Mahler mit, er würde „eine Einladung zwar nicht dementieren“, von einer schriftlichen Anfrage zu sprechen, sei jedoch „eine Überinterpretation“. Das Vorhaben des Iran könne er nur „wärmstens unterstützen“ und er wünsche sich von einem solchen Kongress, „ein Stück näher an den Durchbruch zur Wahrheit“ zu gelangen. Der präventive Passeinzug ärgere ihn und er werde „öffentlich fordern, dass die Maßnahme zurückgenommen wird. Mit einer Begründung die sicher nicht gefällt.“

Auf die Durchführung eines öffentlichen Kongresses will die Internationale des Antisemitismus gar nicht erst warten. Ein Austausch findet bereits statt. Seit Wochen bietet eine Reihe von iranischen Nachrichtenagenturen den „unabhängigen Historikern und Forschern aus unterschiedlichen Teilen der Erde“ Internetplattformen, auf denen sie die per E-Mail übermittelten revisionistischen Auswüchse veröffentlichen. So ist in einer Nachricht Mahlers zu lesen: „Der Holocaust ist nie geschehen. Er ist die größte Lüge der Geschichte.“ Butz - Professor für Informatik an der Northwestern University in Illinois - und andere vergessen nicht, ihre Holocaustleugnungen mit einem Lob des iranischen Präsidenten für dessen „Initiative“ zu verbinden.

Auch die unterschiedlichen Initiativen einer Reihe von dubiosen Organisationen, die in letzter Zeit neu gegründet wurden, deuten auf eine Vorbereitung des Kongresses hin. Am 23. Januar veranstaltete die „Quds News Agency“ im Verbund mit der „Iranischen Gesellschaft zur Verteidigung der Palästinensischen Nation“ ein „Seminar“ mit dem Titel „Holocaust, Fakt oder Mythos?“ zu der nach Angaben des staatlichen Fernsehens „Palästina-Experten“ des Mittleren Ostens eingeladen wurden.

Die Website des „Vereins zur Erforschung und zum Studium des Zionismus“ führt ein längerfristiges Internet-Seminar zur Untersuchung des Holocaust durch. Neben zahlreichen Biographien israelischer Politiker findet sich auch ein Leitfaden, der teilnehmenden „Wissenschaftlern“ helfen soll, ihre Beiträge auf die gewünschten Erkenntnisse hin abzustimmen. Schriftliche Auseinandersetzungen zur „Kritik an Gerichten, wie dem Nürnberger Gericht, im Kontext der Holocaustindustrie“ sind dabei ebenso erwünscht wie Beiträge zur „Untersuchung von Qualität und Quantität der Argumente der Holocaustplaner“ oder Lösungsvorschläge zur Frage, „wie der verehrte Präsident aus seiner Isolation bezüglich der Politik des internationalen Zionismus herauskommt“. Um das Vorhaben auch international öffnen zu können, ist eine englische und arabische Version der Website bereits in Arbeit. Betrieben wird der Onlineauftritt vom „Institut für Studien theoretischer Physik und Mathematik“ der Universität Teheran, was darauf hindeutet, dass staatliche Kanäle und nicht private Initiatoren das Projekt vorantreiben.

Obwohl noch nicht feststeht, wann die geplante Holocaust-Konferenz stattfinden und ob sie überhaupt zustande kommen wird, zeigen die Vorbereitungen, mit welcher Hartnäckigkeit iranische Revisionisten ihr Ziel verfolgen, einen solchen Kongress zu ermöglichen. Gleichzeitig machen sie deutlich: Die staatlich geförderte Antisemitismus-Popkultur ist „grenzenlos“. Vor dem Hintergrund von Ahmadineschads Hasskampagnen bietet die Regierung des Iran auch westlichen Revisionisten eine aktive Plattform. Die eigentliche Konferenz wäre dabei nur die Spitze des Eisbergs. Für den iranischen Politikwissenschaftler Dr. Wahied Wahdat-Hagh vom Berliner Büro des „Middle East Media Research Institute“ (MEMRI) sind allein die Vorläufer bereits alarmierend genug: „Soviel Zynismus können Menschen gar nicht haben – die glauben das Zeug tatsächlich“. In diesem Zusammenhang scheint auch die Effizienz von Mahlers Hausarrest fraglich. Ideologien halten sich nicht an Ausreiseverbote. Schon gar nicht in Zeiten des Internet.