Enzyklopädien "Das Internet ist ein Steinbruch"

Ralf Szymanski hat einen ambitionierten Plan: Er will die Wikipedia als Buch verlegen - Projektname "WP 1.0". ZEIT online sprach mit ihm über den Plan, die Community und die Skepsis im Buchhandel

ZEIT online : Herr Szymanski, Sie kündigen eine Enzyklopädie der Superlative an: 100 Bände mit 80.000 Seiten. Bis der letzte Band erscheint, müssen die Kunden mehr als vier Jahre warten. Eine breite Zielgruppe können Sie damit nicht erreichen.

Ralf Szymanski : Das ist richtig. Dazu kommt ein absolut gesehen hoher Preis. 1.500 Euro - das ist viel Geld. Gemessen an dem Umfang ist es jedoch wenig. Es entspricht auch nicht dem modernen Lifestyle, sich viereinhalb Meter Buch ins Wohnzimmer zu stellen. Dennoch glaube ich, dass die WP 1.0 ihre Lücke finden wird. Sie wird dort ihren Platz finden, wo die Wikipedia bisher nicht Fuß fassen konnte. Überall dort, wo Menschen ohne Computer schnell auf Informationen zugreifen: sie gehört in jede Bibliothek, in jede Schulbücherei, in jedes Gefängnis.

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ZEIT online : Sie wollen den ersten Band ihrer Enzyklopädie schon im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren - ein Jahr zuvor wurden dort die ersten Bände der 21. Brockhaus-Enzyklopädie präsentiert. Eine Kampfansage?

Szymanski : Das ist Zufall. Ich will keinen Wettbewerb mit Brockhaus. Wir sind kein Lexikon-Verlag - Brockhaus hingegen hat 200 Jahre Enzyklopädieerfahrung. Wir haben großen Respekt vor dem Brockhaus.

ZEIT online : Sie berufen sich im Netz mit ihrem Projekt auch auf den Wikipedia-Gründer Jimmy Wales . Doch auf Seite der Wikimedia Foundation herrscht Funkstille. Ihr Plan wird dort nicht einmal erwähnt.

Szymanski : Wales wurde frühzeitig über das Projekt informiert, hat sich aber nicht selbst beteiligt. Ich gehe dennoch davon aus, dass wir in der Wikipedia-Community genügend Rückhalt haben.

ZEIT online : 25 Mitarbeiter ihres Verlags sollen das Projekt betreuen. Mit so wenigen Mitarbeitern werden Sie wohl kaum zwei Enzyklopädiebände pro Monat herausgeben.

Szymanski : Ich kann nur darum bitten, dass die Wikipedia-Community mit uns arbeitet. Unser Projekt ist als Angebot zu verstehen. Wenn die Community ablehnt, dann werden wir es nicht schaffen.

ZEIT online : Aber welche Rolle spielt die Community denn für WP 1.0?

Szymanski : Sie muss die Vorarbeiten auf der Online-Plattform übernehmen. Wir schlagen vor, dass innerhalb der Wikipedia stabile Artikelversionen eingeführt werden, die nicht mehr ständig geändert werden. Wir schlagen auch vor, dass sich die Wikipedianer entlang des Alphabetes bewegen, um die Qualität aller Artikel zu verbessern. Ob dieser Vorschlag angenommen wird, entscheidet die Community.

ZEIT online : Was können Sie den Wikipedianern im Gegenzug anbieten?

Leser-Kommentare
  1. ist demokratisiert und vergesellschaftlicht das internet das kapital oder passiert das gegenteil, ich würde auf letzteres tippen

  2. Es ist schön wenn das Internet und die Freiwilligkeit der Teilnehmenden auf intelligente Art und Weise ausgebeutet wird.

    Warum sollten nicht auch ein paar Buchverlage daran verdienen. Sind doch schon Serviceprovider reich daran geworden, kostenfreie Inhalte kostenpflichtig anzubieten.

    Da in einem jeden zweiten Haushalt in D-Land allerdings mittlerweile ein PC steht und das Internet auch nimmer weit dann ist, halte ich solche Aktionen für so goldgräberisch nicht. Als Autor eines freien Artikels in der Wikipedia würde ich diesen allerdings löschen und sicherlich nie wieder einen schreiben - ausser gegen Honorarbeteiligung an den 1500 Euro-Metern.

    Kopfschüttelnde Grüße,
    Igor Warneck

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