Enzyklopädien "Das Internet ist ein Steinbruch"Seite 2/2
Szymanski : Wir geben ihnen einen Rahmen für ein Arbeitsergebnis, das einheitlich und verlässlich ist. Damit stehen wir nicht im Wettbewerb zur Online-Ausgabe der Wikipedia, wir produzieren eine Alternative: redigiert, zuverlässig, stabil. Zusätzlich zur redaktionellen Aufarbeitung werden wir einen wissenschaftlichen Beirat hinzuzuziehen, der die Richtigkeit der Angaben in der Enzyklopädie bestätigt. Damit werden wir eine Zuverlässigkeit herstellen, die derzeit in der sehr volatilen Online-Version nicht zu erreichen ist. Zum ersten Mal werden wir abgesichertes Wissen in der Wikipedia haben. Die Wikipedia wird zitierfähig.
ZEIT online : Was ist die Motivation für Wissenschaftler, an dem Projekt mitzuarbeiten?
Szymanski : Es ist die selbe Motivation, die die Mitglieder der Community treibt: die große gemeinsame Idee des freien Wissens. Natürlich bietet die Wikipedia auch eine gewissen Profilierungsmöglichkeit - gerade für junge Lehrstuhlinhaber. Das ist ein legitimes Interesse.
ZEIT online : Dies ist nicht Ihr erstes Projekt mit Wikipedia-Inhalten. Zenodot hat schon die Wikipedia als DVD herausgebracht, seit Ende des letzten Jahres bringen sie eine Sachbuchreihe in den Handel, die ebenfalls auf Wikipedia-Inhalten basiert. Was sind Ihre Erfahrungen?
Szymanski : Es war nicht alles so leicht, wie wir das zunächst gedacht haben. Wir mussten die Inhalte mit einigem Aufwand nachbereiten, ein Verlagslektorat hinter das Community-Projekt nachschalten, um ein würdiges Produkt herzustellen. Die Kinderkrankheiten haben wir jetzt überwunden. Wir haben verstanden, wie man einen Community-Text bearbeitet und publiziert. Diese Erfahrungen werden in die WP 1.0 einfließen.
ZEIT online : Ist das Internet ein guter Autor?
Szymanski : Einen Autoren kann das Internet nicht ersetzen. Das Netz kann eine Fundgrube, ein Steinbruch sein. Aber die Autoren sind Menschen und bleiben Menschen. Bei der Wikipedia ist es eine Gemeinschaft. Das Internet bleibt ein Hilfsmittel. Hier ist es das entscheidende Werkzeug, aber einen guten Autor machen Sie nicht mit dem Internet.
ZEIT online : Von Seiten des Buchhandels gab es skeptische Stimmen über die Vermarktung freier Inhalte.
Szymanski : Wir haben vor 12 Jahren mit dem Verlag Directmedia angefangen, klassische, traditionelle Inhalte auf elektronischen Datenträgern über den Buchhandel verkaufen zu wollen - schon damals gab es viel Skepsis. Die ist aber inzwischen verflogen. Unsere Produkte werden im Buchhandel verkauft und die Händler halten uns die Treue. An WP 1.0 wird es wieder Zweifel geben, aber auch die werden verfliegen.
Ralf Szymanski ist 37 Jahre alt und Geschäftsführer der Berliner Zenodot Verlagsgesellschaft und der ebenfalls in der Hauptstadt ansässigen Directmedia Publishing GmbH. Das Firmenwiki von Directmedia, DirectWiki ist für Anregungen von Kunden und Interessierten offen. Mit Szymanski sprach ZEIT online-Autor Torsten Kleinz.
- Datum 29.07.2008 - 15:43 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 6.2.2006
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ist demokratisiert und vergesellschaftlicht das internet das kapital oder passiert das gegenteil, ich würde auf letzteres tippen
Es ist schön wenn das Internet und die Freiwilligkeit der Teilnehmenden auf intelligente Art und Weise ausgebeutet wird.
Warum sollten nicht auch ein paar Buchverlage daran verdienen. Sind doch schon Serviceprovider reich daran geworden, kostenfreie Inhalte kostenpflichtig anzubieten.
Da in einem jeden zweiten Haushalt in D-Land allerdings mittlerweile ein PC steht und das Internet auch nimmer weit dann ist, halte ich solche Aktionen für so goldgräberisch nicht. Als Autor eines freien Artikels in der Wikipedia würde ich diesen allerdings löschen und sicherlich nie wieder einen schreiben - ausser gegen Honorarbeteiligung an den 1500 Euro-Metern.
Kopfschüttelnde Grüße,
Igor Warneck
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