AFRIKA Da staunen die MzungusSeite 2/2

Ich stehe zehn Meter von der Toilette entfernt – hin zu kommen dauert zehn Minuten. Keiner entschuldigt sich, wenn er anderen auf die Füße tritt. Jemand schüttet Bier über die Menge, niemand schimpft. Es ist, als wollte Uganda beweisen, wie vollendet es dem afrikanischen Klischee entspricht: laut, chaotisch, unhöflich. Dabei locker, heiß, lustig und entspannt. Die Nacht gibt alles. DJ Howard auch. Er legt einen Charthit auf. Die Menge kreischt und zuckt.

Das Intro klingt, als hätte jemand eine einzige Taste auf seiner Heimorgel angetippt. Bing, bing, bing. Das könnte auch die Anfangsmelodie einer afrikanischen Vorabendserie sein. Aber dann fängt Chameleon an zu singen, und sogar meine europäischen Ohren freuen sich über Jamila .

Der Song wurde nominiert, Uganda in den gesamtafrikanischen Charts zu repräsentieren. Das Lied handelt von Jamila, die von ihrem Mann verprügelt wird. Er wirft ihre Sachen aus dem Fenster, schreit sie an. Chameleons Stimme klingt, als würde er über die große Liebe singen.

Howard glaubt, dass ein Lied wie dieses etwas verändert. Endlich denke jemand über die Jamilas nach, nicht nur in Uganda, in ganz Afrika. Die Jamilas würden langsam als Opfer gesehen, nicht als Schuldige, die ihren Mann in den Wahnsinn getrieben haben. Wenigstens in der Hauptstadt Kampala und den anderen großen Städten. Auf den Dörfern bleibe alles beim Alten, erstmal.

Chameleon ist einer der erfolgreichsten Sänger in Uganda, wenn es darum geht, über Unangenehmes zu singen, über Aids, Armut, und den Bürgerkrieg im Norden. Die Tanzenden verehren den Sänger. Sie reißen ihre Hände hoch und singen mit. Jeder kennt Jamilas Geschichte. Es bleibt ein Gefühl von Afrika. Probleme gibt es, wir müssen darüber reden, aber dabei kann man ja auch tanzen…

Hören Sie ins Half London hinein: Musik aus dem Club und DJ Howard im Interview

 
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