Musikpreis Knödeln mit gelber Brille

Bono Vox und U2 bekommen einen Grammy als beste Band der Welt. Ja, darf das denn wahr sein? Ihre Musik ist uninspiriert, ihr Auftreten peinlich. Ein Zwischenruf

Der Grammy ist ein bisschen wie der Oscar, langweilig und frei von Überraschungen, eine Veranstaltung, bei der die Industrie sich selbst feiert. Mit viel Tamtam werden die Nominierungen gehandelt; dann gibt’s eine glamouröse Show und schließlich die Preise. Die Nachricht von der Verleihung hält etwa einen Tag, diesmal heißt sie: „U2 räumen bei den Grammys ab.“

How To Dismantle An Atomic Bomb – das beste Album des Jahres? Man mag es kaum glauben, aber gern gesteht man zu, dass die zweitplazierte Sängerin Mariah Carey ein noch schlechteres Werk vorgelegt hat: The Emancipation Of Mimi. Selbst Gwen Stefanie, Kayne West und sogar Paul McCartney kann bescheinigt werden, im vergangenen Jahr weniger schlechte Alben abgeliefert zu haben, als U2 und Mariah Carey. Allein die Jury scheint davon nichts mitbekommen zu haben.

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Insgesamt gewannen U2 fünf der Preise. Auch für den Song des Jahres wurden sie ausgezeichnet, eine knödelige Ballade namens Sometimes You Can't Make It On Your Own. So durfte sich Sänger Bono Vox als gleich fünffach prämierter Gutmensch präsentieren. Ausnahmsweise mal inmitten seiner Band und nicht zwischen europäischen Politikern streute er warmherzige Floskeln ins Publikum. Er wisse ja gar nicht, was er sagen solle, das sei eine „wirklich große, große Nacht“ gewesen. Gitarrist The Edge setzt noch eins drauf, „a hell lot“ würde ihm der Preis bedeuten, wichtiger seien ihm aber die Fans – natürlich, wer denn sonst?

Bono preist die unterlegenen Kollegen. Gwen Stefanie sei ein „extraordinary girl“, Mariah Carey habe die Stimme eines Engels, und Kayne West müsse nächstes Mal gewinnen. Und welch eine Ehre, mit Paul McCartney hier zu sein, denn er habe „das Land entdeckt, in dem wir leben“. Paul McCartney lächelt gequält, der Preis wäre ihm lieber gewesen, leider war seine Platte Chaos And Creation In The Backyard nur etwas weniger zum Gähnen langweilig als die von U2.

Aber U2s Auftritt war durchaus angemessen. Warum sollte eine musikalisch völlig uninspirierte Band in ihren öffentlichen Auftritten brillieren? Außer abgeschmackten Rocker-Gesten und rhetorischer Weltverbesserung kommt von den Iren seit Jahren nichts mehr. Bald noch schlimmer als ihr betulicher One-World-Gestus ist ihr Äußeres. Schon immer bewegten sich U2 in ihrer Erscheinungsform am Rande, man erinnere sich an die Zeit von The Joshua Tree mit Holzfällerhemden, Feinripp und fettigen Haaren. Im fortgeschrittenen Alter lässt Bono Vox nun jede Rücksicht fahren. Das Haar wird von chinesischem Jasminöl an Ort und Stelle gehalten, sein zerfurchtes Gesicht von einem Drei-Tage-Bart entstellt, dazu eine riesige, gelbverglaste Brille und permanentes Breitwandgrienen.

108 Grammys gab’s in Los Angeles. Popsternchen Kelly Clarkson gewann den Preis für das beste Pop-Album und dankte brav „Jesus, Gott und allen, die mir geholfen haben". Stevie Wonder ist nun der beste Pop-, Bruce Springsteen der beste Rocksänger. Und die fürchterlichen Rammstein unterlagen den etwas weniger fürchterlichen Slipknot beim Preis für die beste Rock-Gruppe nur knapp.

Wenn es einen Preis gäbe für verschnarchte Preise: Der Grammy hätte ihn verdient!

 
Leser-Kommentare
    • Fenton
    • 11.02.2006 um 17:36 Uhr

    Die Mannen von U2 als geschmacksverirrt,uninspiriert und peinlich darzustellen ist ein wahrlich netter Versuch doch noch ein gutes Haar in der Suppe zu finden. Wir können diese Art von Menschen (u. Veranstaltungen) nur mit Nichtachtung abstrafen, und das habe ich hiermit nicht getan. Asche auf mein Haupt.

  1. DANKE!!! für diesen Artikel!!

  2. Not sure about the comments in this article concerning Mr Hewson's personal appearance. But I agree that U2 is a spent force. I don't expect a lot from a guy who is clearly a Neo-Con. Christian rhetoric, low taxation (for the rich) and if we all dig deep in our pockets we can solve the problems of the African continent etc.
    carl jordan

  3. 4. \N

    wer kann sich noch an die U2 Alben der letzten 15 (!) Jahre erinnern! Kaum gehört, schon wieder vergessen.
    Seit den Neunzigern haben U2, abgesehen von Bonos peinlicher Brillenmode (wie alt ist der Gockel eigentlich?), nichts mehr von Belang abgeliefert...

  4. Es ist mal wieder recht einfach über Bands wie U2 zu lästern...nun der Grammy ist nunmal ein Preis der Musikindustrie und die vergebne nunmal nur Preise an die Leute die Platten verkaufen und nicht an Nobodies. Wenn die Leute eben blöd genug schlechte Sachen zu kaufen werden diese auch prämiert. Ich glaube REM ist bisjetzt die einzige Band die einen Grammy bekommen und musikalisch keine Angriffsfläche bietet.Ansonsten, nächstes Jahr sollten Clap your hands and say yeah! den Preis kriegen - danach würde es keine Kritik mehr geben...

  5. Ich erinnere mich bei solchen Ergüssen immer nur an den herrlichen Satz von Steve Martin: "Über Musik zu reden, ist wie über Architektur zu tanzen".
    Damit ist über den Sinn dieses Artikels auch schon alles gesagt.

    • Wray
    • 12.02.2006 um 21:16 Uhr

    vielleicht habe ich 2005 nicht ganz so viele LPs/CDs etc gekauft, aber ich habe viel Musik im Radio gehört. Und an U2 kann ich mich nicht erinnern. Der Beitrag war gut und ich habe geschmunzelt.
    Gruß
    Wray

  6. So,
    also ich würde mal sagen, wenn eine Gruppe irgendeinen Preis verdient hat, dann ist es U2. Klar ist der Grammy ein Preis, der vielleicht nicht so angesehen ist wie der Oskar, aber dennoch ist es ein Prei der Musikindustrie, der jedes Jahr an Gruppen oder Künstler vergeben wird. Die Künstler bekommen den Preis nicht ohne etwas geleistet zu haben. Bono setzt sich für den Frieden der Welt ein. Für mich ist Bono in gewisser Weiße ein Heiliger. Ich möchte ihn nicht mir Mutter Theresa gleich setzten, aber dennoch mit ihr vergleichen. Er hat nicht nur inmusikalischer Weiße etwas geleistet, sondern auch in menschlicher Weiße. Er und u2 haben für mich jeden Preis dieser Erde verdient.

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