Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Thema

Die neuen Puritaner haben eine weitere Bastion geschleift. Nun zwangen sie England auf den Pfad der Tugend und paukten mit fulminanter Mehrheit im Unterhaus ein umfassendes Rauchverbot durch. Ihr Triumph ist der erste erfolgreiche Vorstoß in die Privatsphäre: Künftig darf nicht einmal mehr in privaten Clubs geraucht werden, in denen Mitglieder sich selbst die Regeln geben. © dpa/Barbara Walton, Montage: ZEIT online

Das bemerkenswerte an dieser Antiraucherbewegung ist ihr wohlmeinender Fanatismus. Sie handelt in der festen Überzeugung, Gutes zu tun, indem sie das Böse ausmerzt. In ihr manifestiert sich eine puritanische Variante jenes Fortschrittstotalitarismus, der zuerst daran ging, die Sprache zu reinigen, auf dass die SprecherInnen gebessert würden. Nun engagiert er sich für die Reinheit unserer Lungen.

Wer fürs Reine kämpft, braucht nicht zimperlich zu sein - heiligt doch der Zweck die Mittel. Dazu gehört die Litanei vom passiven Rauchen, dem angeblich Zehntausende Menschen zum Opfer fallen. Ein Argument, das den Befürwortern persönlicher Freiheit um die Ohren gehauen wird. Dabei steht es auf schwachen Füßen. Ausgerechnet Sir Richard Doll, der Mann also, der in den fünfziger Jahren als einer der ersten den Nachweis eines Zusammenhanges zwischen Rauchen und Lungenkrebs führte, hat sich kurz vor seinem Tode 2005 gegen die Dämonisierung des Passivrauchens mit den Worten gewandt: "Die Wirkungen sind so gering, dass es mir egal ist, wenn andere in meiner Gegenwart rauchen."

Nun bezweifelt niemand, dass es sich beim Rauchen um eine schädliche Angewohnheit handelt. Doch das gilt für viele Genüsse; wir schlingen zu viel Fett und Zucker in uns hinein; die Leidenschaft für unsere Droge Nr. 1, den Alkohol, schadet nicht nur demjenigen, der ihr über die Maßen zuspricht, sondern hat kostspielige Folgen für die Gesellschaft. Wir treffen eben immer eine Wahl, zwischen Gesundheit und Lust, Gesundheit und Freiheit, Gesundheit und Wohlstand. Doch solche Logik hat Puritaner noch nie zu stoppen vermocht. 

Weshalb die Sache wohl noch nicht zu Ende gebracht ist. Wer Gutes tun will, kann die Raucher doch eigentlich nicht sich selbst in ihrem Heim der mörderischen Zigarette überlassen - oder? Und was ist mit den Filmen und TV-Serien, in denen gequalmt wird? Einfach verbieten! Der englische Ärzteverband wies den Weg, als er vor einigen Jahren, das Verbot der Fernsehserie Ally McBeal forderte, weil die Schauspielerin Calista Flockhart einfach zu dünn war und ein schlechtes Vorbild für unsere Teenager lieferte. Wir dürfen uns also noch auf einiges gefasst machen.