Medikamente Patienten sollen sparen
Die Bundesregierung will die Arzneikosten senken. Eine Millarde Euro könnte ein neues Gesetz einsparen. Doch ob es klappt, ist fraglich
Der Bundestag hat an diesem Freitag das Arzneimittelsparpaket beschlossen. Es tritt am 1. April 2007 in Kraft. Zuletzt hatte niemand mehr darauf zu hoffen gewagt, das Gesetz könne der erste große Wurf der Koalition in der Gesundheitspolitik werden, bestenfalls sogar ein Vorbild für die angekündigte Gesundheitsreform. Doch Wirkung kann das neue Gesetz schon entfalten, vorausgesetzt der Markt reagiert so, wie christ- und sozialdemokratische Politiker es sich erhoffen.
Es geht um 3,8 Milliarden Euro. Um diese Summe sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Medikamente im vergangenen Jahr auf insgesamt 25,4 Milliarden Euro gestiegen. Mit dem neuen Gesetz sollen die Krankenkassen nun 2006 um eine Milliarde Euro entlastet werden.
Das Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung setzt der Pharmaindustrie engere Grenzen, innerhalb derer sie ihre Preise gestalten kann. Beispielsweise müssen die Hersteller durch klinische Studien genauer nachweisen, inwiefern ein neues Medikament eine therapeutische Verbesserung bedeutet. Das ist deshalb wichtig, weil solche Arzneien von der Festbetragsregel ausgenommen sind. Festbeträge geben eine Höchstgrenze an, bis zu der die gesetzlichen Kassen die Ausgaben eines Patienten erstatten. Verlangt ein Hersteller einen höheren Preis, muss der Patient die Differenz dazugeben.
Das war bislang allerdings selten der Fall, weil sich auch die Produzenten teurer Medikamente an den Festbeträgen orientierten, um keine Marktanteile zu verlieren. Auf denselben Mechanismus setzt jetzt das neue Gesetz, indem es niedrigere Festbeträge vorsieht sowie den Krankenkassen erlaubt, Rabatte mit einzelnen Herstellern auszuhandeln und Medikamente von der Zuzahlung freizustellen, wenn deren Apothekeneinkaufspreis mindestens 30 Prozent günstiger ist als der Festbetrag.
Die Idee dahinter: Patienten lassen sich preiswertere Medikamente verschreiben, weil sie dann nichts dazubezahlen müssen. Hersteller, die ihre Präparate weiterhin erfolgreich absetzen wollen, müssen also ihre Preise senken. Erstmals hätten Patienten nun ein eigenes ökonomisches Interesse an niedrigeren Gesundheitskosten, sagte dazu die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Annette Widmann-Mauz.
Das Gesetz war noch nicht beschlossen, da rief der Bundesverband der Betriebskrankenkassen schon die Pharmaindustrie dazu auf, die Preise für bestimmte Arzneimittel zu senken. Medikamente seien keine schlichten Konsumgüter und die Pharmaunternehmen nähmen eine Schlüsselrolle darin ein, künftige Mehrzahlungen der Patienten in der Apotheke zu verhindern.
- Datum 22.02.2006 - 12:29 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 17.2.2006
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Es wird davon geredet, das die Gesundheitskosten gesenkt werden sollen, obgleich sie tatsächlich steigen. Ist das nicht ein Scheingefecht von Politiker(inne)n in der Hoffnung auf Wählergunst? Und einem Industriekomplex, der natürlich Gewinne manchen möchte und auch muss.
Man tut so, als wollte man das beste für den Patienten erreichen und hält ihn doch unmündig. In jeder anderen Branche bekommt man für eine erbrachte Leistung eine Rechnung. Je detaillierter die ausfällt, desto mehr Möglichkeiten hat der Kunde, selbst zu optimieren.
Was sollen all die Punktesysteme und Deckelungen. Es trifft die Ärzte und die Patienten.
Es wird unterschätzt (oder befürchtet) wie sehr ein aufgeklärter Kunde (hier Patient) mitverantwortlich zur Kostenreduzierung beitragen würde, wenn man ihm die Chance gäbe.
Das Gesetz ist Folge des Ausgabenanstiegs für Medikamente des letzten Jahres. Der Ausgabenanstieg von ca. 20% war allerdings wie folgt verursacht:
1. Der Zwangsrabatt für Medikamente für GKV-Patienten wurde am 1.1.2005 von 16 auf 6% reduziert. Macht 10% Anstieg.
2. Den Apothekern wurde je Medikament eine Handlingpauschale von 8.- Euro garantiert. Machte einen Anstieg von 6%.
3. 4% Entstanden durch Mehrverschreibung und Innovation, wobei die Mehrverschreibung im wesentlichen auf demographische Faktoren zurückzuführen ist.
Im Ergebnis sind in erster Linie das Bundesgesundheitsministerium mit 16% und in zweiter Linie die demographische Entwicklung für den Anstieg der Arzneimittelkosten verantwortlich.
Das neue Arzneimittelspargesetz wird dieser Analyse nicht gerecht.
Besonders zu rügen ist die Bonus-Malus-Regelung, die wenig verchreibende Ärzte mit einem Einkommenszuschlag belohnt, und die viel verschreibende Ärzte mit einem Einkommensabschlag bestraft. Dies kann zu einer Minderverordnung allein aus ökonomischen Interessen des Verodners führen. Daher ist die Bonus-Malus-Regelung als unethisch zu beurteilen.
Bestraft werden natürlich im Sinne dieser Regel Praxen, die hohe Morbidität auf sich ziehen, z. B. weil dort qualitativ gut gearbeitet wird. Dies führt natürlich auch zu höhren Pro-Kopf-Ausgaben in dieser Praxis. Belohnt werden Praxen, die eher wenig kranke Patienten anziehen, z. B. Psychosmatiker, Hypochonder usw..
Dies ist im Sinne einer qualitativ hochwertigen Medizin äußerst kontraproduktiv.
Was mit dem Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung als weitere Kostendämpfungsmassnahme verkauft wird ist wieder nur die bekannte Leier, Ärzten durch die sogenannte Bonus Malus Regelung Verantwortung und Aufgaben aufzubürden, die sie nicht tragen können.
Es kann einfach nicht Aufgabe der Ärzte sein, ständig den Markt beobachten zu müssen und Therapieentscheidungen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu fällen. Sie werden hier missbraucht und zum Prügelknaben gemacht, um Dinge zu regeln, zu der die Politik entweder
nicht in der Lage ist oder schlichtweg nicht den Mut hat ! Hinzu kommt, dass sich der Bedarf nach Versorgung mit Arzneimittel nach der Morbidität der Patienten richtet. Dieses Risiko muss durch die Krankenkassen getragen werden, das ist deren Existenzberechtigung. Durch die bisherigen Regelungen wird dieses Risiko de facto zumindest zum Teil den Ärzten auferlegt.
Viele Ärzte haben mittlerweile ihre eigene Bonus-Malus Regelung gefunden, nach der sie entscheiden, ob sie überhaupt noch in Deutschland tätig sein wollen eine logische Folge.
Was die Forderung nach mehr Transparenz und Eigenverantwortung durch aufgeklärte Kunden (Patienten) angeht, da habe ich meine Zweifel und verweise auf den Artikel
Harter Test für sanfte Heiler von Martin Lambeck.
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