China Kritik an Zensur
Abgesetzte chinesische Journalisten protestieren gegen Kommunistische Partei
Die abgesetzten Redakteure einer kritischen chinesischen Zeitungsbeilage, die vorübergehend eingestellt worden ist, haben die Zensur durch die kommunistischen Parteiorgane scharf kritisiert. Das Vorgehen »stinkt nach einer Verschwörung« und verstoße gegen die Verfassung, schrieben Li Datong, der ehemalige Chef von »Gefrierpunkt« (Bing Dian), der Beilage der Zeitung »Zhongguo Qingnianbao«, und der Redakteur Lu Yuegang. Ihre Reaktion auf die Abschiebung in die Medienforschungsabteilung des landesweiten Blattes der kommunistischen Jugendliga erschien am Freitag auf der von China aus gesperrten chinesischen Webseite von boxun.com.
»Wir sind sicher, dass keine Macht den Wunsch und die Sehnsucht der Menschen, einschließlich der Chinesen, nach Freiheit abtöten kann«, hieß es weiter. Die Parteigruppe der großen Zeitung hatte am Vortag mitgeteilt, dass die beiden leitenden Redakteure versetzt würden. Die populäre Wochenbeilage, die über Korruption und Machtmissbrauch berichtet hatte und am Ende wegen ihrer Kritik an Geschichtsmanipulationen in chinesischen Schulbüchern geschlossen worden war, wird am 1. März ohne ihre Mitwirkung wieder erscheinen.
Die vorübergehende Einstellung von »Gefrierpunkt« ist der vorläufige Höhepunkt einer Zensurkampagne, die zur Versetzung allzu kritischer Redakteure auch in anderen Zeitungen und selten offenen Protesten von Journalisten und sogar Parteiveteranen geführt hat. »Die Leute haben einfach die Nase voll«, kommentierte der frühere US-Geschäftsmann und heutige Unterhändler in Menschenrechtsfällen, John Kamm, der mit China seit Jahren über die Freilassung politischer Gefangener verhandelt. »Vielleicht haben sie auch das Gefühl, damit davon zu kommen«, sagte Kamm in Peking zu der offen geäußerten Kritik chinesischer Journalisten. »Irgendwo ist bei jedem mal der Punkt erreicht, wo Schluss ist.«
- Datum 22.02.2006 - 12:29 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa, 17.2.2006
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Die Zensur ist das wohl wichtigste Kontrollmittel, das der Kommunistischen Partei zur Verfuegung steht. Als ein aehnlicher Vorschlag in der fruehen DDR diskutiert wurde, liess das Zentralkommittee verkuenden, dass man die Aufhebung der Zensur bereits versucht habe. Die Presse habe daraufhin derartige Unwahrheiten gedruckt, dass das
Volk spontan die Wiedereinfuehrung der Zensur verlangt habe.
Doch die DDR-Buerger nahmen ihm damals schon diese
Darstellung nicht mehr ab.
Angesichts des Fortschreitens der elektronischen Technologie
in China wird es immer schwieriger werden, die Verbreitung
von Nachrichten zu unterdruecken.
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