Abu Ghraib Blut, Hass und Bilder
Der "Lange Krieg" gegen den Dschihadismus könnte die Welt ebenso prägen wie einst der Kalte Krieg. Ein Kommentar von Jochen Bittner
Die Sequenzen aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib, die der australische Nachrichtenkanal SBS gestern sendete, werden neue Terroristen schaffen. Einem am Boden liegenden Mann wird die Zunge aus dem Mund geschnitten. Eine Gruppe nackter Gefangener wird zur Masturbation gezwungen. Ein mit Kot überzogener Gefangener steht in himmelschreiender Pose im Zellengang.
Die Macht dieser Bilder ist jedem anderen Material überlegen. Wohl auch deshalb hat die Bush-Regierung bisher allen rechtlichen Anläufen von Bürgerrechtsgruppen widerstanden, sie an die Öffentlichkeit zu bringen.
Doch die höllischen Bilder aus Abu Ghraib sind nur ein Teil des medialen Rückschlags, den die Kanoniere von Washington nun zu spüren bekommen. Die politischen Fiasken von Guantánamo, des Irakkriegs und anderer Übersprungreaktionen auf den 11. September 2001 beginnen erst jetzt, ihre volle Wirkung zu entfesseln. Denn nicht das Böse selbst schafft Zorn, sondern erst die Erzählungen darüber. Und die sind jetzt auf dem Markt. Sie heißen Road to Guantánamo oder Tal der Wölfe und laufen gerade in Kinos rund um die Welt an. Es sind auch die Berichte von heimkehrenden Ex-Internierten oder jener des UN-Beauftragten, der Guantánamo anfang der Woche offiziell das Label des Folterlagers verpasste. Und es werden weitere Berichte von dem Hungerstreik in dem Lager sein. Vielleicht dauert es nicht mehr lange, bis der erste Internierte sich zu Tode gedarbt hat. Ein solcher friedlicher Märtyrer würde zur Ikone all jener aufsteigen, die in Bushs Amerika schon jetzt den postmodernen Wiedergänger der NS-Weltenbrenner sehen. Genau dieses Bild beschreibt jedenfalls - glaubt man der FAZ von heute - der türkische Streifen Tal der Wölfe : "Im Mantel eines scheinbar nur unterhaltenden Films wird ein Zerrbild des Westens gezeichnet - er ist eine Hasspredigt mit filmischen Mitteln. Früher nannte man das Propaganda."
Dahinter steckt freilich eine schlimme Befürchtung. Die nämlich, dass solche Bilder die Fortsetzung des asymmetrischen Krieges mit anderen Mitteln sind. Schwerlich wird man in diesen Tagen applaudierenden türkischen Kinobesuchern gegenüber einwenden können, der Film pauschaliere und überzeichne die rassistische Gewaltneigung amerikanischer Soldaten. "Aber sieh nur: Sie tun's doch!", würden sie entgegnen und auf die Bilder aus Abu Ghraib zeigen. Die historische Halbwahrheit amerikanischer Muslimverachtung wird gerade unauslöschbar gemacht. Und Mythen, das wusste schon Platon, können ganze Gesellschaften erziehen.
Vergangene Woche hat das US-Verteidigungsministerium dem Kongress ein Papier vorgelegt, in dessen Vorwort ein Begriff auftaucht, der - nolens volens - zur neuen Chiffre der Weltpolitik werden könnte. Er heißt "Der Lange Krieg". Nicht mehr "War on Terror" will das Pentagon seine Mission genannt wissen, denn die Herausforderung sei umfassender. Es gehe darum, so das Strategie-Papier, den extremistischen Islamismus rund um den Globus zu bekämpfen. Darin eine militärische Übersetzung des "Kampfes der Kulturen" zu sehen, wäre wohl nicht ganz falsch. Aber gerade weil daran etwas ist, muss die amerikanische Regierung dringend begreifen, dass dieser "Krieg" nicht auch, sondern vor allem um die "hearts and minds" der islamischen Welt geführt wird. Doch tatsächlich haben viele Verantwortliche im Pentagon und im Außenministerium dies noch nicht begriffen. Darum begehen sie in ihrem "Krieg" um taktischer Vorteile willen einen verheerenden strategischen Fehler nach dem nächsten. Guantánamo, so die stereotype Rechtfertigung vom Präsidenten bis zum Attaché, müsse sein, denn die dort Inhaftierten seien "böse und gefährlich" und wüssten womöglich von neuen Anschlagsplanungen. Dass Guantánamo selbst neue Planer schafft, dass seine Auflösung daher nicht nur ein moralisches, sondern auch ein strategisches Gebot ist, scheinen sie wirklich nicht zu verstehen.
Sagen wir es deutlich: Der "Lange Krieg" könnte die Welt in den nächsten Jahrzehnten ebenso prägen wie es der Kalte Krieg zwischen 1946 und 1990 getan hat. Wenn Amerika, als Exponent des Westens, den Wettbewerb der Ideen nicht verlieren will, muss es jetzt Fehler eingestehen. Laut und deutlich, am besten mit einem Rücktritt, der rumst. Denn nichts bestätigt Fanatiker mehr als das fortgesetzte Unrecht ihrer Gegner.
- Datum 22.02.2006 - 12:29 Uhr
- Quelle ZEIT online, 16.2.2006
- Kommentare 25
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Ihre Ansicht ueber die USA in Ehren.Doch die jetzige Regierung ist von ihrer eignen Unfehlbarkeit und Sendungs-bewusstsein so geblendet dass sie garnicht sehen kann was fuer einen Schaden sie angerichtet hat mit dem unsinnigen Krieg im Irak.Ausserdem ist USA so ein grosses Land,mit einem Haufen internen Problemen die immer wichtiger sein werden als das Palaver aus Europa.Zwar nehmen die Kritiker zu denn es ist ja unubersehbar dass nichts so laeuft wie Busch es sich ausgemalt hat aber da Gott ja auf seiner Seite ist besteht fuer ihn auch kein Grund etwas zu aendern.
Ich habe vorhin laut gelacht als ich las dass USA nun von den Palaestinensern Geld zurueck gezahlt haben will.wie man so sagt: people in hell want iced water....
Die "bösen Amerikaner" werden für ihre welt-arroganten Manöver gehasst und abgestraft, die Europäer sind zum Streit schlichten da. So einfach.
Dabei wird ein entscheidender Punkt vergessen: Die Geschehnisse der letzten Wochen, der bis zum Abwinken ausgelutschte Karikaturen Streit.
Wer genauer die Vorgänge beobachtete, konnte besorgniserregt mitverfolgen, wie der "Hass gegen den Westen" urplötzlich auf Europa kanalisiert wurde; um die Vereinigten Staaten blieb es in diesen Tagen auffällig still was außenpolitische Handlungen anbelangte. Selbst ameriknische Medien berichteten viel lieber von den "bösen Europäern".
Das gibt in zweierlei Hinsicht zu denken:
1. Die Amerikaner haben mit ihrer neuen Strategie ein noch viel weiter interpretierbares Instrument zur Legetimation ihrer Kriege erfunden und werden (wieso sonst wäre es erfunden) anscheinend bald davon Gebrauch machen.
2. In den von Amerika begonnenen Kriegen (Afgh. u. Ir.) sind auch Europäer maßgeblich beteiligt, was sich in zukunft wohl nicht ändern wird.
Daraus lässt sich folgendes schließen: Wenn Europa jetzt schläft, dann schliddert es jetzt unfreiwillig in einen weiteren Krieg, in einen Krieg für den es verantwortlich gemacht werden könnte.
Die Folgen eines weiteren Krieges wären schrecklich. Schon jetzt nach Veröffenltichung der Karikaturen sowie einem Film mit verprügelten Irakern durch britische Soldaten rückt Europa immer mehr in den Mittelpunkt, leider nicht zum guten.
Bisher war es "das böse Amerika". Lassen wir es doch dabei.
Wo kann man das denn nachlesen mit dem "Geldzurueckfordern"?
Ich habe es in einem anderen Kommentar gesagt: die Intelligenz des amerikanischen Durchschnittsbuergers, oder sagen wir: Bildung!, scheint mir angesichts des Militaerpotentials, ueber das sie verfuegen, ein grosses Problem!
"A picture is worth a thousand words". Wie der Zauberlehrling haben die Redakteure ungewollt einen Kulturkampf ausgeloest. "Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los." Offenbar war der erneute Fingerzeig auf schon Jahre zurueckliegende US-Greuel ein lahmer Versuch, die Wut der Muslims irgendwie von Europa auf die USA abzulenken.
Doch fuer die grosse Masse der Muslims bleibt der ganze Westen die Welt der unglaeubigen Kreuzzuegler. Nur weil dieses Gedankengut bereits von vornherein in der Masse verwurzelt war, wurde es ueberhaupt moeglich, diese Karikaturensache derart hochzupeitschen.
Ich habe das mit der Rueckforderung im Spiegel gelesen( wenn ich mich nicht irre) lese so viele versch.Zeitungen dass ich nicht 100% sicher bin...Wird bestimmt noch woanders auftauchen...Wenn Busch glaubt dass er das Geld zurueck bekommt dann ist er ganz bestimmt auf dem Holzweg,denn diese Mittel sind doch schon verteilt bevor es ueberhaupt ankommt.
[Zitat] Ist doch wirklich Schnee von gestern kb26919 - Ich meine diese Geschichte mit Mohammed und den kl.Maedchen.Man sollte solch ur-alten Kamellen nicht aus der Mottenkiste graben.Wenn ich bedenke was die Muslime heute verzapfen wenn sie sich 'beleidigt'fuehlen dann moechte man sich wuenschen dass sie sich mehr mit den so oft zitierten Jungfrauen beschaeftigen anstatt ihrem Frust Luft zu machen indem sie auslaendisches Eigentum abfackeln. [Zitat Ende]
Wenn sie sich nur mit den islamischen Paradies-Jungfrauen beschäftigen würden, wäre das ja o.K. Da aber Mohammed von Muslimen als sakrosanktes Vorbild in allen Lebenslagen angesehen wird, ist die Sache mit den kleinen Mädchen (Heirat mit der 6jährigen Aischa; die Ehe wurde lt. einer überlieferten Aussage der Aischa vollzogen, als sie 9 Jahre alt war... - ich möchte das jetzt hier lieber nicht weiter kommentieren, Theo van Gogh hat das ja schon getan) leider kein "Schnee von gestern", sondern traurige Realität in vielen muslimischen Ländern und z.T. auch schon hier hin Europa. Selbst in der angeblich so fortschrittlichen Türkei kann (oder will?) der Staat nichts tun gegen die Zwangsverheiratung von jungen Mädchen, genauso wenig wie gegen die Vielehe, die einfach als sogenannte "Imam-Ehe" geschlossen wird und damit das staatlich-türkische Verbot der Mehrehe locker umgeht. Junge Mädchen können dagegen nur geschützt werden, sofern sie unter 16 Jahre alt sind - falls denn überhaupt irgendwer irgendwas von solchen privaten Arrangements mitbekommt. Ich habe kürzlich eine Fernsehsendung über eine türkische Frau gesehen, die mit 10 (!) Jahren in so eine Verbindung verschachert wurde. In Ostanatolien scheint solches bis zum heutigen Tage also durchaus ein Teil der weiblichen Realität zu sein. In ähnlicher Weise wird auch hierzulande das Verbot der Mehrehe umgangen. Z.T. kassieren hier gleich mehrere Frauen eines Mannes staatliche Zuwendungen - nebenbei bemerkt.
In arabischen Ländern geht es bei der Verheiratung junger und jüngster Mädchen ähnlich zu. Nur dass es dort z.T. nicht einmal Gesetze dagegen gibt wie in der Türkei. Wo das Patriarchat so stark ist wie im Bereich des Islam, werden Menschenrechte von Frauen und weiblichen Kindern nicht im mindesten respektiert. Anders ausgedrückt: Sie haben gar keine. Das schlägt sich ja auch in den Zwangsverheiratungen und Ehrenmorden in Europa nieder, die keineswegs solch seltene Einzelfälle sind, wie uns die "Dialog"-Gemeinde glauben machen möchte. Feministinnen (nicht zuletzt türkische) können ein Lied davon singen.
Auf diese Weise wirkt sich das "glänzende" Beispiel, das der unfehlbare Prophet vor knapp 1400 Jahren für den Umgang mit kleinen Mädchen und Frauen gesetzt hat, bis zum heutigen Tag katastrophal aus - in Hunderttausenden oder Millionen von grausamen muslimischen Mädchen- und Frauenschicksalen, um die sich die "dialogisierenden" europäischen (und speziell deutschen) Gutmenschen einen Scheißdreck scheren. Dies ist leider wirklich keine "uralte Kamelle", sondern traurige Gegenwartsrealität.
[Zitat] Krieg GerhardStenkamp - Auf einen Krieg sollten wir uns in Ruhe und mit Ueberlegung vorbereiten!Er kann kommen, muss kommen, wenn unsere Grundwerte bedroht und inzwischen angegriffen werden! Aber: Ruhe, Ueberlegung und beten! [Zitat Ende]
Sehe ich auch so. Bis auf das Beten. Bin halt nicht religiös. Leider ist es in der Tat so, dass unsere Grundwerte mehr und mehr bedroht werden, nicht zuletzt durch verantwortungslose und zynische deutsche Politiker und Meinungsmacher - nicht zu vergessen die interessierten und wie auch immer involvierten Wirtschaftsbosse. Dazu liefert Hans-Peter Raddatz in seinem Buch "Von Allah zum Terror? Der Djihad und die Deformierung des Westens" eine augenöffnende Analyse. Wir werden übler betrogen, als wir es je zu träumen gewagt hätten. Die von der erwähnten Clique kolportierte Islamfiktion ("tolerant" und "friedlich") wird aber kaum durch redliche aufklärende Information ersetzt werden können, so lange deutsche Fernsehsender Leute wie Claudia Roth ("Islam heißt Frieden" - jemand sollte der Frau mal ein Lexikon schenken, denn Islam bedeutet bedingungslose Unterwerfung unter den Willen Allahs) oder Ayyub Axel Köhler (deutscher Konvertit und neuer Vorsitzender des selbst ernannten "Zentralrats der Muslime" - eines islamistischen Verbandes) oder Madame Asiye Köhler (deutsche Konvertitin mit Kopftuch, Pädagogik-Expertin des "Zentralrats") oder Dr. Nadeem Elyas (aus Saudi-Arabien - Muslimbruder und ebenfalls Mitglied des "Zentralrats") als Experten in Diskussionsrunden einladen. Denn diese Leute stellen die Speerspitze des verlogenen "Dialogs" dar, der uns schon seit Jahrzehnten mit seinen Geschichtsklitterungen und Lügen beglückt. SO wird's nichts werden mit der Aufklärung der deutschen Bevölkerung.
Um zum Anfang zurück zu kommen. Ja, Überlegung ist gefragt. Man könnte zum Beispiel schon hier und heute damit anfangen, sich in Ruhe zu überlegen, wie man gegen die o.a. Zustände vorgeht. Es wäre m.E. notwendig, dass jeder, der inzwischen gemerkt hat, was hier faul ist im Staate Deutschland, bei jeder Gelegenheit Protestbriefe schreibt an TV-Sender oder Presseorgane, die immer wieder die genannten Personen zitieren. Ein Internet-Forum, auf dem Ideen gegen die schleichende Vernichtung von Demokratie und Menschenrechten gesammelt werden, könnte nützlich sein. Das Wichtigste ist zur Zeit Aufklärung über die wahre Geschichte des Islam in Vergangenheit und Gegenwart. Dazu muss man gar keine Muslime beschimpfen. Die Fakten und Realitäten sprechen für sich. Allerdings sollte man Geschichtsbücher zu Rate ziehen, die vor 1970, besser noch vor 1960 geschrieben worden sind. Denn merkwürdiger Weise haben sich Fakten, die in diesen Büchern noch erfasst sind, in neueren Werken auf erstaunliche Weise aufgelöst bzw. gewandelt. Raddatz verweist dazu in seinem o.a. Buch dafür auf das Beispiel des Orientalisten Noth, dessen Dschihad-Beurteilung innerhalb von 30 Jahren eine frappierende Verwandlung durchgemacht hat.
Ich weiß nicht, ob ein von überzeugten Demokraten geführter intellektueller Krieg der Wahrheit gegen die Lüge Erfolg haben kann angesichts der starken Kräfte, die die westliche Demokratie derzeit zu unterwandern suchen und dabei leider auch schon Erfolge erzielt haben. Aber einen Versuch "mit Ruhe und Überlegung" ist es allemal wert. Wenn genügend Menschen durch redliche Aufklärung der gezielten Desinformation widerstehen, kann vielleicht doch am Ende noch ein Krieg der Waffen verhindert werden. Sicher bin ich da aber nicht. Denn wenn's hart auf hart geht, muss Demokratie wehrhaft sein, egal was es kostet!
Warum sollen sich die USA entschuldigen ,und nicht die Verantwortlichen vor Gericht stellen und bestrafen ?
Warum bekommen die Opfer keine Möglichkeit in den USA zu klagen oder in Europa . 600 Versuche hat der internationale Strafgerichtshof schon abgelehnt .
Es ist zu einfach die Gewalt zu verurteilen wenn das Recht nicht funktioniert.
Entschuldigen , also bitte , das ist eine Verhöhnung der Opfer der Folter , hier gehts um reale Menschen und nicht um virituelle Medienstrategien.
Gruß Fritzfernando
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