presseschau Brillanter Stillstand
Noch keine hundert Tage im Amt, schon nehmen die Medien die Kanzlerin aufs Korn. Adrian Pohr kommentiert das aktuelle Meinungsbild
Noch ist die Kanzlerin keine 100 Tage im Amt. Die Presse jedoch beeilt sich schon vorab, dieses Datum ausgiebig zu kommentieren. Fast durchgehend positiv bis gar euphorisch bewerten die Kommentatoren Angela Merkels internationale Auftritte. Verwunderlich: Nicht nur die unionsnahen Blätter sind voll des Lobes, auch die linke Presse (überraschend: die SPD-eigene Frankfurter Rundschau und die antikonservative tageszeitung ) gerät regelrecht ins Schwärmen. Schröder und Fischer wirken so im Nachhinein wie polternde Polit-Machos, die im Internationalen eine Bühne für ihre großen Egos gefunden haben. Trotz der damals oft positiven Noten im Fach Außenpolitik.
Das Volk dankt es Merkel mit brillanten Zustimmungswerten: Laut Forsa finden 70 Prozent der Deutschen, dass sie eine gute Figur macht. Sehr viel schlechter geht es gerade den SPD-Größen Franz Müntefering und Matthias Platzeck, deren Popularität deutlich sinkt. „Irgendwann muss sie ja aus dem Flugzeug steigen“, soll Platzeck über Merkels Höhenflug in ihrer außenpolitischen Anerkennung gesagt haben. Der Moment könnte nun gekommen sein: Die Medien wenden sich dem innenpolitischen Stillstand zu.
Allen voran der Spiegel , der in einem großen Stück den Reformstillstand der Bundesregierung kritisiert - auf fast allen wirtschaftlichen Themenfeldern. Firmen entließen weiter munter im ganz großen Stil, die Masse an Arbeitslosen bleibe erschreckend hoch, und was macht die Regierung? Sie debattiere nach Herzenslust, hin und her mit sich widersprechenden Endresultaten, schimpft der Spiegel sinngemäß. Und Merkel lasse ihre Minister gewähren, kein Anzeichen von Richtlinienkompetenz.
„Merkels Regierung hat bisher noch nicht einmal versucht, den Eindruck von besonderem Tatendrang zu erwecken“, schreibt das Nachrichtenmagazin. „Ihr Reformmut [...] bleibt fürs Erste suspendiert. Ihr Rezept ist denkbar einfach: Keine Erwartungen, keine Enttäuschungen – wenige Worte, kaum Taten. Merkel hat in der ersten Phase ihrer Kanzlerschaft das Pausieren zur Politik erklärt“. Doch den Grund hierfür sieht der Spiegel nicht in einer Planlosigkeit oder mangelndem Durchsetzungsvermögen, sondern als Kalkül der Kanzlerin: Das Volk danke ihr für die zaghaften Reformbemühungen. „Merkels Erfolg hängt auch mit der Entschleunigung zusammen, die sie sich und dem Land verordnet hat.“
Auch Robert Leicht erkennt in seiner Montagskolumne auf ZEIT online die Popularität einer nur langsamen innenpolitischen Veränderung und warnt die Öffentlichkeit, von Merkel ein „Durchregieren“ zu erwarten, für das, sobald sie es angehe, sogleich kritisiert würde. Doch auch Leicht fordert ein Vorangehen in der Innenpolitik. Flankiert wird er von der Frankfurter Rundschau , die kein entsprechendes Handeln gemäß der wahlkämpferischen „Große-Veränderungs-Rhetorik“ Merkels entdeckt: „Prompt preist die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende die Ästhetik des kleinen Schritts, als sei er stets ihr Ideal gewesen.“
- Datum 01.04.2009 - 07:37 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 20.2.2006
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Der Artikel ist nichssagend und hätte ungeschrieben bleiben können. Manchmal habe ich den Eindruck, Journalisten wie Herr Pohr setzen sich an die Tastatur und klappern die vorgegeben Zeilenlängen auf den Bildschirm. Und dann ab damit.
Wer die Sendung "Was nun...?" gesehen hat weiß, daß von der Regierung durchaus innenpolitische Schwierigkeiten angegangen werden. Beide Seiten am Kabinettstisch brauchen Mehrheiten, im Kabinet, im Bundestag und im Bundesrat. Gerade politjsche Journalisten sollten wissen, wie schwierig Mehrheitsfindungen in den anstehenden großen Problemen zu finden sind. Wahrscheinich ist die Methode der kleinen Schritte in dieser Situation die einzige Möglichkeit, überhaupt voran zu kommen. Leute, bleibt nüchtrn! KTramer
Nachfragen besser. Ich gebe zu, dass ich bei Frau Merkel überhaupt keine wirtschaftliche Kompetenz vermute. Möglich also, dass bei den Mehrheitsverhältnissen im Land, also mindestens bis zu diesen besagten Landtagswahlen, eigentlich Müntefering regiert - keinesfalls die SPD -.
Nur, es sagt keiner. Statt dessen wird unsere Kanzlerin geschont.
Ich habe die langwierigen und sich hinziehenden Regierungsjahre von Helmut Kohl überlebt. Bei unserer Kanzlerin geht alles nur noch viel vager und langsamer. Ich stelle einmal keck die These auf: Wenn ihre Zeit als Kanzlerin zu Ende geht, werden es sehr viel mehr gefühlte Jahre der Regentschaft sein als tatsächliche.
Es ärgert mich aber vor allem, dass in diesen vier Jahren die Mehrheitsverhältnisse im Lande ganz andere Möglichkeiten ergeben hätten. Deshalb kann ich Herrn Leicht auch nicht zustimmen.
Wenn jetzt eine blamable Haltung unserer Kanzlerin - ich bin ja schließlich in der SPD - gegenüber den Streikenden sichtbar werden sollte, hoffe ich auf entschiedeneren Widerspruch aus der SPD und deren Vorreiterrolle in der Garantierung des Ringens um sozialen Ausgleich und wirtschaftliche Gerechtigkeit. Mich interessiert nur die SPD, meine Partei und ihr Profil, d.h. letztlich ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den Wählern und bestimmt auch vielen Nichtwählern - habe da noch den Scherz von Richling im Ohr -, mich interessiert nicht die Macht und zugegeben auch nicht wirklich die große Koalition.
Das Deutschland diese A...karte im Kanzleramt gezogen hat ist der von den Medien im Gleichklang mit deren Kapitalgebern vorsätzlich herbeigeführten kollektiven Volksverdummung geschuldet. Bei der nächsten Reality-Show Bundestags-Wahl
kann man dies ändern, allerdings fehlt mir bei vorherrschender kollektiver Verblödung der Glaube daran!!!
Zornige Grüße aus Berlin
Also ich würde angemessen an die "intelektuelle Schärfe" mit der Frau Merkel kritisiert wird sagen:
Heult doch !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Zitat:Das alle Verleger-Journalisten, die Merkel zum Wahlsieg schreiben wollten(..)
Also bei dem hier mustergültig vorgetragenen Beispiel von Verfolgungswahn: Kennt denn keiner eine Therapiegruppe für Old Bob ?
Wenn Politiker nur noch auf die Popularitaets Berichte schielen waehrend sie Politik machen dann ist bald ganz Schluss mit Lustig.Es tut gut auch mal jemanden,wie Frau Merkel zu erleben die sich nicht wie ein Rockstar benimmt und feiern laesst.Sie wird Fehler machen aber ich bin der Meinung dass sie auch jemand ist der von seinen Fehlern lernt.Uebrigens Maschinen machen keine Fehler...irren dagegen ist menschlich .Es ist immer interessant dass wir von Anderen immer Perfektion erwarten ...Selbst Adenauer,Erhardt,Schmidt,Brandt und Schroeder machten Fehler und die Auswirkungen machen uns heute noch zu schaffen.
Wartet Deutschland vergeblich?
Schon vor Beendigung der ersten 100 Tagen nach dem 'Führungswechsel' in der Kanzlerschaft ist zu erkennen, daß Merkel den Mut, den der Kanzler Schröder u.a. ausgezeichnet hat, nicht aufbringen wird. Ihr gehts ums Amt, nicht um Entwicklung und Fortschritt zum Wohle der deutschen Bürger! Leider!
Das alle Verleger-Journalisten, die Merkel zum Wahlsieg schreiben wollten, sich nach der Wahl Merkels durch den Deutschen Bundestag zur Bundeskanzlerin weiter als "Jubel-Perser" gebärden bzw. gebärden müssen ist doch klar.
Die Faktenlage sieht allerdings anders aus: a) '45 minus 10' und 29,6 bei der Bundestagswahl b) keine wirklich vorheilhaften Ergebnisse und keinerlei Beitrag, um auf der internationalen Ebene Fortschritte zu erzielen c) insgesamt ein zu niedriger Wirkungsgrad der Kanzlerin, der Deutschland nicht gut tut.
Festzustellen ist: Merkel taucht ständig ab und versteckt sich. Wenn sie die deutsche Verleger-Presse nicht mehr 'im Rücken hat', dann ist die ehemalige FDJ-Sekretärin politisch tot. Mausetot.
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