Schule Schlechte Noten
Fehlende Chancengleichheit, verschenktes Bildungspotenzial und die Verlagerung von Kompetenzen auf Länderebene: UN-Sonderberichterstatter Muñoz hat die wunden Punkte unseres Schulsystems benannt. Ein Kommentar von Martin Spiewak
Das deutsche Schulsystem hat mal wieder schlechte Noten bekommen. Überraschend deutlich kritisierte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz Villalobos, die fehlende Chancengleichheit im hiesigen Schulsystem. Es versage darin, alle Schüler einzubeziehen und verschenke damit wichtige Bildungspotenziale. Konkret monierte er die frühe Aufteilung der Schüler auf verschiedene Schulformen. Gerade Jungen und Mädchen aus sozial schwachen Familien, unter ihnen viele Migranten, würden dadurch benachteiligt. Konkret fordert Muñoz eine Debatte über die Struktur des Bildungswesen sowie eine kostenlose vorschulische Erziehung. Ebenso kritisch äußert sich der aus Costa Rica stammende Bildungsexperte über die Tendenz, in der Bildung immer mehr Kompetenzen auf die Länderebene zu verlagern. Dadurch nehme sich der Bund die Chance, Einheit und Gleichberechtigung zu garantieren.
Weder die Analyse noch die Forderungen des UN-Sonderberichterstatters sind neu. Wie sollten sie auch? Nur zehn Tage hatte Muñoz Zeit, sich in Lehrerzimmern, Kultusministerien und Schulklassen ein Bild zu machen. Dennoch werden die Hinweise des aus Costa Rica stammenden Professors aus zwei Gründen Schlagzeilen machen. Zum einen legt hier nicht irgendeine linke Lehrergewerkschaft den Finger auf die Wunde, sondern ein von den Vereinten Nationen bestellter Bildungsexperte, der in offizieller Mission unterwegs ist. Zum anderen konzentriert Muñoz seine Mahnungen auf zwei Themen, die Deutschlands Bildungspolitiker nicht gern laut ansprechen: Die negativen Folgen für die Bildung durch die Schulstruktur und die Föderalismusreform.
Nach dem Pisa-Schock haben die Schulverantwortlichen einiges unternommen, damit sich die Leistungen unserer Schüler in Zukunft verbessern. Man einigte sich auf Standards, an denen in Zukunft alle Schüler gemessen werden. Vorschulische Sprachtests wurden eingeführt, Leseprogramme gestartet und eine Reihe von Schulen auf den Ganztagsbetrieb umgestellt. Eine Debatte jedoch haben die Kultusminister mit viel Mühe und Geschick verstanden zu umgehen: jene über das gegliederte Schulwesen. Kein Land verteilt seine Schüler (neben Österreich) so früh und so endgültig auf verschiedene Schulformen wie Deutschland, in den meisten Bundesländern bereits im zehnten Lebensjahr. Vier Schuljahre jedoch sind eine zu kurze Zeit, um Bildungsdefizite aus den Familien auszugleichen. Zugleich schwächt die strenge Segmentierung des Schulsystems die Förderkultur in den Klassen: Wenn ein Lehrer stets die Möglichkeit hat, einen Schüler auf eine untere Schulform abzuschieben vom Gymnasium auf die Realschule, von dort auf die Haupt- oder Sonderschule , warum sollte er sich übermäßig anstrengen, seinen Schützling zu halten?
Es sind oft subtile Mechanismen, die das Handikap der Herkunft verstärken, anstatt es wie in anderen Ländern zu mildern. Schon in Kindergarten und Grundschule erhalten sozial benachteiligte Kinder zu wenig Förderung. Selbst wenn sie das Gymnasium schaffen könnten, trauen ihnen Lehrer wie Eltern oft nur die Hauptschule zu. Hier treffen sie auf Mitschüler aus ebenso schwierigen familiären Verhältnissen und auf Lehrer, die ihre geringen Leistungserwartungen eben auf solche Kinder einstellen. Die einmal eingeschlagene Schullaufbahn ist kaum korrigierbar. Deutsche Schulen sind vor allem in eine Richtung durchlässig: nach unten.
Gewiss, Gesamtschulen nach deutschem Muster sind nicht die Lösung. Ohne eine innere Reform des Unterrichts, der Lehrerausbildung, der Vorbereitung auf die Schule durch die Kindergärten wird sich weder an den mittelmäßigen Leistungen deutscher Schüler noch an der Bildungsungerechtigkeit etwas ändern. Das Denken über eine andere Schulstruktur sollten sich die Kultuspolitiker aber nicht selbst verbieten. Angesichts der internationalen Erfahrungen ist es nämlich fraglich, ob die Einteilung in Gymnasium, Real- und Hauptschule auf ewig unantastbar bleibt.
Das andere Tabu betrifft die Folgen der Föderalismusreform für Schulen und Universitäten. In Zukunft soll der Bund auch die letzten Zuständigkeit für die Bildung verlieren. Sämtliche Bildungsorganisationen Lehrerverbände, Elternvereinigungen, Wissenschaftsorganisationen sind dagegen. Gehör haben sie sich bislang nicht verschaffen können. Das von kaum einer diplomatischen Zurückhaltung gezügelte laute Nachdenken des UN-Gesandten über die politischen Zuständigkeiten für Schulen und Kitas geben der Kritik nun öffentliches Gewicht. Denn wenn es stimmt, dass Bildung das wichtigste Thema ist, warum widmet man sich ihm nicht mit vereinten Kräften? Das Ganztagsschulprogramm ist ein großer Erfolg: Wieso soll die Bundesbildungsministerin so etwas in Zukunft nicht mehr finanzieren dürfen? Und wer versteht, dass der Bund in Zukunft zwar Schulen in Bolivien fördern darf, nicht aber in Hamburg-Wilhelmsburg oder Berlin-Kreuzberg? Der UN-Sonderberichterstatter Vernor Muñoz scheinbar nicht. Es ist zu hoffen, dass seine Zweifel ein lautes Echo finden.
- Datum
- Quelle ZEIT online, 21.2.2006
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Ich glaube, dass das zugrundeliegende Problem der deutschen Bildungslandschaft nicht in aller erster Linie die Politik, irgendwelche Gesetze oder die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern ist, sondern die inkompenten deutschen Lehrer.
Jeder psychisch Kranke und Halbwissende ist im deutschen Bildungssystem irgendwo untergekommen. Mit einem Schmalspurstudium ihrer Fächer ausgestattet, einem Koffer voll persönlicher Probleme und dem Wunsch, eine Arbeit ohne Chef im Rücken und Leistungsdruck ausüben zu können, wurden die Kandidaten für eine gescheiterte Existenz zu den Lehrern unserer Nation gemacht.
Selbstverständlich habe ich auch gute Lehrer in meiner schulischen Laufbahn gehabt, aber sie waren die kleine Minderheit. Der Rest war entweder überbezahltes Mittelmaß oder ein völliges Desaster.
Wir müssen einen neuen Typ von Mensch für unsere Schulen aussuchen. Wir müssen diese Leute gut bezahlen und von ihnen viel verlangen. Es müssen Menschen sein, die mit Kindern und Jugendlichen umgehen können, die deren Respekt verdienen, die sich fachlich gut auskennen und Enthusiasmus für das Lernen erwecken können. Solche Menschen wären das doppelte ihres jetzigen Gehaltes wert, aber sie sind an unseren Schulen wirklich die Ausnahme.
Eine Dame, die 15 Minuten zu spät zu ihrem eigenen Unterricht kommt, sich dann 15 Minuten über die Welt beschwert und schließlich 10 Minuten zu früh aufhört, verschwendet unser Geld, die Zeit unserer Kinder und sollte lieber zu Hause bleiben.
Nicht dass ich unser Schulsystem vehement verteidigen möchte, aber beim Stichwort sozialer Ungerechtigkeit fallen mir auf Anhieb mindestens mehrere Dutzend Länder ein in denen es für die UN wohl angebrachter wäre sich zu engagieren. Aber anstatt in schwierigen Entwicklungs- und Schwellenländern zu recherchieren lässt sich ein Herr Munoz lieber in Deutschland hofieren. Wieviele sogenannte Experten von obskuren UN / OECD usw Gremien nörgeln sich denn noch (gut bezahlt) durch die Welt. Was produzieren Sie denn ausser viel Papier?
Dass der Pisa-Schock überwunden scheint, zumindest in Niedersachsen (ausgerechnet) wird besonders deutlich daran, dass seit letztem Sommer in den Fächern Geschichte und Deutsch (!) eine Stunde weniger Unterricht erteilt wird...
Ich glaube, dass das zugrundeliegende Problem der deutschen Bildungslandschaft nicht in aller erster Linie die Politik, irgendwelche Gesetze oder die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern ist, sondern die inkompenten deutschen Lehrer.
Jeder psychisch Kranke und Halbwissende ist im deutschen Bildungssystem irgendwo untergekommen. Mit einem Schmalspurstudium ihrer Fächer ausgestattet, einem Koffer voll persönlicher Probleme und dem Wunsch, eine Arbeit ohne Chef im Rücken und Leistungsdruck ausüben zu können, wurden die Kandidaten für eine gescheiterte Existenz zu den Lehrern unserer Nation gemacht.
Selbstverständlich habe ich auch gute Lehrer in meiner schulischen Laufbahn gehabt, aber sie waren die kleine Minderheit. Der Rest war entweder überbezahltes Mittelmaß oder ein völliges Desaster.
Wir müssen einen neuen Typ von Mensch für unsere Schulen aussuchen. Wir müssen diese Leute gut bezahlen und von ihnen viel verlangen. Es müssen Menschen sein, die mit Kindern und Jugendlichen umgehen können, die deren Respekt verdienen, die sich fachlich gut auskennen und Enthusiasmus für das Lernen erwecken können. Solche Menschen wären das doppelte ihres jetzigen Gehaltes wert, aber sie sind an unseren Schulen wirklich die Ausnahme.
Eine Dame, die 15 Minuten zu spät zu ihrem eigenen Unterricht kommt, sich dann 15 Minuten über die Welt beschwert und schließlich 10 Minuten zu früh aufhört, verschwendet unser Geld, die Zeit unserer Kinder und sollte lieber zu Hause bleiben.
Erschrocken lese ich, dass entgegen aller Vernunft die Länder MEHR Bildungshoheit bekommen sollen, anstatt eine bundesweite Vereinheitlichung anzustreben.
Hier hilft nur noch eines: die verhaßte EU muss dringend dafür sorgen, dass europaweit einheitliche Standards für Schulabschlüsse geschaffen werden, mit zentralen Abschlussprüfungen. Nur so sehe ich eine Chance, um in unserem Vaterland die Bildung - und damit unser aller Rente - vor den Egoismen unfähiger oder unwilliger Landespolitiker zu retten. Als Kompromiss könnte man diesen die Bereiche Agrar- und/oder Wirtschaftspolitik überlassen, die ohnehin in regionalen Strukturen gedacht werden müssen.
Dringend eine zentrale, EU-weite Prüfung einzuführen, und sei es als freiwilliger Zusatz zwecks späterer beruflicher Mobilität, könnte ein erster Schritt sein, um die Landesherren ihrer eingebildeten Herrlichkeit zu berauben und Eltern und Schülern einen individuellen Vergleich mit den Schülern anderer Länder zu ermöglichen.
Eine weitere Alternative könnte sein, ein Veröffentlichungsgesetz zu schaffen, wonach jede Bildungseinrichtung Ihre Bewertungsgrundlagen, den behandelten Stoff und die von den Schülern/Studenten erzielten Ergebnisse veröffentlichen muss. Dann kann wenigstens jeder Arbeitgeber und jede Hochschule überprüfen, ob die für eine Ausbildung / einen Studiengang notwendigen Vorkenntnisse an dieser Schule vermittelt wurden. In anderen Ländern klappt diese Art der gesellschaftlichen Kontrolle recht gut (wenngleich natürlich nicht perfekt).
Mein Plädoyer an die Politik, aber auch und besonders an die betroffenen Bevölkerungsgruppen: Macht die Bildungspolitik zur Bundessache, schafft Standards und streitet für Gerechtigkeit!
In den meisten Berichten und Kommentaren geht es um Schulen und Lehrer und Kindergärten und Gymnasien und und und ...
Doch beginnt Bildung, die Lust auf Wissen, die Lust zu lernen, nicht gerade und in aller erster Linie zu hause? Wird die Lust am Lesen, am Erzählen, nicht durch Vorlesen und die Ermutigung zum Lesenlernen geweckt?
Ich habe schnell lesen gelern, weil meine Mutter immer mitten in der Geschichte Vorzulesen aufgehört hat und wenn ich das Ende wissen wollte, musste ich entweder warten (man war das schlimm!) oder eben selber lesen.
Wir können viel Diskutieren, doch beginnt der erste Kontakt mit Wissen in der Familie. Dort wird der Grundstein gelegt. Warum beginnt man nicht einmal darüber zu reden? Oder bekomme ich das nur nicht mit?
Der Befund des UN-Beauftragten Munoz stellt ja nun wirklich keine Überraschung dar. In Deutschland hat man den Bildungs-Zug verpasst, weigert sich aber hartnäckig, hinterher zu kommen und vielleicht doch noch aufzuspringen. Statt dessen wird sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen und (partei-)politischen Grabenkämpfen ergangen (ob Gesamtschule ja oder nein, ob Lehrer Beamte sein müssen ja oder nein) und auf immer wieder neuen Nebenschauplätzen die Zeit vertan.
Dafür bekommt man hier in Deutschland Jahr für Jahr die PISA-Keule zu spüren. Es bewegt sich nichts, so scheint es. Kein Wunder, dass der Stillstand, der schon seit Jahren bekannt ist, nun auch der UN (endlich) offenbar wird. Was daraus wird, wird man sehen...
Wer oder was verbietet es eigentlich, einmal genau nachzusehen, wie und warum es in anderen Ländern mit der Bildung besser funktioniert als in Deutschland? Und was ist dagegen einzuwenden, von anderen Ländern zu lernen? Warum wird nicht einmal geprüft, ob Erkenntnisse aus anderen Ländern uns eventuell weiterhelfen könnten. Oder reißt das gleich wieder die Frage nach Besitzständen auf, die eventuell in Gefahr sind? Wer oder was hat in diesem Lande eigentlich WIRKLICH Priorität?
In Deutschland werden Kindern systematisch Wege verbaut, die sie in eine erfolgreiche Zukunft führen könnten, sowohl hinsichtlich Bildung, Beruf als auch soziale Kompetenz. Und das gilt nicht nur für Kinder aus Migranten-Familien, sondern für deutsche Kindern ebenso. Wer erst einmal in der Hauptschule gelandet ist, braucht schon eine spezielle Power, auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben - geschweige denn, doch noch Abitur zu machen. Und selbst das hat angesichts der vielen Bildungslücken, die sich auch bei Abiturienten auftun, anscheinend immer weniger Wert.
Außerdem: Wir reden in Deutschland von Europa - und sind nicht einmal in der Lage, Bildungsabschlüsse (z.B. Abitur) in allen 16 Bundesländern einheitlich zu beurteilen (immer noch ist ein Bayern-Abitur anscheinend mehr wert als ein NRW-Abitur). Immer wieder politische Kämpfe um schulpolitische Ideologien - aber keine Einigung, anscheinend auch kein wirkliches Interesse daran.
Es ist wie bei den beiden Ziegen, die sich auf einem schmalen Steg mitten über einem Fluss begegnen. Keine der beiden gibt nach - und am Ende fallen beide ins Wasser.
In diesem Falle Deutschlands Zukunft gleich mit.
Die Politik trägt eine große Verantwortung für die Bildung in diesem Land - und sie trägt ebenso große Verantwortung dafür, dass Kindern die Möglichkeit geboten wird, etwas aus ihrem Leben zu machen. WAS sie später einmal aus ihrem Leben machen, steht auf einem anderen Blatt. Aber jedem von ihnen muss erst einmal die CHANCE gegeben werden - und das unabhängig von ihrer Herkunft oder vom Geldbeutel ihrer Eltern oder gar von ihrem Wohnviertel, ihrer Stadt, ihrem Wahlkreis oder Bundesland.
Welcher vermeintliche oder echte Experte sich auch immer zu bildungspolitischen Fragen äußert, stets basiert die Wahrnehmung der Wahrheit in extremer Weise auf der dahinterstehenden Ideologie. Ein paar Fakten, die gerade auch aus PISA entnommen werden können, scheinen mir im Hinblick auf die Forderungen die Herr Munoz aufstellt geradezu widersprüchlich:
1.) Wieso soll das hochgelobte Finnland mit seinen 5 Mio Einwohnern eigene Bildungspolitik betreiben und nicht pan-skandinavisch oder gar europäisch gleichgeschaltet werden, während z.B. Bayern (vom PISA Ergebnis her unweit von Finnland) mit 12 Mio Einwohnern sich in eine zentralistische Struktur einordnen sollte?
2.) Warum soll eine Zusammenlegung aller oder einiger Schulformen ein verbessertes Gesamtergebnis bringen, wenn im bundesdeutschen Ländervergleich das segregatorischste System in Bayern weit bessere Gesamtergebnisse liefert als eines der egalisierensten z.B. in Bremen (was hier für den Vergleich von Einzelfällen gilt, lässt sich aber auf den ganzen Ländervergleich generalisieren).
3.) Warum soll insbesondere die Förderung bildungsferner Schichten (nicht nur Migranten) durch ein integratives Schulsystem besser funktionieren, wenn gerade Bremen und NRW spitzenreiter bei der Abhängigkeit der Leistung von sozioökonomischen Faktoren sind (hier: PISA E sozialer Gradient der Lesekompetenz) während das in diesem Zusammenhang gescholtene bayerische System hier eher im Mittelfeld liegt( seinerzeit von der Presse fehlerhaft interpretiert: lediglich die Abiturhäufigkeit nicht aber die gemessene individuelle Leistung hängt in Bayern sehr stark vom sozioökonomischen Hintergrund ab )
4.) Warum kommen in der PISA Spitzengruppe neben dem skandinavischen Modell (z.B. Finnland) auch das geradezu gegenteilig funktionierende "fernöstliche Disziplinmodell" (z.B. Südkorea,Japan) auf Spitzenplätze? Kann es sein, dass es nicht nur eine seligmachende Bildungssystemvariante gibt, sondern dass ganz unterschiedliche Systeme, die sich in ihrer Ideologie geradezu widersprechen zu guten Ergebnissen führen, während Systeme, die weder Fisch noch Fleisch sind und ein bildungspolitische "große Koalition" darstellen besonders misserfolgsträchtig sind?
Eine Ideologie mag am Anfang einer Entwicklung ganz hilfreich sein (60er und 70er Jahre). Wenn man es aber unterlässt, zu messen, ob man mit einer ideologisch motivierten Veränderung tatsächlich Erfolge erzielt, handelt es sich um einen menschenverachtenden hypothesengesteuerten Großversuch ohne definierbare Abbruchkriterien (Bei einer medizinischen Behandlung würde jede Ethikkommission so etwas verbieten). Die föderale Vielfalt hat uns die Möglichkeit gegeben, die widersteitenden Ideologien einige Dekaden in Kompetition auszuprobieren. Nachdem man sträflich spät anfing, die Ergebnisse zu messen, wäre es jetzt an der Zeit
mit den klaren Verlieren gnadenlos aufzuräumen und die Gewinnersysteme in verbindliche bundesweite Standards zu übertragen. Während sicher ist, dass Bremen, Hamburg, Brandenburg oder S-AN sicher zu den Verlieren zählen (auch und gerade in puncto Förderung bildungsferner Schichten) ist neben dem laut polternden ideologielastigen Bayern aber gerade der leise Pragmatiker BaWü ein Beispiel, wie man es machen könnte: Spitzenergebnis, geringe sozioökonomische/migrations- Prägung, hohe Durchlässigkeit aber klares segregatorisches System, hoher Anteil berufsnaher Bildung.
Gerade im Hinblick auf die evidenten Ergebnisse von PISA muten Äußerungen, die sich nicht wissenschaftlich validieren lassen, an, wie das bildungideologische Geblubber der deutschen Politik seit 1968 - Schade!
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