PDS - WASG Links zu sein, ist das nicht schön…
… bei so vielen, vielen Möglichkeiten? Selbst in der Linkspartei gibt es mindestens drei Varianten
Links sein ist offenbar auch nicht so einfach, wie man denken möchte. Und links zusammen mit anderen erst recht nicht. Da hat sich zwar die westdeutsche WASG mit der ostdeutschen PDS zur so genannten Linkspartei zusammengetan, die freilich nichts anderes ist als eine umgetakelte PDS mit Angehörigen der WASG auf ihrer Kandidatenliste für die Zweistimmen. Als Ergebnis sitzen nun Gregor Gysi und Oskar Lafontaine wie Pat und Patachon einer Bundestagsfraktion vor. Aber die West- (und Ost-?)Berliner WASG möchte um keinen Preis mit der PDS gemeinsam zur Wahl für das Abgeordnetenhaus des Landes Berlin antreten. Bleibt es dabei, setzt sich diese Verweigerung in Mecklenburg-Vorpommern gar fort, dann ist es mit der gemeinsamen Fraktion der Linkspartei im Bundestag und vor allem mit dem Fraktionsstatus insgesamt vorbei. Denn aus rechtlichen Gründen dürfen zwei Parteien, die irgendwo im Wahlgebiet - und zwar an Ort und Stelle - gegeneinander antreten, nicht eine gemeinsame Fraktion bilden. An Ort und Stelle – diese Einschränkung musste hier schon der Union wegen angefügt werden, denn die CSU tritt ja oft genug gegen die CDU an – nur eben nicht dort, wo die CDU oft genug gegen die CSU antritt; und umgekehrt – Sie verstehen?
Aber lassen wir einmal die rechtlichen Kalamitäten für einen Augenblick beiseite! Das Politische sieht nun so aus: Schlimm genug – und doch oft genug notwendig – , dass Volksparteien in sich vielgliedrig, zuweilen gespalten sind; als politische Omnibusse müssen sie ja auch bestrebt sein, jeden denkbaren Passagier mitzunehmen, der dann seinen eigenen Parteiflügel aufmachen kann. Aber wenn eine Splitterpartei wie die Linkspartei sich auch noch vielfältig spaltet, dann wird es kurios.
Die WASG in Berlin (und in Mecklenburg-Vorpommern) will nicht mit der PDS zusammengehen, weil die – sozusagen realpolitisch – mit der SPD regiert (von der sich die WASG-Leute ja eigentlich abgespalten haben) und soziale Einschnitte zu vertreten hat. Die WASG ist also zum puren Opponieren, nicht etwa zum verantwortlichen Mitregieren da. Aber nun will die Linkspartei doch spätestens 2009 im Bunde eine rot-rot-grüne Option eröffnen, also regieren; von einer reinen rot-roten Option redet man nicht, so realistisch ist man offenbar auch schon. Was also nun – opponieren oder regieren um jeden Preis?
Und während nun darüber schon ein wackeres Kämpflein tobt, proben innerhalb der SED, pardon: PDS, sorry: Linkspartei die Plebejer den Aufstand. Die Leute von der Kommunistischen Plattform wollen drei PDS-Vertretern mit post-stalinistischer Parteidisziplinierung ans Leder, weil die es gewagt haben, im Europa-Parlament für eine Resolution zu stimmen, in der dem Regime von Fidel Castro die Verletzung von Menschenrechten vorgehalten wurde: Ja, darf man denn einem der letzten Agenten der kommunistischen Weltrevolution derart schamlos in den Rücken fallen? Jetzt fehlt nur noch, dass irgendein PDS- Sprecher aufsteht und die „Geheimrede“ von Nikita Chruschtschow, der vor exakt 50 Jahren die Verbrechen Josef Stalins beim Namen nannte, als Verstoß gegen die Parteidisziplin tadelt. Denn wenn man die Verbrechen Castros nicht beim Namen nennen darf, um wie viel weniger jene von „Väterchen“ Stalin? Sarah Wagenknecht, übernehmen Sie!
Fundamentalopposition gegen die Wirklichkeit, Fundamentalnostalgie gegen die freie Gesellschaft, regierungssüchtiger Populismus – es ist ein bisschen viel Widerspruch, der sich da unter dem schütteren Dach des Ego-Tempels von Lafontaine und Gysi versammelt. Freilich, von heute aus ist es schwer zu sagen, wie groß der Störfaktor einer zudem von juristischer Aufspaltung bedrohten Linkspartei im Jahre 2009 noch sein wird. Aber eines lässt sich schon jetzt sagen: Ein harmonisches Vergnügen ist es, trotz aller Solidaritätsrhetorik, offenbar nicht – links zu sein.
- Datum 03.08.2007 - 06:29 Uhr
- Quelle ZEIT online, 27.2.2006
- Kommentare 7
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Also Herr Leicht schreibt auch über die Linkspartei etc. Die anderen Kommentare gefallen mir gut und besser, habe dem so nichts hinzuzufügen. Es interessiert mich aber doch, wie weit die innere Beteiligung von Herrn Leicht geht. Ich werde es aus weiteren Artikeln erlesen. Ich war mal großer Fan des SB, war auch Mitglied der DS, bin dann aber zur SPD gegangen, weil die Grünen ökonomisch recht schwach wirkten und vor allem nicht solche Gewerkschaftsfans waren, wie ich das nun mal bin.
Ein Grund warum ich in der SPD bin ist sicher, dass ich Menschenmengen-orientiert bin. Nicht im fanatischen Sinne, eher so in Richtung Fussball. Vor den Leuten in der PDS habe ich allerdings großen Respekt, weil ich Osterfahrung habe und weiss, dass die PDS nur insofern die "SED" wäre, als eben auch in der SED nicht nur schlimme Leute waren.
Der Ton in der SPD ist für mich allerdings heimeliger und ich bleibe drin, bis sie mich rausschmeißen werden.
Schön, dass es linke Kommentatoren in der ZEIT gibt.
Die fünfte Jahreszeit reizt offensichtlich, es den Karnevalisten nachzutun und wieder einmal ein Dauer- und Lieblingsthema leitartikelnd abzuhandeln. Schlimm, dass es schon in den Volksparteien so viele Möglichkeiten abzuweichen gibt, jetzt wollen auch die Linken Oppositionellen, derzeit politisch und medial eher marginalisiert, viele Wege zum Glück streitend erproben. Ausgerechnet jene, denen man immer noch Kryptostalinismus leicht und fertig in der ZEIT vorwirft.
Ja, dann bleiben nur altbekannte Beleidigungen, im letzten Bundestagswahlkampf schon genügend gegen Gysi und Lafontaine geübt, und möglichst wenig
Rechercheaufwand. - Vorteil der Leitartikelkultur.
Für das aktuelle Personal ist keine sinnvolle Beschäftigung erkennbar. Das was sie sollten, können sie nicht. Das was sie wollen, benötigt man nicht. Die Frontleute Gysi und Lafontaine werden sich bald verabschieden.
Ach wissen Sie, Herr Leicht :
Die zahlreichen theoretischen (und praktischen) Unstimmigkeiten der Neuen Linken rühren doch allesamt daher, dass sie die Wirklichkeit des nunmehr 21. Jh. mit Kategorien des 19. Jh.zu verstehen sucht.
Damit unterscheidet sie sich überhaupt nicht von den etablierten Volksparteien. Leider.
Trotzdem würde ich es mir immer verkneifen wollen, die letzten traurigen Ritter der "Alten Tante" oder der "christlichen Atlantiker" beispielsweise als Dick und Doof vor meinem "inneren Auge" erscheinen zu lassen.... obwohl die augenscheinlich realverlustige Präsenz der Mandarine der kurzen Sätze und der Rechenunkunst die Grenzen der Lächerlichkeit, der Torheit und der Tölpelhaftigkeit im Ansehen breiter Bevölkerungsschichten bereits weit überschritten hat....
Vielleicht könnte eine veröffentlichte fundamentalanalytische Bestandsaufnahme des Denkvermögens von rinken und lechten Intellektuellen, die sicher in den etablierten politischen Parteien zu allerletzt anzutreffen sind, dennoch tatsächlich zu Problemlösungen in den > europäischen Demokratien führen.
Es wäre sehr schön, wenn auch deutsche Kreative noch zu finden wären.
Freie Gesellschaften können auf Dauer nur frei bleiben, wenn sie Denker öffentlich zulassen, die das "Denken ohne Geländer" beherrschen und das Risiko der öffentlichen Blamage riskieren. Mit dem Risiko des Abstürzens. Na und ?
Aufstehen, Beule reiben und weiterdenken !
So geht das. Und nicht mit alter deutscher bekannter Häme.
Mit freundlichem Gruß
SJH
Mir kommt es eher vor als ob ein interner Wettbewerb der verschiedenen Linken stattfindet wo sich kristallisieren soll wer nun links genug ist.links von links geht das???
Nein, leicht ist es nicht, links zu sein, da hat Robert L. sicher Recht. Aber was ist schon leicht heutzutage? Ist es etwa leicht, Christ zu sein? Keineswegs. Schon gar nicht, nachdem auch immer mehr Christen ihr staatsbürgerlich verbrieftes Recht auf eine eigene Interpretation ihres Glaubens wahrnehmen wollen. Abtreibung und Priesterehe, das gemeinsame Abendmahl, Frauen auf der Kanzel oder Kondome in der Hosentasche - welches ist schon der "wahre Glaube" wenn es nicht länger EINE Wahrheit gibt, sondern viele? Es gibt sogar Christen, die kommen ohne Kirche aus. Was also Wunder, wenn manch einer behauptet, er sei links und bräuchte dafür keine Partei? Schon gar keine mit Vergangenheit. Für die SPD, die CDU, die Grünen und die FDP sieht es nicht besser aus. Selbst die Schadenfreude, die im Artikel zwischen die Zeilen mitschwingt, ist vermutlich nur geliehen. Vielleicht sollte sich Herr Leicht einmal ganz dezent und im engsten Kreise die Frage stellen, wem oder was er sich zugehörig fühlt und warum. Es könnte doch durchaus sein, die Zeitung für die er schreibt, hängt weit weniger an ihm, als er an ihr hängt? Und wie, wenn die Frage erlaubt ist, sieht es mit seiner/m LebensabschnittspartnerIn aus? Nein, das Leben ist wahrlich nicht leicht heutzutage. Für uns alle nicht.
Man lasse sich einmal jene Sätze auf der Zunge zergehen:
"Jetzt fehlt nur noch, dass irgendein PDS- Sprecher aufsteht und die Geheimrede von Nikita Chruschtschow, der vor exakt 50 Jahren die Verbrechen Josef Stalins beim Namen nannte, als Verstoß gegen die Parteidisziplin tadelt. Denn wenn man die Verbrechen Castros nicht beim Namen nennen darf, um wie viel weniger jene von Väterchen Stalin? Sarah Wagenknecht, übernehmen Sie! "
Ist diese Passage an Unterstellung und Verdrehung noch zu überbieten?
Herr Leicht, ich schätze Ihre Kommentare, jedenfalls jene, die nicht pastoral klingen, so wie dieser. Er schmeißt mit Wörtern nach der Linkspartei wie einst Luther mit dem Tintenfass nach dem Teufel. Luther, wie sich herausstellte, vergeblich.
Entschuldigen Sie, Herr Leicht, aber Ihr Beitrag - geifert einfach zu stark. Mag man von der PDS/WASG halten was man will. Aber Ihre Kombinationskette: Kritik an den eigenen Abgeordneten - Stalin - Wagenknecht sollten Sie durchaus noch einmal überdenken.
Man könnte auch sagen: "Es ist ein bisschen viel Widerspruch, der sich da unter dem schütteren Dach"-stübchen von Leicht versammelt.
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