presseschau Schonzeit vorbei
Angela Merkels Regierungsarbeit wird von den Medien bewertet - nicht nur positiv. Adrian Pohr kommentiert das tägliche Meinungsbild
Eigentlich ist noch Schonzeit. Dennoch übertreffen sich die Medien gegenseitig, vorläufige Bilanzen der Regierungsarbeit auf den Zeitungsmarkt zu werfen. Der Spiegel hat bereits am vergangenen Montag den Anfang gemacht . In der aktuellen Ausgabe schreibt das Nachrichtenmagazin den alten Artikel um - nicht aber, ohne dessen Quintessenz zu wiederholen: Die neue Regierung hole sich rekordverdächtige Beliebtheitswerte aus der Bevölkerung und den Medien ab, die Wirtschaftsverbände übertrumpften sich mit immer optimistischeren Prognosen. Dabei werde allerdings die Realität aus dem Auge verloren: fünf Millionen Arbeitslose, angekündigter Stellenabbau großer Unternehmen, stagnierendes Wirtschaftswachstum. Doch woher kommt die neue deutsche gute Laune, die der Tagesspiegel (Sonntagsausgabe) bereits als "größte Leistung der großen Koalition" identifiziert hat? Und das, obwohl Merkel nicht durch große Bürgernähe aufgefallen sei.
Zumindest innerhalb der politischen Zirkel scheint die Antwort klar. Im eigenen Kabinett hat sich Merkel in eine unangefochtene Führungsposition hineinregiert. Elisabeth Niejahr und Tina Hildebrand fiel in der ZEIT eine "Lässigkeit" im Kabinett auf, die unter Schröder undenkbar gewesen wäre. Wie die beiden Reporterinnen anhand zahlreicher Beispiele belegen, werde im Kabinett ein freundlicher Umgangston gepflegt, alle in Entscheidungsprozesse eingebunden und ergebnisoffen diskutiert. Parteigrenzen würden so aufgelöst.
Auch außenpolitisch hat Merkel Respekt erworben, sie werde regelrecht hofiert von den gestandenen Mächtigen Chirac, Bush und Putin, stellte der Tagesspiegel fest. Das erklärt jedoch nicht ihre Beliebtheit beim Volk, die das Blatt folgendermaßen erklärt: "Nicht grundsätzlichen Opportunismus sehen die Bürger, wenn die erste Kanzlerin aus einem Wahldebakel nach Adenauers Devise von der Kunst des möglichen ein Wahlprogramm schneidert, sondern unideologischen Pragmatismus. Solche Demut vor dem Wählerwillen macht populär." Ihre einstige Ungeduld sei, wie die Süddeutsche Zeitung in einem Seite-3-Bericht einschätzt, von der guten Resonanz auf ihre Regierungsarbeit "in eine Art inneren Käfig gesperrt" worden.
Den reformradikalen Ansatz ihres Wahlkampfes hat sie aus ihrer Rhetorik gestrichen. Die Süddeutsche schreibt dazu: "Der Wahlausgang hat ihr gezeigt, dass ihre Vorgehensweise nicht funktionierte. Jetzt hat sie die Versuchsanordnung geändert. Vorher wollte sie kalten Stahl schmieden. Im Moment macht sie den Stahl warm und formbar. In welche Form sie ihn bringen möchte, sagt sie nicht."
Die Financial Times Deutschland meint zu ahnen, in welche Richtung es geht: Merkel habe sich von Spitzenleistungen und Radikalreformen verabschiedet, die sie vor ihrer Wahl noch gefordert hatte. "Und der Koalitionsarithmetik von Rot-Schwarz kommt Durchschnittlichkeit ohnehin sehr viel mehr entgegen als Spitzenanstrengungen. Macht weniger Mühe und mehr Freunde." Und der britische Economist fühlt sich daher auch animiert, vor zu viel Optimismus in Deutschland zu warnen. Damit wendet sich das Wirtschaftsmagazin übrigens erneut gegen die vorherrschende Meinung: Vor einem Jahr schrieben die Briten noch einen hoffnungsfrohen Artikel über die deutsche Wirtschaft, der im kompletten Gegensatz zu der schwarzmalerischen Stimmung in deutschen Medien stand.
Vielleicht hat Angela Merkel ja von Schröder gelernt, argwöhnt die Welt . Mit Merkels Kurs sollten keine Erwartungen enttäuscht werden, weil es Vertrauen ebenso zerstöre wie Mehrheiten. "Also werden die Erwartungen kleingehalten, weil große Erfolge als unwahrscheinlich gelten. 'Neue Nüchternheit' heißt das." Das Credo für die Innenpolitik laute "kleine Schritte", das für die Außenpolitik "nicht überheben". Denn am Ende geht es in der Politik auch für die neue Kanzlerin wohl nur ums Überleben.
- Datum 01.03.2006 - 12:29 Uhr
- Quelle ZEIT online 27.2.2006
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Kommt sie mit ihrer Schmalspur-Politik durch? FÜNF MILLIONEN Arbeitslose, kein Konzept, fürchtet die Innenpolitik wie der Teufel das Weihwasser. Es ist völlig unerheblich auf welchen roten Teppichen diese machtverliebte Frau herumschlittert und sich einseifen läßt, am ersten Zahltag ist der Bürger wieder mit einer leeren Lohntüte nach Hause gekommen. Wie wurde die Schröder-Regierung gescholten! Was haben wir jetzt: Versprochen-gebrochen. Einer der dämlichsten Merkel-Äußerungen im deutschen Bundestag!!!
Zornige Grüße aus Berlin
Ja Macht, die Frau wollte Macht, nun hat Sie die Macht und macht nichts draus. Kohls Enkelin wird so machen wie Er, die Kugel weiterschieben, sich hofieren zu lassen.
Als sie in der Opposition war hat Sie alles Schwarz gemalt, jede trümmerfrau hatte Angst ums Überleben vor den bösen Roten und die Revolutionären in Grün.
Aber jetzt ist die welt wieder in Ordnung, eine Pastorentochter regiert und weiss um zwei Tatsachen:
Wenn die Leute ärmer werden gehen sie wieder in die Kirche, und dann kann man ihnen katholische Entbehrung predigen, nur den Kleinen. Denn 50.000.000 Kirchenbesucher machen ja 50.000.000 aus.
Die zweite Tatsache ist dass die aus der DDR kommende einfach verstanden hat dass Gewerkschaften auch so funktionnieren, aber auch noch die Tugend haben Massen zu bremsen...
Also ist Jeder zufrieden, Kohl konnte 16 Jahre die Kugel schieben weil er ein Christdemokrat war, jetzt macht Merkel das Gleiche, mir neuem Look usw.
Schade dass Tucholsky das nicht mehr erleben kann, was dürfte der sich auslassen.
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