"Die Partner sind sich ebenbürtig." © Richards/Fox Photos/Getty Images

Frauen an die Macht, aber bitte weniger Alice Schwarzer: Vor zehn Jahren schrieben Frauen und Männer der ZEIT-ONLINE-Redaktion zum Frauentag auf, was sie sich für das Jahr 2016 für das Verhältnis von Männern und Frauen wünschen. Flexible Lebensmodelle, mehr weibliche Regierungschefinnen und eine Chefredakteurin für ZEIT ONLINE: Mancher Wunsch ist wahr geworden, andere müssen warten. Hier lesen sie die Wünsche der Männer. Die Wünsche der Frauen finden Sie hier.

Frauen an die Macht
Ich wünsche mir mehr Frauen als Männer in Machtpositionen und bin optimistisch, dass dieser Prozess in zehn Jahren weiter ist. Weil ich tatsächlich glaube, dass Frauen vernunftbegabter sind. Weniger Testosteron ist gut. Laura Bush wäre wahrscheinlich nicht in den Irak einmarschiert. Ich kann es weder biologisch noch soziologisch begründen, aber Männer tragen viele sinnlose Kämpfe aus. Mir wäre wohler bei dem Gedanken, dass mehr Frauen regieren.
Christian Bangel, Zünder

Auch wir sind Helden
In den Mantel muss mir noch niemand helfen, nicht einmal eine Frau. Aber hübsch wäre es schon, wenn sich die Betonung des Wortes "Gleichberechtigung" in zehn Jahren etwas mehr von "Recht" auf "gleich" verschöbe. Frauen haben nämlich einen ihnen selbst oft unheimlichen Vorteil: Sie bekommen (manchmal) Kinder. Danach heißt es herzlich stöhnen: Kinder, Arbeit, Putzen, Kochen und den Mann (so sie ihn hat) über die Karriereschwelle heben. Klatschend stehen Nachbarn und Verwandte dann am Zaun: Welch Heldentum. Wäre ich auch gerne, so ein Held. Kinder, Arbeit, Putzen, Kochen - alles kann Mann auch. Doch dann dies: In den ersten Tagen raunten Nachbarn: "Schau nur, wie nett dieser Vater sich im Urlaub um die Kinder sorgt." Nach drei Wochen hieß es dann: "Sicher ist er arbeitslos." Aus war’s mit dem Heldendasein. Wie ich mir die Frauen in zehn Jahren wünsche: stark und schön und klug wie heute. Und die Männer? Alle Helden!
Karsten Polke-Majewski, Redakteur

Frauenquote
In zehn Jahren, das wünsche ich mir, sollten in allen Unternehmen – auch in der ZEIT – Vereinbarungen in Kraft sein, den Anteil von Frauen in Führungspositionen und anderen Schlüsselstellungen um eine genau bemessene Zahl zu erhöhen. Flexibel muss so eine Quote schon sein, aber eben dergestalt, dass Abweichungen von ihr ausführlich und schriftlich zu begründen sind. Wetten, das hilft? Fragt sich nur, zwischen wem solche Vereinbarungen am Besten geschlossen werden – Betriebsräte sollten lieber draußen bleiben, sonst droht die Gefahr, dass die Frauenpolitik zur abhängigen Größe anderer Machtkämpfe wird. Und wir brauchen bestimmt nicht noch ein Gesetz. Dafür aber Frauen, die nicht locker lassen und immer wieder die peinliche Tatsache ansprechen, dass immer noch die patriarchalische Regel gilt: Macht ist männlich. Ja, ich weiß. Also: Ich wünsche mir, dass in spätestens zehn Jahren wieder eine Frau meinen Job macht.
Gero von Randow, Chefredakteur

Aus Rüpeln Edelmänner machen
Eine Kollegin meinte, es wäre höchste Zeit, dass eine Frau auch einem Mann in den Mantel helfen sollte . Verkehrte Welt. Verheerende Folge des Feminismus.

Vor einigen Jahrhunderten haben die Frauen die Männer dazu erzogen, nicht mehr auf den Boden des Schlosses zu spucken, und sich weiblichen Wesen gegenüber anständig zu benehmen. Aus Rüpeln haben sie Edelmänner gemacht. Das nennt man den Zivilisationsprozess. Der später dazu geführt hat, dass die bürgerliche Gesellschaft die Frau lediglich als Ehefrau und Mutter betrachtete.

Von diesem Zustand haben wir uns Gott sei Dank befreit, aber es gibt noch einiges zu vollenden, in Sachen Gleichheit der Geschlechter. In zehn Jahren darf meine Begleiterin mich gerne ins Restaurant einladen, weil sie eine Führungskraft ist und mehr Geld verdient als ich. Zur Zeit ist die Wahrscheinlichkeit ja noch gering. In zehn Jahren machen wir uns auch keine Gedanken mehr darüber, ob sie - Akademikerin oder Nicht-Akademikerin – Kinder haben will oder nicht. Es ist allein ihre Sache.

Und am Ende, hole ich ihren Mantel und helfe ihr hinein. Ich halte ihr die Tür auf und wir verlassen diese schöne Örtlichkeit. Ein wunderbarer Abend.
Alain-Xavier Wurst, Redaktion

Geradeheraus
Wunsch an die Frauen: Bitte etwas mehr geradeaus in der Kommunikation.
Nicht so von hinten durchs Knie. Um es mit Annett Louisan zu sagen: Ich habe doch demonstrativ nichts gesagt.
Oliver Bunte, Technik