Outsourcing Eine Frage der Kosten

Deutsche Unternehmen vergeben immer öfter Arbeitsschritte an ausländische Dienstleister. Manchmal profitieren sogar die Mitarbeiter davon

Während die Politik darüber streitet, wie durch Niedrig- und Kombilöhne in Deutschland neue Jobs geschaffen werden können, nutzen immer mehr Branchen die Möglichkeit, ganze Arbeitsschritte an Firmen in anderen Ländern zu vergeben. Outsourcing feiert neue Erfolge.

Vor allem Unternehmen der Informationstechnologie lassen immer öfter Teile ihrer Software im Ausland programmieren. 30 Prozent aller Programmierarbeiten haben europäische Unternehmen zuletzt verlagert, ergab eine Studie, die im Auftrag der LogicaCMG, eines IT-Beraters, durchgeführt wurde. Allerdings unterscheidet sich die Struktur dieser Auslagerungen in Deutschland stark von der in Nachbarländern. So verlässt sich der größte Teil der deutschen IT-Unternehmen auf einen einzigen ausländischen Partner. Briten und Niederländer dagegen verteilen ihre Arbeiten lieber auf mehrere Dienstleister. Ausgelagert werden vor allem die Systembetreuung, die Wartung der Hardware, die Softwareprogrammierung, auch die Anwenderunterstützung.

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Der naheliegendste Grund: die Kosten. Sie liegen in den Anbieterländern wesentlich unter den deutschen Preisen. Fragt man in Unternehmen, warum sie Arbeiten auslagern, erhält man jedoch auch andere Antworten. Viele Firmen wollen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Andere sind einfach zu klein, um die entsprechenden Leistungen selbst erbringen zu können. Sie verlassen sich darauf, dass ihre Dienstleister es besser können. Manche berichten auch davon, es sei sehr schwierig, geeignete Fachkräfte zu finden. Schneller geht es dann, wenn ein Dienstleister einspringt.

Aber auch die Großen setzen vermehrt auf Zuarbeit. Den Service für die IT-Anlagen von DaimlerChrysler übernimmt beispielsweise T-Systems. 300 Millionen Euro kostet das den Autobauer im Jahr. „Den Service und die Technologien von T-Systems stärken unsere Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Sue Unger, Sprecherin von DaimlerChrysler. „ Wir können uns somit voll auf unser Kerngeschäft konzentrieren. Außerdem sparen wir Kosten, da wir in den von den Serviceverträgen abgedeckten Bereichen nicht in die ICT-Infrastruktur investieren müssen.“

T-Systems betreibt für den Autobauer Großrechner und Client-Server-Architekturen und entwickelt, wartet und pflegt geschäftskritische Anwendungen. Die Mitarbeiter von DaimlerChrysler bekommen an fast allen Standorten der Welt standardisierte Services für ihre Arbeitsplatzsysteme. Entstanden ist T-Systems durch die Übernahme der Debis Systemhaus GmbH durch die Deutsche Telekom. Zuvor hatte Debis dem Daimlerkonzern gehört. 

Neben solchen weltweit agierenden Unternehmen gibt es noch die vielen kleinen Arbeiter. In einem russischen Kellerbüro arbeiten beispielsweise die Mitarbeiter von Olga und Oleg Gaponow. Vor großen Monitoren brüten die Informatiker und Web-Designer an neuen Programmen. 2001 gründeten die Gaponows die Web-Agentur Eurostudio. Die Aufträge für Eurostudio kommen von großen Agenturen im Westen. Sie erstellen umfangreiche Websites und vergeben die Kleinarbeit der Programmierung in Billiglohnländer – in der Regel ohne dass der ursprüngliche Auftraggeber etwas davon erfährt. In manchen Regionen Osteuropas sind die Web- Designer und Programmierer für weniger als 700 Dollar zu haben.

Doch Outsourcing führt nicht grundsätzlich in die Ausbeutung. Manch ein Mitarbeiter, der von seinem Mutterkonzern in ein ausgelagertes Unternehmen verschoben wird, steht später als Gewinner da. Denn die „Neuen“ versuchen, sich schnell in der neuen Umgebung anzupassen. Oft bedeutet das, die alte Position aufzugeben und in der neuen Firma einen ganz neues Aufgabenfeld zu übernehmen.

So entstehen für abkommandierte Outsourcingopfer überraschende Karrierechancen. Immer mehr Outsourcer legen Wert auf Weiterbildung und Karriereentwicklung, gemäß dem Motto: „Lieber investiere ich in die Ausbildung meiner Mitarbeiter, als Geld für Restrukturierungen auszugeben.“ Sobald den ausgelagerten Mitarbeitern bewusst wird, dass sie im alten Unternehmen ungeliebtes Kind waren, hier aber wichtiger Produktionsfaktor sind, wächst die Motivation und mit ihr die Arbeitsleistung.

 
  • Quelle ZEIT online, 6.3.2006
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  • Schlagworte DaimlerChrysler | Deutsche Telekom | Outsourcing | Osteuropa
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