Sprachen lernen
Vielfältige Botschaft
Die neue Schulstudie Desi offenbart Ernüchterndes, aber auch viel Interessantes - und zwar über mehr als nur den Englisch-Unterricht in Deutschland
Wie so oft findet sich das Interessanteste im Kleingedruckten. So auch bei der jetzt veröffentlichte Schulstudie Desi (Deutsch-Englisch-Schülerleistungen International). Nur zwei Drittel aller deutschen Schüler erreichen demnach in der neunten Klasse in Englisch eine Leistung, die den von den Kultusministern beschlossenen Bildungsstandards für Hauptschüler genügt. Von den Hauptschülern selbst schafft das lediglich jeder Dritte. Ob das Ergebnis wirklich so katastrophal ist, wie es sich anhört, ist allerdings schwer zu sagen; für die Einordnung fehlt unter anderem der internationale Vergleich. Das Resultat zeigt jedoch, dass die von den Kultusministern beschlossenen nationalen Bildungsstandards meilenweit von der tatsächlichen Leistungsfähigkeit der Schüler entfernt sind.
Das trifft die nach Pisa von den Kultusministern eingeleitete neue Schulpolitik ins Herz. Ihr Credo: Den Lehrern wird nicht mehr exakt vorgegeben, was sie zu unterrichten haben. Dafür müssen sie sich daran messen lassen, was ihre Schüler am Ende der Schulzeit können. Als Maßstab dafür sollen die für alle Fächer und Schularten formulierten Bildungsstandards dienen.
Wenn die Bildungsstandards die Latte aber zu hoch legen, dann werden die Schulen, und die Bildungspolitk gleich mit, in eine Dauerkrise geraten. Warum? Demnächst soll regelmäßig veröffentlicht werden, wie gut die deutschen Schüler die nationalen Standards erreichen. Das Ganze auch noch aufgegliedert nach Bundesländern. In die Ergebnisse der Desi-Studie sind ja die Leistungen der Schüler aus Bayern wie aus Bremen eingeflossen. Es gehört nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, wie katastrophal die Schüler des kleinsten Stadtstaates abgeschnitten hätten, wären die Ergebnisse nach Bundesländern aufgeschlüsselt worden.
Würde es die Öffentlichkeit, würde es die Politik und würden es die Schüler, Eltern und Lehrer aushalten, wenn Jahr für Jahr veröffentlicht würde, dass zum Beispiel nur die Hälfte der Schüler das erreicht, was die Schule aus ihnen herausholen soll? Und von den Bremer Schülern gar nur jeder Fünfte? Und umgekehrt: Wenn die Bildungsstandards nach unten korrigiert würden, könnten sich die Schüler aus Pisa-Spitzenländern wie Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen unterfordert fühlen. Ein bayerischer Kultusminister würde das kaum mitmachen. Das wird die Kultusministerkonferenz, das sei hier prophezeit, in der kommenden Zeit vor eine Zerreißprobe stellen.
Aber nicht nur im Kleingedruckten hat die Desi-Studie Überraschungen parat. Um mit der positivsten zu beginnen: Kinder, bei denen zu Hause nicht Deutsch gesprochen wird, können besser Englisch lernen. Endlich einmal eine gute Nachricht für Einwandererkinder, die sonst bei Schulstudien immer nur in Zusammenhang mit Problemen genannt werden. Überraschend auch, dass die Jungs, die sonst in Sprachleistungen den Mädchen immer unterlegen sind, beim Englischsprechen bessere Leistungen bringen als ihre Mitschülerinnen.
Sehr deutlich zeigt Desi den Vorteil bilingualen Unterrichts zum Beispiel in Geografie oder Biologie für die Englischleistungen Erstmals zeigte die Desi-Studie, dass die Klassengröße doch für die Schulleistung relevant sein kann: Beim Englischunterricht, bei dem es auf viele Sprechmöglichkeiten für Schüler ankommt, führen kleinere Lerngruppen zu besseren Leistungen. Wie die Klassen gemischt sind, ob dort starke und schwache Schüler zusammen lernen, oder die guten unter sich sind, spielt für die Leistung hingegen keine Rolle.
Die Studie räumt auch mit der Mär auf, in der Schulpolitik gäbe es kein Erkenntnisproblem, sondern nur ein Umsetzungsproblem. Videostudien des Englischunterrichts haben zum Beispiel gezeigt, dass nur während 11 Minuten einer Unterrichtsstunde die Schüler zu Wort kommen. Die Hälfte des Unterrichts reden die Lehrer, sie sind sich dessen aber, wie Befragungen zeigen, gar nicht bewusst. Viel mehr Studien in unterschiedlichen Fächern sind nötig, um zu zeigen, wie die Schulen in ihrem Kerngeschäft, dem Unterricht, besser werden.
Wie die Pisa-Studie bestätigt auch Desi den starken Einfluss des sozialen und kulturellen Status des Elternhauses auf die Schülerleistungen. Durch verstärkte Zusammenarbeit mit den Eltern könne die Schule dort gegensteuern, sagen die Autoren der Studie. Für die Studie wurden, für Deutschland repräsentativ, die Deutsch- und Englischleistungen von 11.000 Schülern aller Schularten (außer Förderschulen) zu Beginn und am Ende der neunten Klasse getestet. Darüberhinaus wurden Eltern, Lehrer und Schüler über den Unterricht und das soziale Umfeld befragt. Zudem wurden in Videostudien Erkenntnisse über den Englischunterricht gesammelt. Auftraggeber war die Kultusministerkonferenz. Durchgeführt wurde die Studie von Bildungsforschern unter der Leitung des Frankfurter Erziehungswissenschaftlers Eckhard Klieme, der das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (Dipf) leitet.
Nicht zu vergessen, dass die Studie natürlich auch die üblichen Reflexe auslöst. Die Lehrergewerkschaft GEW kritisierte wieder einmal das gegliederte Schulwesen, weil die Hauptschüler so außerordentlich schlechte Englischleistungen erbringen. Der Philologenverband hingegen, der viele Gymnasialllehrer vertritt, sah sich darin bestätigt, dass die integrierten Gesamtschulen gescheitert seien, weil sie ebenfalls miserabel abschnitten. Das Problem: Recht haben sie beide.
Die Internetseite von Desi (Deutsch Englisch Schülerleistungen International) informiert detailliert über die Beteiligten, das Konzept und die durchgeführten Tests.
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- Quelle ZEIT online, 3.3.2006
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Es ueberrascht, aus dieser Studie zu erfahren, dass "fuer die Einordnung der internationale Vergleich fehle." Warum eigentlich? Englisch wird in doch saemtlichen Laendern der EU studiert. Bestehen etwa keine Vergleichsmoeglichkeiten
mit oesterreichischen Schulen, um nur ein Beispiel zu nennen? Unzureichend sind offenbar nicht so sehr die Schueler und Lehrer, sondern vielmehr ist es die Studie, die an Soliditaet zu wuenschen uebrig laesst.
Wie der Author schildert, werden diese Standards krasse Leistungsunterschiede zu Tage fördern. Wirklich überraschend ist das nicht.
Auch wenn der Druck dadurch steigt, sehe ich das eher positiv.
Denn ideologische Bildungsdiskussionen könnten dabei auf Dauer wohl kaum überleben, sei es die des GEW oder die des Philologenverbandes, hinsichtlich der wahren Probleme sind deren Positionen eher Nebensache. Denn beide Ansichten werden das Problem nicht lösen.
Hier bedarf es der erneuten empirischen Erforschung, mit welchen Lernmethoden man bessere Erfolge erzielt. Ähnlich wie früher das preußische Schulsystem zum Erfolgreichsten seiner Zeit mutierte, weil die Lehrerschaft sich durch direkten Erfahrungsaustausch und Korrespondenz weiterbildete und sich dem Erfolg verpflichtete.
Transparenz bedeutet das Ende des Bildungsbürokratismusses ein Ende der Schreibtischtäterschaft, weil ihre Unzulänglichkeiten und Ohnmächtigkeit offensichtlich werden.
Das ist die eigentliche Schwierigkeit, die Schreibtischhengste in den Amtsstuben und der GEW zu entmachten, damit sich endlich wieder weniger um die Form, als die praktischen Erfolge vor Ort gekümmert werden kann.
Das wird nicht von heute auf morgen gelingen, ein Erfolg wäre es jedoch schon, wenn endlich der Weg dahin beschritten würde.
BGrabe
Ich bin sehr dafuer dass Kinder Fremdsprachen lernen man sollte darueber aber nicht die eigne Sprache ignorieren .Es gibt einfach zuviele Kinder die mangelhafte,deutsche Sprachkenntnisse haben.Es sollte moeglicher Weise schon im KIGA damit angefangen werden,quasi im Spiel,eine 2.Sprache einzufuehren.Kinder sind viel aufnahmefaehiger als Erwachsene denken!
Die Leistungen der Schüler, auch auf den Gymnasien, werden immer mieser.
Bereits vor 25 Jahren beklagte meine Französischlehrerin den Verfall des Niveaus auf dem Gymnasium (verglichen zu ihrer Zeit).
Scheinbar hat es noch einmal einen Erdrutsch nach unten gegeben, verglichen zu meiner Zeit (letzter Jahrgang vor Reform der Oberstufe Mitte der 80er).
Woran liegt das?
Meiner Meinung nach daran, dass nicht genügend Kinder aus den Bildungsschichten reproduziert worden sind.
Das Potential der Menschen liegt nun mal in der Gehirnstruktur, weniger in der Gestaltung des Unterrichts. In der Vergangenheit hat es eine starke Negativ-Selektion durch die Fertilitätsförderung der Unterschicht gegeben (dazu gehört auch die Negativ-Selektion bei der Zuwanderung).
Es ist also eine Systemfrage, nicht mehr und nicht weniger.
Wenn im Artikel die Frage aufgeworfen wird, ob vielleicht "die Latte zu hoch liegt", dann geht das komplett am Problem vorbei.
Nicht die Latte ist zu hoch, sondern die Leistungen sind schlicht ungenügend.
Deutschland muss schmerzhafte Veränderungen vollziehen, nicht weniger als eine völlig neue Grundhaltung ist nötig:
- Ersatz von Kindergeld durch bessere Kinderbetreuung.
- Stopp jedweder unqualifizierter Zuwanderung.
- Frühzeitig einsetzende Edukationsmassnahmen (im Kindergarten mit dem Lernen anfangen, damit intellektuelle - und sprachliche - Defizite wenigstens teilweise ausgeglichen werden können).
- Mehr Disziplin und Autorität an den Schulen (das erhöht die Aufmerksamkeit beim Lernen, und Form schlägt manchmal Klasse). Ein erstes gutes Zeichen wäre die Einführung von Schuluniformen.
- Vollständige Abschaffung der KMK (zuviele Nebelkerzen- Werfer verhindern den Durchblick).
Deutschland muss wieder schwitzen, kämpfen und beissen lernen.
Das können wir nicht mehr.
Wir sind fett, faul und feige geworden.
Drei Schritte zu laufen, und sich dann wieder müde fallenzulassen, saft- und kraftlos und ohne Selbstvertrauen - das führt nicht an´s Ziel bei einem Marathon. Mehr Ausdauer und Härte sind gefragt.
Die nächsten Jahrzehnte werden knallhart.
Wenn wir nicht fitter werden, fressen uns die Chinesen und andere zum Frühstück - dann werden wir alles verlieren, was wir uns über sehr lange Zeit aufgebaut haben.
In einer globalisierten Weltgemeinschaft wechselt das Vermögen schnell den Besitzer, das geistige Eigentum genauso wie die realen Güter (im Kleinen ist das die Abwanderung unserer Akademiker, im Grossen die Übernahme deutscher Firmen im grossen Stil).
Wir müssen unser gesamtes System so umbauen, dass es nur so kracht.
Zu martialische Worte?
Nein, die Realität!
Auch wenn es nicht politically correct ist, besteht wenig Zweifel daran, dass die Kombination von unglücklicher genetischer Ausgangslage kombiniert mit einem wenig förderlichen Elternhaus durch staatliche Steuerung (!!) in größerem Umfang als früher auftritt. Dies als alleinigen Grund für die derzeitige Bildungsmisere festzumachen greift allerdings etwas zu kurz.
Das Wehklagen der Hochschulen über eine fehlende Hochschulreife der Studenten, spiegelt ein ähnliches Phänomen auf der anderen Seite des Spektrums wieder. So finden Sie heute selbst in Fächern mit einem numerus clausus um 1,0 bis zu einem Drittel Studenten, die nicht intuitiv einen einfachen Dreisatz (natürlich nicht im klassischen Gewandt) lösen können (eigene schmerzhafte Erfahrung im Unterricht). Wenn Sie Klausuren korrigieren, finden Sie semantische und orthographische Hämmer, auch von Muttersprachlern.
Ich stimme Ihnen zu, daß das Problem mit Bequemlichkeit und Selbst(!)disziplinmangel zu tun hat. Eine Differentialgleichung löst sich nunmal nicht im lockeren Gesprächszirkel - das kostet Mühe.
Gerade den "harten" Disziplinen laufen die Studenten weg, während sie mit Absolventen der "Laberfächer" die Straßen pflastern können.
Dies scheint mir fast eine zwangsläufige Folge des Wohlstandes zu sein. Waren noch vor 20 Jahren im Idealfall die Eltern wirtschaftlich saturiert, dahnt sich dies heute auf deren Kinder mit aus. Werfen Sie heute mal einen Blick in eine Studententiefgarage oder vermieten sie mal die Wohnklos, mit denen sich die Studenten vor 20 Jahren begnügten. Neuwagen, Eigentumswohnung, elterlich finanzierte Urlaube oder arbeitsfreie Semesterferien sind salonfähig geworden. Wer sich nicht quälen muss, quält sich (oft) auch nicht.
Diese Prägung durch das Elternhaus kombiniert mit der elterlichen Schützenhilfe gegen die Schulen macht es den Schulen schwer sich neu auf Disziplin zu besinnen.
Meiner Ansicht nach muss schon frühzeitig vermittelt werden, dass Mühe, Anstrengung oder Disziplin von der Sache, dem Lehrgegenstand gefordert wird um ihn zu begreifen, und nicht eine anzuerziehende Sekundärtugend ist. Das geht nur durch harten Leistungskriterien in der Schule und klare Sanktionen bei Nichterreichen. Ob man nun hier Sitzenbleiben und Schulartwechsel im dreigeteilten System als probat ansieht, oder ein Gesamtschulsystem mit einem Kurssystem auf mehreren Niveaustufen und rigiden Auswahlmechanismen bevorzugt, ist Geschmacksache und sollte nicht immer zum alleinigen Heilversprechen der beiden ideologischen Lager verkauft werden. Hauptsache man stellt Leistung in den Fokus - die Messung der selben ist dann natürlich Voraussetzung. So gesehen haben wir uns mit PISA und Konsorten schon ein großes Stück in die richtige Richtung bewegt.
@ iceman
Vorneweg ich bin 24 jahre alt. Zähle mich somit also noch zur Jugend dieses Landes.
Wenn ich Ihre Kommentare richtig verstanden habe denken Sie also die deutsche Jugend wäre ein Produkt einer immer weiter degenerierenden Gesellschaft, in der sich nur noch die Dummen bzw. die dummen Ausländer angemessen fortpflanzen...
Nun, da ich wie bereits erwähnt Ihrer Nachfolgegeneration angehöre hat mir dieses Urteil natürlich wenig gefallen.
Zum Glück ist mir schnell aufgefallen das es sich bei Ihrer These um kompletten Unfug handelt.
Sie unterstellen hier, dass eine lange gepflegte geistige Blüte nun durch die überproportionale Vermehrung dummer Menschen vergeht. Tatsache ist aber ,geschätzter Iceman, das sehr wahrscheinlich Ihre wie auch meine Vorfahren noch vor 100 Jahren entweder Bauern oder aber Industriearbeiter waren. Die weder die Zeit noch die Muße hatten sich um solcherlei Kleinigkeiten wie Kultur zu kümmern, da Ihr Blickfeld extrem auf das Auskommen der Familie beschränkt war.
Ich halte es da eher mit etiam und muss zähneknirschend zugeben, dass meiner Generation der Leistungsdruck abgeht.
Dieser Leistungsdruck ist es der die deutsche Wirtschaft lange Zeit beflügelt hat und nicht der von Ihnen propagierte Genetikvodoo.
Im übrigen brauchen wir mehr deutsche Kinder, gleich aus welcher sozialen Schicht, da wir uns sonst sehr bald in den Geschichtsbüchern wiederfinden. Das auch Unterschichtler mitunter sehr erfolgreich sein können hat uns ja wohl zuletzt Gerhardt Schröder recht eindrucksvoll bewiesen.
Über Ihre Ausführungen über die Verflachung der Kultur anhand der Beispiele der fortschreitenden Technisierung unserer Gesellschaft konnte ich dann wirklich nur noch lachen. Sie erklären sich hier ernsthaft zur untergehenden Leistungsspitze unserer Gesellschaft und kriegen Probleme bei einem flackerndem Fernsehapparat? Ich weisage Ihren Genen ein baldiges Ende sollte dieses Problem wirklich erblich sein. Heutige Informatiker arbeiten ohne weiteres mit drei oder vier Monitoren gleichzeitig und hören dabei wahrscheinlich auch noch Musik. Ein Ingenieur arbeitet nicht wesentlich anders.
Und zufällig sind es grade diese zukunftsträchtigen Wirtschaftszweige an die sich Deutschland klammern muss, wenn es die Zukunft nicht verschlafen will. Während Ihr Sohn also Freunde zum Cowboy und Indianer spielen sucht oder dabei ist wehrlose Tiere aufzuschlitzen, bereitet sich die deutsche Jugend im Internet auf ihren multimedialen Einsatz vor.
Erschreckt sie das? Erkennen Sie die Welt nicht mehr in der Sie jung waren?
Wenn ich Ihre Kommentare lese muss ich unmittelbar an meinen 75 jährigen Opa denken, der auch jedes Verständnis für die heutigen Gegebenheiten verloren hat. Nur leider sind Flexibilität und Anpassungsbereitschaft nun mal die Zeichen der Zeit. Änderungen kommen schnell und zahlreich. Also seien Sie dankbar dafür das sie einen großen Teil Ihres Erwerbslebens schon absolviert haben. Den Sie scheinen mir gelinde gesagt nicht bereit zu sein für das was kommt.
Im Endeffekt wollte ich nur sagen , das ich Ihre bewahrende Haltung eher als Teil des Problems wahrnehme und weniger als Lösung. Solange sie nicht die Chancen der kommenden Veränderungen sondern nur deren Risiken wahrnehmen wird es Ihnen auch unmöglich sein aus diesen Änderungen einen Vorteil zu ziehen. Somit werden sie zwangsläufig der Verlierer einer sich wandelnden Welt sein.
Da Ihre Haltung allerdings weit verbreitet ist unter den Kindern der "fetten Jahre" taumelt Deutschland auf echte Probleme zu.
@ iceman
Vorneweg ich bin 24 jahre alt. Zähle mich somit also noch zur Jugend dieses Landes.
Wenn ich Ihre Kommentare richtig verstanden habe denken Sie also die deutsche Jugend wäre ein Produkt einer immer weiter degenerierenden Gesellschaft, in der sich nur noch die Dummen bzw. die dummen Ausländer angemessen fortpflanzen...
Nun, da ich wie bereits erwähnt Ihrer Nachfolgegeneration angehöre hat mir dieses Urteil natürlich wenig gefallen.
Zum Glück ist mir schnell aufgefallen das es sich bei Ihrer These um kompletten Unfug handelt.
Sie unterstellen hier, dass eine lange gepflegte geistige Blüte nun durch die überproportionale Vermehrung dummer Menschen vergeht. Tatsache ist aber ,geschätzter Iceman, das sehr wahrscheinlich Ihre wie auch meine Vorfahren noch vor 100 Jahren entweder Bauern oder aber Industriearbeiter waren. Die weder die Zeit noch die Muße hatten sich um solcherlei Kleinigkeiten wie Kultur zu kümmern, da Ihr Blickfeld extrem auf das Auskommen der Familie beschränkt war.
Ich halte es da eher mit etiam und muss zähneknirschend zugeben, dass meiner Generation der Leistungsdruck abgeht.
Dieser Leistungsdruck ist es der die deutsche Wirtschaft lange Zeit beflügelt hat und nicht der von Ihnen propagierte Genetikvodoo.
Im übrigen brauchen wir mehr deutsche Kinder, gleich aus welcher sozialen Schicht, da wir uns sonst sehr bald in den Geschichtsbüchern wiederfinden. Das auch Unterschichtler mitunter sehr erfolgreich sein können hat uns ja wohl zuletzt Gerhardt Schröder recht eindrucksvoll bewiesen.
Über Ihre Ausführungen über die Verflachung der Kultur anhand der Beispiele der fortschreitenden Technisierung unserer Gesellschaft konnte ich dann wirklich nur noch lachen. Sie erklären sich hier ernsthaft zur untergehenden Leistungsspitze unserer Gesellschaft und kriegen Probleme bei einem flackerndem Fernsehapparat? Ich weisage Ihren Genen ein baldiges Ende sollte dieses Problem wirklich erblich sein. Heutige Informatiker arbeiten ohne weiteres mit drei oder vier Monitoren gleichzeitig und hören dabei wahrscheinlich auch noch Musik. Ein Ingenieur arbeitet nicht wesentlich anders.
Und zufällig sind es grade diese zukunftsträchtigen Wirtschaftszweige an die sich Deutschland klammern muss, wenn es die Zukunft nicht verschlafen will. Während Ihr Sohn also Freunde zum Cowboy und Indianer spielen sucht oder dabei ist wehrlose Tiere aufzuschlitzen, bereitet sich die deutsche Jugend im Internet auf ihren multimedialen Einsatz vor.
Erschreckt sie das? Erkennen Sie die Welt nicht mehr in der Sie jung waren?
Wenn ich Ihre Kommentare lese muss ich unmittelbar an meinen 75 jährigen Opa denken, der auch jedes Verständnis für die heutigen Gegebenheiten verloren hat. Nur leider sind Flexibilität und Anpassungsbereitschaft nun mal die Zeichen der Zeit. Änderungen kommen schnell und zahlreich. Also seien Sie dankbar dafür das sie einen großen Teil Ihres Erwerbslebens schon absolviert haben. Den Sie scheinen mir gelinde gesagt nicht bereit zu sein für das was kommt.
Im Endeffekt wollte ich nur sagen , das ich Ihre bewahrende Haltung eher als Teil des Problems wahrnehme und weniger als Lösung. Solange sie nicht die Chancen der kommenden Veränderungen sondern nur deren Risiken wahrnehmen wird es Ihnen auch unmöglich sein aus diesen Änderungen einen Vorteil zu ziehen. Somit werden sie zwangsläufig der Verlierer einer sich wandelnden Welt sein.
Da Ihre Haltung allerdings weit verbreitet ist unter den Kindern der "fetten Jahre" taumelt Deutschland auf echte Probleme zu.
Als Personaler ist es nicht meine Aufgabe, drei Monitore gleichzeitig zu bedienen, sondern Menschen zu führen und die richtigen Leute in die richtigen Jobs zu delegieren, sowie mit Kündigungsschutz, Arbeitsschutzgesetzen und Sozialversicherungsverordnungen vertraut zu sein.
Das ist weitaus umfangreicher, anspruchs- und verantwortungsvoller, als Sie sich das vielleicht vorstellen können.
Auch ist es meine Aufgabe, ein grammatikalisch sauberes Schreiben formulieren zu können.
Insofern empfehle ich Ihnen, Ihre Kommentare künftig über editor vorzuformulieren, das erspart so manche Peinlichkeit und bietet ausserdem die Möglichkeit, den Inhalt nochmal gegenzulesen.
Schneller wird man dadurch nicht, klar, aber da wären wir beim Thema:
Qualität ist meiner Ansicht nach wichtiger als Quantität, oder als reine Schnelligkeit.
Und die Qualität vermisse ich bei der heutigen Generation.
Es mag ja sein, dass meine Generation noch eher die Möglichkeit hatte, sich in Ruhe zu entwickeln und eine berufliche Nische zu finden, in der tradierte Wertemuster noch überlebensfähig und brauchbar sind.
Und ich habe alle Sympathie für jemanden, der sich in einem technischen Beruf nicht um Stilfragen kümmern kann.
Aber abgesehen davon ist meine Vorstellung eines erfüllten Lebens nicht die eines Fachidioten, sondern eines Menschen in seiner Gesamtheit.
Dazu gehört auch die innere Ruhe, mit Genuss einen 700-Seiten-Schinken durchzulesen.
Dazu gehören ganz sicher auch gewisse Naturerfahrungen, die selbst ein Vegetarier (das müssen Sie sein) nicht ablehnen muss.
Dass ich in meinem Alter schon einen Generationenkonflikt führen muss zeigt vielleicht, dass ich langsam alt werde, das mag sein, und ist nicht gerade angenehm.
Aber ich bin gerade im Leistungszenit.
Und früher hat man von den "Alten" auch was gelernt.
Die Lebenserfahrungen meiner Vorfahren weiss ich sehr zu schätzen, sie sind ein Teil von mir, und auch für Sie muss es nicht völlig uninteressant sein zu erfahren, wie sich die Kinderfreizeit vor 30 oder 35 Jahren abgespielt hat. Die Unterschiede sind wirklich enorm, unabhängig von jeder Bewertung.
Was mir an Ihrem Kommentar nicht gefällt, das sind Ihre Ansichten zur Vererbbarkeit kognitiver Fähigkeiten.
Sicher ist das auch ein Feld, für das sich eher Generalisten interessieren.
Aber es sollte eigentlich zur Allgemeinbildung gehören, ein bisschen darüber Bescheid zu wissen.
Ihre Hinweise auf Bauern, Arbeiter und die Karriere von Gerhard Schröder sind Denkmuster aus den Siebzigern, als man noch glaubte, man könne mit dem richtigen Schulsystem massenweise HQs produzieren (insofern sind nicht Sie für Ihre Denke verantwortlich, sondern Ihre Lehrer).
Es sollte langsam jedem auffallen, dass die Intelligenz durch das BaföG weitgehend ausgesiebt wurde (das gilt auch für Gerhard Schröder).
Die unterschiedlichen Kinderquoten nach Bildungsschicht sind ebenfalls bekannt.
Gleiches gilt für die Selektionsmuster der Zuwanderung.
Oder für die Ergebnisse der grossen Bildungsstudien, die inzwischen so ausgefeilt sind, dass sie die kognitiven Fähigkeiten der Kinder extrapoliert von ihren Umweltfaktoren bemessen (was sie an Bildungshürden nennen, das ist alles schon eingespeist).
Es ist traurig zu sehen, dass es sich dabei immer noch um ein Tabu-Thema handelt.
Deshalb ignorieren Sie die Fakten ruhig weiter.
Sie bewegen sich damit im Mainstream, das ist bequem und ungefährlich, das macht nicht angreifbar.
Aber waren Sie es nicht der sagte: "Flexibilität und Anpassungsbereitschaft seien nun mal die Zeichen der Zeit"?
Gilt das nicht auch für die Reflektion soziologischer Veränderungen?
Wahrscheinlich nicht, wenn man die Erfahrungen der alten Stinker einfach in den Wind schiesst.
Meine Befürchtung ist einfach die, dass die junge Generation (mit technischem Equipment bestens vertraut) den Blick für das wesentliche verloren hat.
Was die Wahrnehmung meiner Zukunftschancen angeht:
Das liegt in Ihren Händen, denn die Innovationspotentiale liegen in der Altersklasse der 18 bis 35-jährigen (da bin ich fein raus).
In diesem Sinne kann ich nur gutes Gelingen wünschen und hoffe, dass Sie es gut hinkriegen.
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