Kleine Vorrede

Zu den Eigentümlichkeiten des Internets gehört, dass es 25-Jährige zu Millionären und 45-Jährige zu Veteranen macht. Während erstere um die Jahre 1999/2000 vermehrt auftraten, schlägt derzeit die Stunde der Veteranen. Das hat einen einfachen Grund: Vor rund zehn Jahren ließen sich die ersten Verlagsleiter von dem eigenartig aufgeregten Gerede einiger Redakteure überzeugen – und erlaubten ihnen, Homepages ihrer Medien ins Netz zu stellen. 

So sitzen derzeit diese Leute an ihren Computern, kramen in den Tiefen ihrer Datenbestände und machen die erste wesentliche Erkenntnis: Kaum mehr was zu finden von der eigenen Online-Vergangenheit. Eine Unzahl von E-Mails mit wirren Subjects und Tausenden "RE: RE: RE:" vorne dran, aber sonst? Nicht viel.

Mir jedenfalls ging es so, als ich mich nach dem Anruf von Gero von Randow auf die Suche nach den Anfängen der Zeit im Internet machte. Das erste Homepage-Layout? Verschwunden im elektronischen Nirwana. Doch - irgendwo muss es noch ein Foto meiner Mutter geben, die mich 1996 in der Hamburger Redaktion besucht und dann irgendwann aufgefordert hatte, vor dem Computerbildschirm, auf dem die Startseite der Zeit im Internet zu sehen war, Aufstellung zu nehmen. Sie wolle ein Erinnerungsfoto machen.

Mir war das damals ein wenig unangenehm, prinzipiell; aber auch im Hinblick auf den Einsatz des Mediums – eine analoge Kamera, mit Film zum Entwickeln - erschien mir das ganze Ablichten ziemlich antiquiert, aber im Moment glaube ich, dass dieses Foto einer der wenigen Belege ist, die die erste Homepage der ZEIT dokumentieren. Was mich an Frank Simon erinnert, den Oldenburger Internet-Provider, der die Zeit im Internet von Anfang an begleitet hat und dem der Verlag vieles zu verdanken hat. Frank Simon mailte mir vor kurzem traurig, ein Computercrash habe sein gesamtes Archiv vernichtet, inklusive aller ZEIT -Screenshots und anderer historisch interessanter Details. Da lobe ich mir das mütterliche Foto und komme ganz veteranengemäß ins Grübeln über die Flüchtigkeit digitaler Speichermedien.

Aber ich merke eben, dass ich schrecklich abschweife – ein weiteres konstituierendes Element des Internets, aber davon wirklich etwas später mehr.