Arbeitsmarkt Europas MindestlöhneSeite 2/2
Dass massenhaft Arbeitsplätze ins billigere osteuropäische Ausland verlagert werden könnten, fürchtet die Stiftung nicht. Schließlich gehe es im Niedriglohnsektor größtenteils um Stellen im Dienstleistungsbereich und die ließen sich eben nicht verlagern. „Der Erfurter Landtag kann nur in Erfurt bewacht werden“, sagt Schulten. Und zum Friseur müsse man auch am Wohnort. Höchstens Görlitzer seien möglicherweise in der glückliche Lage, auf die billigere Dienstleistung jenseits der Grenze zurückzugreifen. Insgesamt würden bis zu 2,7 Millionen Beschäftigte durch einen Mindestlohn besser gestellt als dies heute der Fall sei.
Gegenwind bekommen die gewerkschaftsnahen Wissenschaftler allerdings nicht nur von den Arbeitgebern, die argumentieren, dass die Arbeitsmärkte nicht so pauschal vergleichbar seien. Mindestlöhne seien unter der Bedingung einer prosperierenden Wirtschaft und niedriger Arbeitslosigkeit wie in Großbritannien oder Irland sehr viel leichter zu verkraften als unter den schwierigen Vorzeichen in Deutschland. Aber auch Gewerkschaften wie die IG Metall, die Branchen vertreten, in denen noch immer recht hohe Löhne gezahlt werden, fürchten, die Tariflöhne könnten durch einen allgemeinen Mindestlohn unter Druck geraten. Ganz falsch, glaubt die Böckler-Stiftung. Mindestlöhne würden die Tariflöhne vielmehr stützen und stabilisieren.
Wie sich Tariflöhne in Deutschland tatsächlich auswirken würden, kann wohl nur die Praxis zeigen. Dass Arbeitsplätze verloren gingen, stellt trotz aller anderslautenden Beteuerungen eine reale Gefahr da. Schließlich werden vor allem in Ostdeutschland auch im produzierenden Gewerbe und keineswegs nur im Dienstleistungssektor längst Löhne um die fünf Euro bezahlt. Auch haushaltsnahe Dienstleistungen würden zu einem Preis von 8,50 wohl weniger nachgefragt als zu einem niedrigeren Betrag. So bleibt das Grundproblem bestehen, dass Mindestlöhne wohl in einigen Branchen sinnvoll wären, in anderen dagegen eher nicht.
Dass ein solches Instrument eingeführt werden wird, daran gibt es gleichwohl wenig Zweifel. Zu weit haben sich Vertreter beider Regierungsparteien in dieser Hinsicht schon hervorgewagt. Bei der Diskussion um die erwarteten Auswirkungen und die Höhe kann der europäische Vergleich zumindest helfen, manche ängstliche Abwehrreaktion zu relativieren.
- Datum 15.03.2006 - 12:30 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 14.3.2006
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Selbst habe ich eine kurze Zeit als Zeitarbeiter für etwa 6,20 Euro in der Stunde gearbeitet - ein Single kann von dem was netto übrig bleibt recht gut leben, wenn er keine arbeitsbedingten Kosten wie weite Pendlerfahrten zu unterschiedlichen Einsatzorten von diesem Geld bestreiten muss. Soviel vorweg.
Mindestlöhne sind auf jeden Fall sinnvoll, auch wenn sie auf jeden Fall Arbeitsplätze kosten werden. Denn das Geld der Niedrigverdiener bleibt im Umlauf und wird nicht gespart (dazu reicht es dann doch nicht bei etwa 6,- bis 7,50 Euro). Außerdem ist die Arbeit da und muss gemacht werden - nach der europäischen Dienstleistungsrichtlinie müssen Ausländer ja die gleichen Löhne für Arbeiten im Inland zahlen. Wichtig ist es, dass der Gesetzgeber diese Stundensätze auch Selbständigen und Freiberuflern vorschreibt - auf diesem Gebiet findet derzeit ein ruinöser Wettbewerb statt (Kurierdienste etc.), der nur zu oft mit dem Rausfall aus den sozialen Sicherungsnetzen endet. Dort gehört ein Riegel vorgeschoben, z. B. mit einer Mindestsozialversicherung für Selbständige nach österreicher Vorbild (dort ab ca. 1.000,- Euro im Jahr).
Die Wettbewerbsfähigkeit inländischer Dienstleister würde sogar gesteigert, einerseits durch die im Artikel erwähnte höhere Lohngerechtigkeit (derzeit kann doch kein Arbeitgeber mehr zahlen, selbst wenn er fair sein möchte - dann schon) und andererseits durch den oben erwähnten Ausländer-auch-Effekt.
Wer schummeln will wird auch weiterhin Wege finden: durch zu niedrig angesetzte Akkordzeiten, unbezahlte Anfahrt zu verstreut liegenden Auftraggebern, versteckte Überstunden, illegale Beschäftigung. Aber der Punkt ist: alles dies würde endlich strafbar und damit die ehrlichen Marktteilnehmer vor unlauterem Wettbewerbsdruck durch schwarze Schafe deutlich entlasten.
Fazit: Mindestlohn ja, aber nicht bei 60 % des Durchschnittslohnes sondern bei den überall üblichen 32 - 50 %. Was einen Wert zwischen 6,- und 7,50 Euro geben wird. Jeder halbwegs wirtschaftlich arbeitende und verantwortungsbewusste Unternehmer wird diese Löhne gerne zahlen, wenn es die Konkurrenz auch tut!
"Dass massenhaft Arbeitsplätze ins billigere osteuropäische Ausland verlagert werden könnten, fürchtet die Stiftung nicht. Schließlich gehe es im Niedriglohnsektor größtenteils um Stellen im Dienstleistungsbereich und die ließen sich eben nicht verlagern." so die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung.
Dass auch Firmen Dienstleistungen in Anspruch nehmen (Reinigungsdienste, Kurierdienste, Sicherheitsdienste usw. usw.) hat sich wohl noch nicht bis zu den Gewerkschaften herumgesprochen. Natürlich verschlechtert dies die Wettbewerbssituation relativ zu ausländischen Konkurrenten. Dies zieht unweigerlich eine Verlagerung von Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe nach sich.
Wie ist das eigentlich bei der ZEIT?
Die Redakteure mit einem Vertrag auf Lebenszeit, Besoldung etwas besser als die der Bundestagsabgeordneten, die Herausgeber gleich in Erbpacht mit Bezügen analog zu denen der Vorstände der Deutschen Bank und. ach ja, der Hausmeister und die Putzfrau; die mit Verträgen auf Lebenszeit, Vergütung entsprechend A13?
Oder ist es eher so, wie es bei den Medien und anderswo eben so ist: Ein paar Edelfedern kriegen richtig Geld, damit die anderen neidig sind, ein paar sind angestellt für wenig Geld, dafür mit der Aussicht, zu den Edelfedern aufzurücken - die meisten sind in kurzer Zeit verschlissen, gibt aber genug andere, die geil darauf sind, sich für wenig Geld den Arsch aufzureissen. Den Rest machen freie Mitarbeiter für ein Nasenwasser und Praktikanten für lau. Der Personalerjob ist sehr begehrt, weil, das mit der Bewerbercouch, das ist kein Witz. Ach so, auch der Hausmeisterposten ist trotz schlechter Bezahlung sehr begehrt, einerseits wegen der Schweigegelder der im Haus tätigen und dann gibts im Hausmeisterkabuff das weisse Zeug, gegen cash, versteht sich. Alle anderen Jobs, Kantine, Reinigung usw. sind an Drittfirmen ausgesourct, die gehören den Herausgebern, genauso wie das Wohnheim, in dem die dort Beschäftigten untergebracht sind. Bei denen spart man nicht nur am Lohn sondern auch gleich das Schweigegeld, weil Deutsch versteht von denen keiner.
Was das mit dem Mindestlohn zu tun hat? Wenn nicht einmal mehr die, die es sich an sich leisten könnten, überdurchschnittlich zahlen, werden die, die es sich leisten könnten, durchschnittlich zu zahlen, dies auch nicht mehr tun. Und die, die es sich nicht leisten können, haben schon lange herausgefunden, wie man wenige oder gar nicht bezahlen muss - Subunternehmer, und wenn die lästig werden, neue Subs, und wenn die auch lästig werden, Insolvenz und neue Firma. Ach so, das mit der Beteiligung am Produktivkapital liegt im gleichen Spital: Diejenigen, die nicht BWL studiert haben, wissen längst, dass der billigste Kredit der Arbeitnehmerkredit ist.
Komisch nur dass es Länder mit Mindestlohn nicht schlechter als Deutschland geht, ein Mensch hat einen Wert, dieser Wert muss mehr wert sein als Ware. Ware kostet was? Warum nicht der Mensch der sie verrichtet.
In den USA gibt es auch einen Mindestlohn und viel niedrigere MWSt Sätze.
Wir könnten auch den Urlaun streichen um Rentabel zu werden sowie in Britain, doch die sind auch mittlerweile auf 5,5% und hochverschuldet. Alles auf Puff.
Nein so einfach ist es nicht, wenn wir weiter wollen müssen wir einen Wert geben, es ist jaerwiesen dass ohne Mindestlohn es zu einfach nichts brachte. Die verlagerung gegen Osten wird sowieso einmal umkehren, lassen wir mal die externen Kosten noch ein bisschen steigen.
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