MEDIENSCHELTE Pop-Popen und RocktrottelSeite 3/3
Wie gründlich der backlash durchgreift, zeigt ein emphatischer Satz aus dem Musikzimmer : "Nach Punk konnte man auch akzeptable Stimmen wie die von Dylan und den Beatles einfach nicht mehr hören. Gegen Sting, Phil Collins und U2 sind wichtige Teile heute noch lebender Generationen für immer geimpft worden." Dass der Langzeitimpfstoff Punk Dylans Sing-Audienz beim Papst nicht verhindern konnte, ist schade, aber nicht so tragisch, Dylan bewegte sich immer in seinem eigenen Immunsystem. Registriert werden sollten andere Fälle. Bono etwa bekam soeben als Nachfolger von Gorbatschow und Clinton (Bill, nicht George) den auch aufmerksamkeitsökonomisch hoch dotierten Deutschen Medienpreis. Die Laudatio hielt Joschka Fischer, Exaußenminister und laut Selbstauskunft "letzter Rock 'n' Roller der deutschen Politik". Rocktrottel unter sich. So sind sie, die Verhältnisse, und deswegen gilt - hört mir auf den Oberlehrer! - "Wenn man Nonkonformismus entwickelt, sollte man wenigstens wissen, was der aktuelle Konformismus geschlagen hat."
Jochen Bonz, Michael Büscher, Johannes Springer (Hrsg.): "Popjournalismus". Ventil Verlag. Mainz 2006. 208 Seiten. € 12, 90.
Diedrich Diederichsen: "Musikzimmer - Avantgarde und Alltag". Kiepenheuer und Witsch. Köln 2005. 240 Seiten. € 9,90.
Klaus Walter, 50, lebt als Radiomoderator, DJ und Journalist in Frankfurt am Main. Seit über zwei Jahrzehnten stellt er in der Radio-Sendung „Der Ball ist rund“ im Hessischen Rundfunk interessante Popmusik vor. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er gemeinsam mit zwei anderen Veteranen von der Popfront, Thomas Meinecke und Frank Witzel, das Gesprächsbuch Plattenspieler .
- Datum 15.03.2006 - 12:30 Uhr
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- Quelle ZEIT online 9.3.2006
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