Kongo Alles geregelt?

Laut Verteidigungsminister Jung ist die Führung des EU-Einsatzes im Kongo bereits geklärt. Bundesregierung und Bundestag haben aber noch nicht entschieden

Trotz der andauernden Debatte über einen EU-Einsatz zur Überwachung der Wahlen im Kongo ist laut Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) die deutsch-französische Führung bereits geregelt. »Wir haben gemeinsam abgesprochen, dass das Führungshauptquartier in Potsdam die Gesamtverantwortung für den Einsatz übernimmt. (...) Das Hauptquartier in Kinshasa stellen die Franzosen«, sagte er am Montag.

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg betonte allerdings, die Bundesregierung habe über den Einsatz in dem zentralafrikanischen Land noch nicht entschieden. An dem Kongoeinsatz sollen voraussichtlich rund 500 Bundeswehrsoldaten teilnehmen. Bevor der Bundestag um Zustimmung gebeten werde, müssten die fünf deutschen Bedingungen erfüllt sein. Das sind ein Mandat der Vereinten Nationen, die - inzwischen erfolgte - Zustimmung der Kongo-Regierung, eine Befristung der Mission auf vier Monate, die Begrenzung des Einsatzes auf Kinshasa und die Beteiligung möglichst vieler Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

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Jungs Sprecher Thomas Raabe sagte, dass Militärs von acht Nationen am Montag in Berlin zusammenkamen, um an dem so genannten militärischen Ratschlag zu arbeiten. Insgesamt hätten sich neben Deutschland Frankreich, Spanien, Österreich, Belgien, Portugal, Polen,  Schweden, Finnland, Irland und Ungarn zu einem Beitrag bereit erklärt. EU-Chefdiplomat Javier Solana will an diesem Montag den EU-Außenministern bei einem Treffen in Brüssel ausführlich Bericht über die mit Kongos Präsident Joseph Kabila erzielte Einigung erstatten.

Im Bundestag regt sich Widerstand gegen einen Einsatz der Bundeswehr. Unionsabgeordnete bezeichneten die Pläne als unklar. So sei nicht ersichtlich, worin das besondere deutsche Interesse liege, sagte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer.  Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Bernd Siebert (CDU), sagte, er rechne zwar mit einer klaren Mehrheit für den Einsatz, wenn alle Bedingungen von der Befristung bis hin zum UN-Mandat erfüllt seien. »Aber das Unbehagen bleibt, selbst wenn ich zum Schluss Ja sage.« Auch SPD-Parlamentarier meldeten Bedenken an.

Das FDP-Präsidium lehnte einen Kongo-Einsatz unter den jetzigen Umständen ab und kritisierte, »dass die Bundesregierung vor einer Befassung des Bundestags einseitig internationale Zusagen gibt«.

Solana und Kabila hatten sich am Wochenende grundsätzlich auf die Entsendung von 1500 EU-Soldaten verständigt. Sie sollen die im Kongo stationierten rund 16.000 Blauhelm-Soldaten der Vereinten Nationen ergänzen. Die UN hatten vor den ersten freien Wahlen im ehemaligen Zaire seit vier Jahrzehnten am 18. Juni die EU um Entsendung von Soldaten gebeten.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich war über 4 Jahre lang Soldat und bin gerade deswegen anderer Meinung. Soldaten können und dürfen keine Meinung nach außen hin vertreten. Steht so in der Zentralen Dienstverordnung der BW, als Akronym auch ZdV genannt. Es fehlt aus diesem Grund eine Stimme der Soldaten in der Öffentlichkeit. Mir ist klar dass dies aus unserem historischen Kontext heraus zu sehen ist, die Realität sieht aber so aus, dass eben gerade deswegen keine Lobby für die Soldaten existiert. Geertz tut dies, aber auch nur deswegen weil er Reservist und Vorstand des BW-Verbandes ist. Ansonsten könnte er, wie der Autor richtig anmerkt, keine Meinung nach außen verlautbaren, oder er hätte dienstliche Konsequenzen zu befürchten.

    Dies wiederum hat zur Folge, dass wenn Soldaten benachteiligt werden, wie dies bei den Radarmechanikern die alle an Krebs erkrankt waren der Fall ist, oder bei mehreren Fällen in Bosnien, also wenn Soldaten massiv, um Umgangssprache zu benutzen, über den Tisch gezogen werden, niemand für sie eintritt. Sicherlich ist der Dienst an der Allgemeinheit einem bestimmten Verhaltenskodex unterworfen, aber es kann auch nicht die Lösung sein, einem ganzen Teil der Gesellschaft überhaupt keine Äußerungsmöglichkeiten zu geben. Meines Erachtens müsste es wie in den USA mit zwei Soldaten im Parlament (ein Offizier und ein Unteroffizier) zumindest eine ähnliche geartete Einflussmöglichkeit geben.

    Ich bin übrigens für den Einsatz im Kongo, hätte diesen auch noch als ich selber Soldat war befürwortet. Der Autor sollte sich einmal fragen, warum er außer der Stimme von Herrn Geertz ansonsten keine Stimme aus dem BW-Umfeld hört, seine Meinung schrammt meilenweit an der Realität vorbei.

  2. Deutsche Soldaten haben keine Meinung, keine Lobby, keine Stimme! Selbst in der "demokratischen" Regierung der USA ist dies besser geregelt. Das Koch'sche Bauernopfer Jung unter "Kanzlerin" Merkel zu Bundesministerwürde unverdient gelangt, darf jetzt entscheiden, in welches Schlachtfeld unsere leidlich ausgerüsteten Soldaten geschickt werden. Deutschland hilft gern und überall, jedoch im Kongo? Tummeln wir uns nicht auf genügend "Schlachtfeldern" direkt und indirekt (Irak). Die Regierung Schröder hat in diesem Punkt Verantwortung und Verläßlichkeit gezeigt. Die Regierung Merkel wird für Särge mit Soldaten stehen, die ohne Skrupel und Moral sinnlos ihr Leben für falsche politische Ziele lassen mußten. Aber das hat die Mehrheit der Bevölkerung inklusive der Nichtwähler vor der Wahl gewußt. Es werden sich noch mehr vor Entsetzen und Ekel von dieser Merkel geführten Regierungs-Riege abwenden -zu recht!!!

    Zornige Grüße aus Berlin

    • ageo01
    • 20.03.2006 um 16:02 Uhr

    Überall dürfen betroffene mitreden, Anwohner in Flughafen Gegenden, Mitarbeiter in Unternehmen nur die Soldaten dürfen sich weder über Ausrüstung, die meiner Meinung an fahrlässige Tötung grenzt, berichten noch streiken oder politisch auftreten. Generäle die es wagen eine politische Meinung zu haben werden in den Ruhestand geschickt. In den letzten Jahren waren es bestimmt 5 Generäle die mir in Erinnerung geblieben sind. Wenn wir Bürger in Uniform haben wollen müssen wir ihnen auch gestatten sich zu äußern. Soldaten haben keine Lobby von außerhalb, Themen die für Soldaten wichtig sind werden versucht totzuschweigen wie Verletzung im Einsatz, Ausrüstung, Missionen die aufgrund politischer Vorgaben mit der falschen Ausrüstung geführt werden und Bezahlung. Es ist doch ein Witz wenn Politiker die Krisengebiete besuchen sich Fluggerät von NATO-Partnern geliehen wird und die Soldaten in ungepanzerten Fahrzeugen 40km durch unsicheres Gebiet fahren dürfen.
    Es ist richtig daß wenigstens ein Soldat den Mund aufmacht. Es ist aber schade das dieser es nur kann weil er besondere Lebensumstände hat.

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  • Quelle ZEIT online, 20.3.2006
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