Bevölkerung Der Kinderschock

Einmal mehr ist Deutschland auf das Tiefste bestürzt: Wir sind katastrophal kinderarm und scheinen auszusterben. Für eine notwendige Demografie-Debatte sind solche Fehlinterpretationen aber nichts als Gift

Deutschland steht am Abgrund. Am demografischen Abgrund. Nachdem das "Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung" am Mittwoch seine neue Datensammlung  Die demografische Lage der Nation. Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen? veröffentlicht hat, heißt es: Deutschland siecht, weil seine Frauen keine Kinder mehr bekommen. "In 12 Generationen sind wir Deutschen ausgestorben", titelt Bild , einen demografischen "Schock in Ostdeutschland" verspricht die Frankfurter Allgemeine . Und die Süddeutsche Zeitung schreibt auf der Frontseite des Feuilletons einfach nur ein apokalyptisches "Abwärts" über ein Interview zum Thema.

Was ist da los? Ist die schwächelnde Geburtenrate nun endgültig ins Bodenlose gefallen; gibt es von anderen Ungeheuerlichkeiten zu berichten, die einen solchen Wirbel rechtfertigen? Nichts dergleichen. Vielmehr hat die Medienöffentlichkeit wieder einmal willkürlich einen Zeitpunkt gewählt, um ob des demografischen Wandels in unangebrachte Hysterie zu verfallen. Doch Deutschland hat eine seriösere Demografie-Debatte verdient. Denn indem wichtige statistische Daten falsch interpretiert werden, zeichnet man ein verzerrtes Bild der demografischen Wirklichkeit. Und schafft eine marode Diskussionsbasis, auf der die nötige gesellschaftliche Neuorientierung nicht mehr möglich ist.

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Auf einem "Tiefstand" sieht die Berliner Studie die deutsche Geburtenrate bei derzeit 1,36 Kindern pro Frau angekommen. In der FAZ gesellt sich dazu die Äußerung von Hans Fleisch, dem Vorstandsvorsitzenden des Berlin-Instituts, dies sei "der niedrigste Wert auf der Welt außer dem Vatikan". Doch Minimum-Weltrekordler sind die Deutschen - so steht es zumindest in der Berliner Studie, und vielleicht meinte das auch Hans Fleisch - in der Zahl der Geburten je tausend Einwohner, und das schon seit dreißig Jahren. Diese Ziffer sagt aber nichts über die Geburtenzahl je Frau aus, die in einigen Ländern Europas niedriger ist als in Deutschland.

Die Verwechslung zeugt von einem Verständnisdefizit angesichts der verwirrenden Statistik, könnte man meinen. Doch nahtlos geht es weiter. Auch für die weitere Geburtenentwicklung wird ein pessimistisches Bild an die Wand gemalt: Im Jahr 2005 seien in Deutschland nur noch 680.000 Kinder geboren worden, die niedrigste Zahl seit 1945. Bis 2050 sei zu erwarten, dass sich diese Zahl halbiere, zitieren die Zeitungen Reiner Klingholz, den Direktor des Berlin-Instituts.

Ein kurzer Anruf beim Statistischen Bundesamt hätte genügt, um nicht nur zu erfahren, dass die Kinderzahl für 2005 eine vorläufige Schätzung ist, die zwischen 680.000 und 690.000 liegt. Aber in der deutschen Demografie-Debatte ist es ja ohnehin schon lange Usus, nur Minimalwerte zu zitieren. Vielmehr verraten die Wiesbadener Statistiker auch, dass sie ganz andere Zukunftsprognosen errechnet haben als die Berliner: Die "10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung" von 2003 ergibt in ihrem "mittleren" Szenario (bei moderaten Sterbe- und Migrationszahlen) für 2050 etwa 560.000 Neugeborene. Das sind 82 Prozent des für 2005 geschätzten Wertes; im bevölkerungsreichen Szenario geht die Geburtenzahl bis 2050 sogar nur auf neunzig  Prozent zurück.

Man muss kein zahlenverliebter Prinzipienreiter sein, um zu sehen, wohin die unvorsichtige Präsentation der Berliner Zahlen führt: Ins maßlos Tendenziöse. Da findet dann die Bildzeitung im Bielefelder Demografie-Professor Herwig Birg einen Forscher, der die Horrorvision vom aussterbenden Deutschland durch ein paar grob überschlagene Bevölkerungszahlen in den Mantel vermeintlich wissenschaftlicher Unantastbarkeit hüllt. Birg in Bild : "2300 liegen wir bei drei Millionen, also kurz vor dem Aussterben." James Vaupel, Direktor des Max-Planck-Institutes für Demografische Forschung (MPIDF) in Rostock sträuben sich da die Haare: "Das ist Nonsens". Schon für die nächsten fünfzig Jahre sei es kaum möglich, die Geburtenzahlen vorherzusagen. "Die Frauen, die diese Kinder kriegen, sind ja heute noch nicht einmal geboren." Auch ist die momentane Entwicklung für den Bevölkerungsforscher "keine Krise. Vielmehr sehe ich es als eine langfristige Herausforderung." Wenn die Gesellschaft diese begreife und bessere Vorraussetzungen für mehr Kinder schaffe, dann steige auch die Geburtenrate wieder. Darum sehe er das alles auch "viel optimistischer" als die Berliner Studie.

Doch diese Studie lädt zu einer positiven Sicht auf den gesellschaftlichen Wandel wirklich nicht ein. 24 Qualitätsmerkmale der Regionen analysiert sie: Von Kinderzahlen, Altersverteilung über den Freizeitwert, die wirtschaftliche Entwicklung bis hin zum Vorkommen von Wölfen. Aus 22 dieser Indikatoren berechnen die Berliner Noten für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Landstriche. Fein säuberlich wird aufgelistet: Eine Tabelle für "die besten" Landkreise, und eine für "die schlechtesten". Auf einer Deutschlandkarte mit grün bis rot gefärbten Regionen lässt sich zudem ganz praktisch auf einen Blick sehen, wie es um die eigene Heimat steht. Wohl dem, der nicht im Osten lebt! Denn dort färbt sich die Landkarte gefährlich rot. Hier wird die Zukunft "problematisch", konstatiert die Studie.

Nun ist es keine besonders überraschende Feststellung mehr, dass die neuen Länder besonders unter dem demografischen Wandel leiden. Man darf aber fragen, ob es denn nicht unlauter sei, sich auf Basis eines wenig durchsichtigen Bündels von Indikatoren ein quantitatives Urteil über die Zukunft der Menschen in Deutschland anzumaßen. Tatsächlich werden aber ganze Regionen totgeredet, obschon dort - unglaublich, aber wahr - immer noch Menschen leben.

Im Blätterwald prognostiziert Reiner Klingholz gleich für ganz Ostdeutschland "einen zweiten demografischen Wendeschock", weil wegen des starken Geburtenrückgangs ab 1990 dort eine "halbausgefallene Generation als Eltern fehlen werde". Schließlich sei die Geburtenrate in den neuen Ländern nach der Wiedervereinigung auf 0,77 Kinder pro Frau zurückgegangen. Hier wird es gefährlich. Denn wer durch eine solche Darstellung die irrige Meinung unterstützt, die Ostdeutschen hätten nach der Wende tatsächlich nur 0,77 Kinder pro Frau auf die Welt gebracht, der hat nicht nur die statistische Zahl "Geburtenrate" nicht verstanden. Der betreibt damit auch eine Spaltung der Gesellschaft in "gute" Westdeutsche und "schlechte", weil kinderfeindlichere, Ostdeutsche.

"Lächerlich" findet man am MPIDF darum auch eine entsprechende Darstellung der FAZ . Jeder Demograf wisse, heißt es in Rostock, dass die Geburtenrate eine künstliche statistische Ziffer sei, die nichts über die endgültige, tatsächliche Zahl der Kinder aussage, die eine Frau am Ende ihrer Gebärfähigkeit bekommen haben wird. "Die ostdeutschen Frauen haben nur plötzlich später Kinder bekommen", sagt MPI-Chef James Vaupel. In einem solchen Fall ist es eine rein mathematische Notwendigkeit, dass die aktuelle Geburtenrate förmlich in den Keller saust. Tatsächlich gibt es keine Daten, die zeigen, dass in den neuen Ländern im Endeffekt weniger Kinder pro Frau geboren werden als im Westen.

Um das oftmals falsch gemalte Bild zu entzerren, braucht es zweierlei: Vor allem muss sich auch mancher Forscher fragen lassen, ob er nicht - bewusst oder unbewusst - Zahlen und Zitate geradezu so darbietet, dass es zu einer tendenziösen Darstellung kommt. "Gute Demografen versuchen, Horrorgeschichten zu verhindern", sagt James Vaupel. Die öffentliche Demografie-Diskussion in Deutschland kritisiert er als " übertrieben". Denn in der Hektik gehe eins völlig unter: Der demografische Wandel komme so langsam, dass die Gesellschaft Zeit genug habe, sich ihm durch Veränderungen anzupassen. Das Letzte, was dabei hilft, ist Panikmache. Sondern nur eine realistische und unaufgeregte Debatte.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    "in einer Welt, die an der rasenden Ausbreitung des Menschen zu ersticken droht."

    Wird sie nicht, denn das Bevölkerungswachtum der Erde verlangtsamt sich rapide und wird etwa 2070 zum Stillstand kommen - vorausgesetzt es entwickeln sich keine neuen Trends.

  2. Richtig, Manuelito. Ich sag's ja auch und mit Otto Reuter in den Zwanzigern: " Und in fuenfzig Jahren ist alles vorbei ". Ich habe das mit dem abhanden gekommenen Mutterinstinkt bei den deutschen Frauen zu erklaeren versucht. Ging Total daneben. Dafuer aber Kommentare wie:
    "Wenn man nur staatliche Foerderungsmittel wie Kinderheime oder Ganztagschulen haette, wuerden die deustchen Frauen wieder so richtig aktiv werden." Werden sie naemlich NICHT. Aber guck Dir mal junge Musliminnen an. 4 oder 5 Kinder. Da ist Musik drin. Und irgendwo arbeiten muessen die auch nicht. So wird das gemacht, damit man in 50 Jahren den schusseligen Deutschen sagen kann, wo's lang geht.

  3. 3. \N

    böse,böse Frauen

  4. 1. Nicht die Deutschen sterben aus, es gibt zu wenig (?) Konsumenten. Also...
    2. Als Steuerklasse-I-Zahler erwarte ich, dass alle "Kinder", die in Deutschland ihre Ausbildung erhielten und dann lange oder lebenslang ins Ausland gehen, selbstverständlich die angefallenen Kosten zurückerstatten. Sie zahlen ja nichts, nicht lange oder nie mehr in die deutschen Solidarkassen ein, nachdem sie, wie alle Kinder zwangsweise, "aufPump" gelebt haben, 18-25 Jahre lang.
    3. Ganz offensichtlich ist vielen potenziellen Eltern schon die Frage sauer aufgestoßen, wo denn bitte die eigenen Kinder ihren zukünftigen Arbeitsplatz bekommen werden - bei 5 MIO Arbeitslosen ist noch lange nicht Schluss; bevor in Menschen und deren Arbeitsplätze, also auch in Kaufkraft investiert wird, kauft "man" Maschinen. Man vgl. auch ZEIT-Artikel über den öffentlichen Dienst als größten Arbeitsplatzvernichter. - Wer nicht arbeitet und odentlich verdient, kann auch nicht tüchtig konsumieren. - Also gilt es, aus Kindern eine "knappe" und damit "attraktive" "Ware" zu machen (Alles Markt, oder was?) - dies wäre die richtige Strategie. Im Radio war schon eine Stimme einer IHK zu vernehmen, die sich sorgte, wo kriegen wir dann die Arbeitskräfte her? - gemeint war: die "billigen", mit denen man jeden Tag "Du-bist-zu-teuer-ich-werf-dich-raus!"-Drohspiele spielen kann. Aus den Jugendlichen von heute ("Lästig und viel zu viele" titelte die ZEIT schon vor Zeiten) würde dann ein sehr knappes und somit teures Gut, oh,oh, wenn da man nicht der Shareholder Value wackelt! - Oder stellen wir uns vor, morgen wäre die Arbeitslosenzahl auf 500.000 runter - sofort gäbe es niemand mehr - vielleicht außer dem SPIEGEL -, der noch etwas gegen den Lehrerberuf sagen möchte, wer wollte dann noch diesen Beruf, der eigentlich eine Diagnose ist, übernehmen (Frau Unverzagt, bitte melden, wenn Sie damit fertig sind, bei anderen abzuschreiben - behauptet "profil", PhV-Blatt!)?
    4. Wieviel Belastung für eine Frau soll es denn sein? Super-Ausbildung bis 30-32, Karriere bis 45-50, jede Menge Kinder zwischendurch (für wie blöd muss man eine Frau halten, dass man sie auffordert, einen Großteil des sauer Verdienten in Kindertagesstätten und "Super-Nannys" zu investieren), attraktive Partnerin voller prickelnder Ideen fürs Bett, irre Köchin jenseits von Gut und Böse, das bisschen Haushalt, das bisschen Perfektionismus-Wahn, das bisschen Chauffeuse-Spielen, Herrin der häuslichen Pflege für die pflegebedürftigen "Alten", nebenbei Emanzipation vorantreiben, Kinder erziehen, für die eigene Kranken-, Pflege- und Altersversorgung zuständig sein... - vielleicht könnte man einmal untersuchen, welchen Effekt auf den Arbeitsmarkt es machte, wenn ein großer Anteil von Frauen im "gebärfähigen Alter" mit 3-5 Kindern zu Hause bliebe, will heißen: Wieviele Arbeitsplätze würden dadurch frei, gelänge es, den Frauen wieder mal das K-K-K aufzuschwatzen? Ist ja kein Problem, bei den Scheidungsquoten heutzutage.
    5. Wie groß wird die Behörde werden, die dann abrechnet über Singles, mit und ohne Kind, mit Lebenspartnerin mit erwachsenen Töchtern und der finanziellen Absicherung von deren Familien über das einzig sichere Fix-Gehalt und die gesammelten Vermögen von Mutter und Großmutter, Scheidungskinder, Patchwork-Familien und deren jeweilige Ansprüche auf Rentenabschnitte und dergl.
    6. Jeder Versuch, Singles zu diskreditieren ("Värrbräschänn am Einzelkinde"!, Mutterkreuz in Bronze usw.???), endet dann in Karlsruhe. Fehlt noch die Verpflichtung der BeamtInnen, zu zeigen, was das Zeugezeug hält.
    7. Was geschieht mit denen, die wollen, aber nicht können? Schleifen wir die dann durch die zweifelhaften Segnungen der modernen "Reproduktions"-Medizin?
    7. Die gähnende Leere der Solidarkassen hat doch ganz andere Ursachen:
    5 MIO Arbeitslose = Nichteinzahler; die Plünderung der Rentenkassen durch die Frühverrentungen in "der Wirtschaft" (passt herrlich zu den gurkenköpfigen Forderungen "Rente ab 67" oder noch später oder gar nicht mehr?)
    Inanspruchnahme der Rentenkassen durch "Ostrenten".
    8. Man kann also der ZEIT (und auch schon vor einiger Zeit der TAZ) nur dankbar sein, wenn sie auf die - mit welcher Zielsetzung eigentlich? - systematisch geschürte Hysterie aufmerksam macht und den statistischen Schwindel aufdeckt.
    9. Es bleibt das seltsame Gefühl, dass hier von interessierten Seiten in geradezu scham- und ekelerregender Weise in das Intimleben vor allem von Frauen hineingelangt wird: Was, zum Teufel, gehen "den Staat" "und die Gesellschaft" das individuelle "Reproduktions"-Verhalten von Frauen und Paaren an? "Schenk auch du der Gesellschaft ein Kind!" - soll es das sein?
    10. Bliebe noch der Vergleich der Quote Landesfläche in qkm ./. Menschenzahl - s. Spanien, s. Frankreich - und den daraus sich ergebenden Problemen z.B. bei der Suche nach einer familiengerechten, erschwinglichen Wohnung. Wer Kinder haben will, muss als Staat und Gesellschaft zunächst einmal den Bau- und Immobilienmarkt bändigen sowie die Energiepreise fesseln und deckeln. Dann klappt's auch mit der 2-3-Kind-Ehe (jedenfalls, bis sie geschieden wird).

    Mit freundlichen Grüßen

    U. Schmitz

  5. "Eine Gesellschaft, in der nur noch Kaufen zählt, ist eh nicht das, was Zukunft hat. Als studierte Ökologin glaube ich an Nachhaltigkeit und nicht an die ulkigen Wachstumstheorien der Ökonomen."

    Wer schreit denn immer nach der "Ankurbelung" der lahmenden Binnenkonjunktur, damit die Leute endlich wieder kaufen? Wer ruft denn nach regulären Jobs mit Sozialversicherung und Steuern? Wer will denn MEHR GELD für die Rentenkasse? Was sollen denn die Rentner mit dem Geld?

    Es sind doch nur die ökonomisch Tätigen und Handelnden, die die Gelder für Ihre 96-jährige Großmutter erwirtschaften - für Ihre Unterkunft, ihre Heizung, medizinische und pflegerische Versorgung. Der Beitrag der Ökologie dürfte dabei von untergeordneter Bedeutung sein.

    Es paßt nun mal nicht zusammen, daß auf der einen Seite mehr Geld für die öffentliche Hand und die Rentenkasse gefordert wird und diejenigen, die dieses Geld beschaffen, in diesem Staate unerwünscht sind und als ulkig beschimpft werden.

    Abgesehen vom Geld: die demographische Zusammensetzung einer Bevölkerung hat auch Auswirkungen auf das Denken, Fühlen, Experimentierfreude, Beweglichkeit, Kreativität, Dynamik, Anpassungsfähigkeit, Spontaneität und vieles andere mehr zu tun.

    Schauen Sie sich an, wohin die Geronto(Büro-)kratie Chinas zur Mitte des letzten Jahrtausends geführt hat: Jahrhundertelange Armut, Elend.

    Eine Gesellschaft ohne Nachkommen hat auch kein Interesse an Ökologie, Nachhaltigkeit. Wozu denn auch?

    Wenn Ihre 96-jährige Großmutter noch "topfit" ist - herzlichen Glückwunsch. Dennoch, dies wird nur relativ zu verstehen sein. An der biologisch unausweichlichen Erstarrung der Denkprozesse wird auch sie nicht vorbeikommmen, denn vor 30 jahren war sie sicher "fitter".

    • neodoc
    • 17.03.2006 um 14:00 Uhr

    Die Kritik an den Ungenauigkeiten der Berichterstattung über die demographische Publikation des Berlin-Instituts sind berechtigt. Wie in anderen Gebieten wird schärfer, ungenauer, polemischer publiziert, als es die Daten hergeben. Das kommt davon, wenn man Fachleuten nicht richtig zuhört.
    So brauchen wir keine Angst vor dem Aussterben zu haben, auch in "tiefroten" Kreisen werden noch Ehen geschlossesn und Kinder geboren.
    Dessenungeachtet ist die demographische Falle, in welche wir geraten sind, wirklich nichts Neues. Die Geburtenrate der letzten zwei Jahrzehnte ist konstant niedrig bei weniger als 1,5 Kindern pro Frau. Das Ergebnis ist vorhersagbar, jeder Fachkundige weiß es.
    Da die Zahl der potentiellen Mütter abnimmt und die Geburtenrate konstant bleibt, muß die Zahl der Neugeborenen rückläufig sein. Auch die Verformung der "Alterszwiebel" (eine Pyramide ist dies schon lange nicht mehr)ist bekannt, die Konsequenzen sind vorhersagbar: eine Generation, die zuwenig Kinder bekommt, braucht sich über sinkende Renten und schrumpfende Märkte nicht zu wundern.
    Wir können diese Entwicklung nicht schlagartig ändern. Aber wir können durch viele kleine Schritte langsam bewirken, dass Kinder und kinderreeiche Familien als Segen und nicht als Belastung empfunden werden.
    Das sollte durch finanzielle Hilfen flankiert werden, darf sich aber darin nicht erschöpfen. Arbeitszeiten, Dienstpläne, Öffnungszeiten, Spielmöglichkeiten, vieles andere mehr sollten wir daran messen, ob es kinder- ob es familienfreundlich ist. Die größte Veränderung muss in den Köpfen vorgehen !
    D.Schmitz, Wolfsburg

    • zorc
    • 20.03.2006 um 9:15 Uhr

    "Total-Stopp weiterer belastender Zuwanderung" hilft immer -- Deutschland den Deutschen ("relativ hohe ethnisch- kulturelle Homogenität"), die dann sicher wieder so wirtschaftswunderlich werden wie in den seligen 50ern ("mit einer hohen Arbeits- und Bildungsethik als Grundlage"). Wofür die Renten- und Kinderdebatte nicht gut ist -- man kann sogar seinen Rassismus problemlos darin unterbringen!

    • maksym
    • 17.03.2006 um 20:21 Uhr

    Der Zoowärter würde beim Blick in seine Pandabärenvoliere nicht einen Augenblick zögern und behaupten, dass das Problem seine Ursachen wohl in der nicht artgemässen Haltung habe.
    Zu wenig frische Eukalpytusblätter. Zu viele Gitterstäbe. Zu viele Zuschauer. Zu viele Experten.

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  • Quelle ZEIT online, 17.3.2006
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