SAP Angst um die heile WeltSeite 3/3

Fast hätte das Arbeitsgericht Mannheim seine Maßstäbe gesetzt. Mit seiner Hilfe wollten die in der Abstimmung unterlegenen Mitarbeiter die Betriebsratswahl durchsetzen. Am Dienstag kam der Konzern der Entscheidung zuvor. Nun soll am 30. März eine weitere Betriebsversammlung stattfinden und einen Wahlvorstand bestimmen. Wieder geht es dem Konzern darum, äußere Einflüsse möglichst abzuwehren.

Dem IG-Metallern Geiger entlockt das nur Kopfschütteln. "Hätten wir Einfluss nehmen wollen, hätten wir eine solche Wahl längst beantragen können." Dieses Recht stehe der Gewerkschaft nämlich zu. "Die IG Metall wird das aber auf keinen Fall tun. Wir unterstützen unsere Mitglieder lediglich mit dem Service, den eine Gewerkschaft zu bieten hat."  Wenn die Belegschaft nun selbstständig einen Wahlvorstand zustande bringe, sei das nur zu begrüßen. Nur solle sich der Arbeitgeber nun auch aus dem Wahlverfahren heraushalten.

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Angesichts so viel Zurückhaltung der Gewerkschaft ist schwer zu verstehen, warum viele SAPler dermaßen emotional und aggressiv auf den ersten Wahlversuch reagierten. In einem Internetforum , in dem die IG Metall Fragen zum Wahlverfahren beantworten wollte, finden sich viele entsprechende Einträge. "Warum gesteht ihr uns SAP-Mitarbeitern nicht zu, dass wir selbst denken und Entscheidungen treffen können?", heißt es da beispielsweise. Oder: "Wir sind keine Lohnsklaven von Herrn Hopp. Sie beleidigen uns und wollen gleichzeitig unsere Interessen vertreten?"

Letztlich geht also um eine psychologische Frage. Wer sich selbst als Unternehmer versteht, steht den Entscheidungsprozessen des Arbeitgebers wesentlich näher als der Arbeiter in einem klassischen Unternehmen. Neu ist das nicht; dasselbe gilt schon lange für leitende Angestellte. Sie haben oft Angst davor, das Wohlwollen des Arbeitgebers und manche Vergünstigung zu verlieren, wenn sie unbotmäßige Forderungen stellen oder sich organisieren und sich in Gegensatz zur Unternehmensführung setzen. "Zudem herrscht in diesen Kreisen oft die Meinung vor, man könne für sich selbst am besten sorgen", sagt Klebe. "Statt es auf einen Konflikt ankommen zu lassen, verlässt man dann lieber das Unternehmen - meist mit der Sicherheit, relativ leicht einen neuen Job zu finden." Doch dieser Mechanismus funktioniert nicht mehr, wenn die Zeiten schlechter werden. "Dann stellt sich schnell die Gerechtigkeitsfrage, die sich nicht mehr unter vier Augen lösen lässt."

Also in guten Zeiten vorsorgen, bevor die schlechten kommen? Soweit wird wohl kaum ein SAPler gehen wollen. Doch immerhin hat sich der Ton im Internetforum verändert. Die jüngsten Einträge enthalten vor allem Fragen dazu, was ein Betriebsrat tut und welche Rechte er hat.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Taktik

    Seltsam ist, daß dem Autor des Artikels nicht in den Sinn kam, die Zurückhaltung der Gewerkschaft als möglicherweise taktisches Manöver zu diskutieren.

    • mkayi
    • 17.03.2006 um 11:19 Uhr

    die FAQ auf der angegebenen Seite der IGM ist kein Internet Forum.

    Die Beiträge sind umgekehrt zeitlich aufgelistet, so dass die Behauptung, die Beiträge würden in letzter Zeit weniger kontrovers sondern sich eher mit sachlichen Fragen zu Aufgaben eines Betriebsrates befassen schlicht falsch ist.

    Das Gegenteil ist der Fall.

    Korrektur?

  2. Es ist völlig normal, vor allem in D-Land, dass eine Hand voll Rechthaber bestimmen, wie es der Mehrheit besser geht. SAP ist zu beglückwünschen zu seiner großen Vergangenheit - und zu bedauern dafür, dass die mit dem Betriebsrat nun auch Geschichte wird.

  3. Im Artikel "Angst um die heile Welt" wird die Rolle der IG Metall doch etwas weich gezeichnet. Die negative Stimmung gegenüber der Betriebsratsoffensive kam zu einem guten Anteil dadurch Zusatnde, daß die IG Metall bereits eine SAP Seite eröffnet hatte, bevor überhaupt zur Betriebsversammlung eingeladen worden wahr.
    Auf dieser Seite wimmelt es nur so von Polemik, Klassenkampfparolen bis hin zu beleidigenden Formulierungen. Die Möglichkeit Fragen zu Stellen wurde von IG Metallseite dazu genutzt, mit Parolen und Propaganda zu "antworten". Antworten in Form von Fakten gab es nicht.
    Meiner Ansicht nach war die Stimmung gegen die BR Wahl überwiegend wegen dieser Webseite so aufgebracht, lange bevor Herr Hopp oder Mitglieder der Firmenleitung überhaupt eine Aussage getätigt hatten.
    Es ist die IG Metall, die unseren drei Kollegen einen echten Bärendienst erwiesen hat mit dieser vorschnellen und qualitativ schlechten Webseite.
    Jeder politisch und gewerkschaftlich unabhängige Mensch kann sich ja mal einen eigenen Eindruck verschaffen auf: www.sapler.igm.de Insbesondere die FAQ Ecke und die "Qualität" der Antworten sprechen für sich selbst und erübrigen jeden Kommentar.
    Es geht der IGM einfach ums Prinzip. Die SAP hat ebne einen BR zu haben, weil alle anderen DAX Unternehmen auch einen haben. Argumente waren Mangelware in der Diskussion. Was ein BR an der Vorhandenen Vertretung verbessern soll blieb auch völlig offen.

  4. Zuerst muss man mal sagen, dass das "IGM Forum" auf www.sapler.igm.de nur Artikel und Texte beinhaltet, die von der IGM ausgewählt werden, also keineswegs alle Wortmeldungen, Fragen und Kritiken der SAP Mitarbeiter von der IGM dort reingestellt werden. Damit haben wir hier eine eindeutig subjektive, "IGM-dienliche" Auswahl an Anfragen und damit auch den Ton im Internetforum.

    Die Frage, warum im Artikel (http://www.sap.igm.de/faq...) mehrere Tage folgendes und dann ohne Angabe von Gründen entferntes Zitat stand:

    "Die IG Metall ist kein Jobkiller und war nie einer. Ein Mitarbeiter einer Firma, die Rationalisierungssoftware herstellt, sollte einer Gewerkschaft keine falschen Motive unterstellen."

    wurde nie beantwortet. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: hier hält eine die Mitarbeiter umwerbende Gewerkschaft genau diesen Mitarbeitern vor, dass das Ergebnis ihrer Arbeit Arbeitsplätze vernichtet. Analog kann man behaupten, das tut auch DaimlerChrysler, weil imemrhin stellen die LKWs her, die ein vielfaches der Lasten tragen können, als die einzelnen Mitarbeiter.

    Ebenso wurden dort (zwischenzeitlich wieder gelöschte) Artikel publiziert (z.B. "Die Würde des Menschen ist unantastbar" http://www.sap.igm.de/new...), die zwat nicht aussprechen aber implizieren, dass bei SAP die gundlegensten Rechte den Mitarbeitern verwehrt werden.

    Nun werden sogar Betriebsräte von anderen deutschen Unternehmen mobilisiert, um gegen die Ablehnung der SAP Mitarbeiter Stimmung zu machen. Dabei wird auch der Betriebsrat von DaimlerChrysler zitiert, auf dessen Unternehmen aber auch Schlaglichter auf die Kämpfe zwischen IGM-Betriebsräten untereinander fallen (hier der Artikel):

    BETRIEBSRATSWAHLEN BEI DAIMLER-CHRYSLER
    IG Metall-Mitglieder gegen IG Metall-Mitglieder - "Verräter" und "Vulgär-Marxisten" proben den Aufstand
    http://www.freitag.de/200...

    Dieser Ton und diese Einstellung lassen in den SAP Mitarbeitern zu Recht die Befürchtung hochkommen, dass ein von der IGM solchermassen durchgesetzte Betriebsrat die Arbeitskultur in ihrer Firma zerstört. Wenn die IGM den Stil eines Betriebsrates repräsentiert, dann Gnade den SAP'lern.

    Diesen Artikeln nach zu urteilen geht es der IGM überhaupt nicht um das Recht und Wohl der SAP Mitarbeiter, sondern um Macht und Pfründe, die man seit Jahren in anderen Industriezweigen verliert.

    Es wäre auch einem "Die Zeit"-Redakteur angeraten, sich nicht nur auf Propaganda-Seiten der IGM zu verlassen, sondern mit Mitarbeitern der SAP zu sprechen und deren Sichtweise kennen zu lernen.

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