Wahlen Zwei Siege, einmal Wechsel
Stimmungstest für Merkel und Müntefering: In Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wurden die Landtage gewählt

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Bei den drei Landtagswahlen an diesem Sonntag haben die Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) in Rheinland-Pfalz und Günther Oettinger (CDU) in Baden-Württemberg ihre Macht verteidigt. Beck gewann die absolute Mehrheit, Oettinger verpasste nur knapp die Möglichkeit, alleine zu regieren. In Rheinland-Pfalz wird die FDP ihre Regierungsbeteiligung wohl einbüßen. Beck kündigte allerdings an, er werde in jedem Fall Gespräche mit den Liberalen führen.
Gleichzeitig verloren die Sozialdemokraten in Baden-Württemberg und die Union in Rheinland-Pfalz so hoch wie noch nie zuvor. Der rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidat Christoph Böhr zog unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen die Konsequenz und trat von seinen Parteiämtern zurück. Ute Vogt, baden-württembergische SPD-Kandidatin, nannte das Ergebnis eine "schmerzliche Niederlage". Konsequenzen wolle die Landes-SPD am Montag beraten.
In Sachsen-Anhalt wird die regierende Koalition aus CDU und FDP nach den Hochrechnungen die Mehrheit verlieren. Dort deutet sich eine Große Koalition an, die Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) schon einmal vor der vorangegangenen Landtagswahl favorisiert hatte, dann aber wegen des sehr guten Abschneidens der FDP nicht eingegangen war. Der SPD-Spitzenkandidat
Jens Bullerjahn
bekräftigte seine Aussage aus dem Wahlkampf, für eine Große Koalition mit der CDU bereit zu sein.
Die Wähler in den drei Bundesländern entschieden das erste Mal nach der Wahl von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor vier Monaten. Die Abstimmungen galten deshalb auch als erster
Stimmungstest für die Große Koalition
in Berlin. Immerhin war jeder fünfte Wahlberechtigte in Deutschland zur Stimmabgabe aufgerufen. Sollte die FDP in beiden westlichen Landesregierungen nicht mehr vertreten sein, hätte das auch bundespolitische Auswirkungen. Bislang konnten die Liberalen über ihre Regierungsbeteiligungen Abstimmungen im Bundesrat gegen die Bundesregierung beeinflussen. Dies könnte sich nun ändern.
In
Rheinland-Pfalz
kommt die SPD nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 45,6 Prozent und hat damit die absolute Mehrheit sicher, weil die Grünen mit nur 4,6 Prozent nicht mehr in den Landtag einziehen werden. Die CDU erreicht 32,8 Prozent, die FDP 8 Prozent. In
Baden-Württemberg
kommt die CDU nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 44,2 Prozent. Die SPD gewinnt nur 25,2 Prozent, die Grünen steigen auf 11,7 Prozent und werden drittstärkste Kraft, die FDP erreicht 10,7 Prozent. Weder hier noch in Rheinland-Pfalz gelang es der WASG, in den Landtag einzuziehen. In
Sachsen-Anhalt
führt die CDU mit 36,7 Prozent, die Linkspartei wird zweitstärkste Kraft mit 23,7 Prozent und erreicht ihr bestes Ergebnis überhaupt. Die SPD bleibt bei 21,1 Prozent. Die FDP kommt hier nur auf 6,9 Prozent. Grüne und DVU konnten die Fünf-Prozent-Hürde nicht überspringen.
Der
SPD-Bundesvorsitzende Matthias Platzeck
sagte angesichts des rheinland-pfälzischen Ergebnisses, er freue sich,
dass die SPD wieder Landtagswahlen gewinnen könne
. "Dieses Ergebnis für die SPD in Rheinland-Pfalz ist vor allem das Ergebnis einer hervorragenden Regierungsarbeit über viele Jahre", sagte der SPD-Parteichef. Den Ausgang in Baden-Württemberg nannte Platzeck "bitter". Er stellte heraus, dass es der Linkspartei nicht gelungen sei, im Westen Fuß zu fassen. "Wir sind die linke Volkspartei", sagte Platzeck.
- Datum 29.03.2006 - 13:30 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 23.3.2006
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Eine schallende Ohrfeige für die Politik
Entgegen der periodisch festgelegten Selbstbeweihräucherung der Politiker sind die Wahlergebnisse der Landtags- und Kommunalwahlen eine schallende Ohrfeige für die Politik.
Sogar Klein-Fritzchen begreift die einfache Mathematik, daß seine Stücke immer kleiner werden, wenn der Geburtstagskuchen jedes Jahr kleiner wird, - auch wenn ihm seine Eltern einen immer größernen Anteil geben.
Nur die Politiker geben nach jeder Wahl den Strahlemann/die Strahlefrau und zeigen ein wenig Alibibekümmernis über die Wahlbeteiligung.
So geht das nicht weiter meine Damen und Herren. Auch Unternehmen können nicht nur umsatz- und gewinnbezogen bezahlen.
Wir sollten dazu übergehen, die Vergütung der Politiker an die Wahlbeteiligung zu binden. Ein Grundgehalt plus variable Vergütung gemäß der Wahlbeteiligung.
Sogar Herr Beck wäre das Lachen über sein relativ hervorragendes - absolut betrachtet bescheidenes Ergebnis - schnell vergangen.
Korfstroem
Man sollte sich angesichts der Wahlbeteiligung mal überlegen, wie Läderregierungen momentan zustande kommen. In Sachsen-Anhalt hat nicht mal die Hälfte der Wahlberechtigten gewählt, in BaWü knapp über 50%!!!
Wäre es da nicht legitim, eine %-Wahlbeteiligungshürde zur Annerkennung einer Wahl einzuführen?
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