Pharma Fusion gefährdet 6000 Jobs

Bayer will Schering kaufen. Der Pharmakonzern Merck, der das erste Gebot abgab, zieht sich deshalb zurück. Gut für die Anleger, schlecht für die Mitarbeiter: Der Aktienkurs Scherings steigt, doch einige tausend Jobs sind gefährdet

Der Bayer-Konzern rechnet damit, dass 6000 Arbeitsplätze verloren gehen könnten, wenn das Unternehmen den Berliner Pharmahersteller Schering übernimmt. Der Vorstandsvorsitzende von Bayer, Werner Wenning, sagte am Freitag, die Erfahrung zeige, dass bei ähnlichen Unternehmensschlüssen  Jobs in entsprechender Menge weggefallen seien. Das Einsparpotenzial liege bei etwa zehn Prozent der in diesem Segment beschäftigten Mitarbeiter. Nähere Angaben, zum Beispiel darüber, ob es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde, könne er noch nicht machen, sagte Wenning.

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer will Schering für insgesamt 16,3 Milliarden Euro kaufen. Es wäre die größte Übernahme in der Firmengeschichte. Gelingt das Geschäft, stechen die Leverkusener die feindliche Offerte des Darmstädter Pharmaunternehmens Merck in Höhe von 14,6 Milliarden Euro aus. Der Schering-Vorstand hat seinen Aktionären schon die Annahme des Bayer-Angebots empfohlen. Der künftige gemeinsame Pharmabereich mit dem Namen Bayer Schering Pharma soll vom Schering-Stammsitz Berlin aus geführt werden. Der Pharmakonzern Merck gab am Freitagnachmittag seine Übernahmepläne auf. Die Geschäftsleitung sei zu der Auffassung gelangt, dass ein höherer Preis aus ihrer Sicht nicht gerechtfertigt sei, teilte das Darmstädter Unternehmen mit. Deshalb sei entschieden worden, die Übernahme von Schering nicht weiterzuverfolgen.

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Schering-Vorstandschef Hubertus Erlen sagte unterdessen, er könne noch nichts dazu sagen, ob Arbeitsplätze  verloren gehen würden. Beide Unternehmen, Bayer und Schering, hätten jedoch "hohe soziale Standards". Wo die angepeilten Einsparungen von 700 Millionen Euro erzielt werden, werde letztlich vom neuen Management entschieden. Ob er diesem angehören wird, ließ Erlen offen. Wenning kündigte an, man werde gemeinsam prüfen, welche Synergien möglich seien. Die Sparte Bayer HealthCare beschäftigt fast 34.000 Mitarbeiter, Schering hat 25.000 Arbeitsplätze.

Auf die Frage, ob Teile des neuen Konzerns verkauft werden sollten, um mit diesem Geld das Geschäft zu finanzieren, sagte Erlen: "Mir sind keine Verkaufsabsichten bekannt."

Das Bayer-Angebot von 86 Euro pro Aktie sei "äußerst attraktiv", sagte Erlen. Nach Vorlage dieser Offerte, von dessen Höhe er am Mittwoch erfahren habe, sei es "unmöglich" gewesen, weiter für die Eigenständigkeit von Schering zu streiten. Merck hatte 77 Euro pro Aktie geboten, Schering hatte dieses Angebot abgelehnt. Der Aktienpreis war in Erwartung einer höheren Offerte bis Donnerstagabend auf 84,97 Euro geklettert. Am Freitag stieg die Schering-Aktie weiter.

 
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    • Quelle ZEIT online, dpa, 24.3.2006
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