Echolot Ringelreih im Lolita-KleidchenSeite 3/3
Noch nicht ganz so alt wie Feidman ist Joan Baez . 65 ist die "Großmutter der Folkmoderne" Anfang dieses Jahres geworden.
Michael Pilz erinnert in der Welt an die Protest-Sängerin, die ins Rampenlicht zurückgekehrt ist. Im Schlepptau Kolleginnen wie Janis Ian , "eine Joan Baez des Undergrounds", Melanie und Vashti Bunyan .
Ein Wandler zwischen indischen Raggas und westlicher Rockmusik, Jazz und Exotica, war Ananda Shankar .
Jimi Hendrix soll von ihm das Sitarspiel erlernt haben. Daneben zeigten sich aber auch Vertreter des britischen Asian Underground wie Talvin Singh oder State of Bengal von dem Neffen Ravi Shankars angetan.
Paul Paulun hebt die "zeitlose Eleganz" der Musik des indischen Musikers in der taz hervor. Anlass ist die gerade erschienene Doppel-CD A Life In Music .
Ziemlich durchgeknallt muss man sich wohl einen Auftritt der japanischen Formation Moi Dix Mois vorstellen. Die Band um den "sagenumwobenen Gitarristen Mana " zählt zu den wichtigsten Gruppen des Visual Kei , "jenem aus Japan kommenden, aber auch unter jungen Leuten in Deutschland zusehends beliebten popmusikalischen Stil, in dem sich westlicher Gothic-Rock und östliche Manga-Ästhetik, geschlechtergrenzüberschreitendes Cross-Dressing und kindchenhafte Lolita-Bekleidung miteinander verbinden". Auf der Homepage des Gitarristen flackert, totenkopft und fledermaust es entsprechend an allen Ecken und Enden. In Berlin trat Mana mit seiner Band erstmalig auf. Jens Balzer hat das Konzert für die Berliner Zeitung besucht und eine Band gesehen, die optisch an ein paar Transen erinnere, die direkt aus der Gruft kommen. Die Begeisterung der vor allem jungen Mädchen für die japanischen Verkleidungskünstler bleibt ihm verschlossen. "Hart rockende Hochgeschwindigkeitspassagen wechseln mit pseudobarockem Spinettgeklimper und gothic-gerechten Kirchenorgeln aus dem Computer; Metalgegrunze mündet immer wieder in getragenen Refrains, wie man sie aus dem traditionellen Japan-Pop kennt. Auch im Huxley's blieb rätselhaft, was die meist minderjährigen Mädchen an dem ruppigen Gebolze begeistert. Immerhin haben sie dazu eine ganz eigene Art des femininen Headbangens entwickelt: während der Kopf in Metal-gerechter Weise wild vor- und zurückgeschleudert wird, bleiben die Hände grazil angewinkelt wie beim Ringelreihen."
- Datum 29.03.2006 - 13:30 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT online, 27. 3. 2006
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