KHMER-ROUTE (6) Schluchzen und SchlürfenSeite 3/3

Ein anderer Film von Rithy Panh erzählt die Geschichte von Bophana und Sithy, einem Liebespaar, das getrennt und in Tuol Sleng gequält wurde und endlich auf den Killing Fields sein grausiges Ende fand. Die Kamera verweilt immer wieder auf dem zerfurchten Gesicht von Sithys Mutter, einer Bäuerin, wie sie sich mit ihrem alten Krama-Tuch über die Augen wischt, die Wangen, den Hals. Und selbst wenn die Pol Pot-Ära nun zu Ende geht, was könnte als Perspektive auftauchen, jenseits des Verlorenen, der Tempel, der Welt der Bauern vor dem Fall?

Auch der vietnamesische Beitrag zum Mekong-Filmfest zeigte übrigens eine verlorene Welt. Der Hüter der Büffel ist ein junger Mann, einziger Sohn verarmter Eltern, der mit dem einzigen Besitz der kleinen Familie, den beiden Büffeln, in eine endlose Wasserlandschaft hinauszieht, nach Weideland suchend. Immerzu Regen. Die archaische Kraft dieser Welt in Szene zu setzen, die schwarz-triefenden Tierrücken, die nackten Oberkörper der jungen Männer, die Büffel durch das Wasser treiben, war mühevoll. 370 Büffel wurden aus Dörfern zusammengesucht, die bis zu zehn Kilometer auseinander lagen, drei Kameras gingen drauf - Wasserschaden. Alles nur, um eine Idee zu realisieren, die Minh Nguyen Vo keineswegs in der Realität vorgefunden hatte, noch nicht mal in seiner Erinnerung, sondern in einer Kurzgeschichte, die er als Kind las, Der Geruch des Ca'Mau Waldes , und die eine Welt beschwört, die es schon damals nicht mehr gab.

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Es ist der erste Film, den Minh Nguyen Vo gemacht hat, denn eigentlich ist er Physiker, ein Spezialist für Laser. Aber Filmemachen, erzählt er, sei immer sein Traum gewesen, seit den schrecklichen Jahren des Vietnam-Krieges, als seine Eltern mit ihm in ein Dorf zogen. Das Dorf lag neben einem kleinen Flughafen, was ein Unglück war, weil er die Bomben der Amerikaner anzog. Die neue Wohnung aber lag auch neben einem kleinen Kino, was ein Glück war, weil sich das Kind hierhin flüchten konnte, um das Gedröhne draußen einmal nicht zu hören. Er habe viel John Wayne geguckt, übrigens in französisch synchronisierten Versionen, die ganzen alten Wild-West-Filme, während draußen die amerikanischen Bomben fielen.

Den ersten Preis des Mekong-Filmfestivals hat Minh Nguyen Vo nicht bekommen, der ging an einen Dokumentarfilm aus Thailand, der in einer Schule in den Bergen des Nordens spielt. Aber Minh Nguyen Vo plant natürlich schon den nächsten Film, er kommt gerade aus Berlin und hat dort die Finanzlage gecheckt. Thema: der amerikanische Traum - aus Sicht der Flüchtlinge Asiens.

Es ist, wie gesagt, alles ein Anfang, auch wenn das Mekong-Filmfestival nun erst einmal vorbei ist. Der Projektor am Wat Botum erlosch, worauf die Jugendlichen ihre Maschinen antraten, die Familien ihre Kinder in die Arme bündelten und alle verschwanden.

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