Dieter Kiessling: Two Cameras (1998)
In der Installation von Dieter Kiessling nehmen sich Videokameras gegenseitig auf und übertragen die Bilder zu den Monitoren. Die Entfernung der beiden Kameras voneinander ist jedoch zu gering, um eine scharfe Abbildung zu ermöglichen. Da bei beiden Kameras die Autofocusfunktion eingeschaltet ist, versuchen sie dennoch ständig durch Veränderungen der Objektiveinstellungen sich gegenseitig scharf abzubilden. Die andauernde Variation der Objektiveinstellungen bewirkt, dass die Kamerabilder auf den Monitoren ihre Schärfe und auch ihre Größe ständig ändern. Die Geräusche des Autofocussystems werden verstärkt und sind über die Lautsprecher der Monitore hörbar.



Zum betrachten der Filme klicken Sie auf das Bild. Sie benötigen dafür Quicktime

Jan Dibbets: TV as a fireplace (1968/1969)
Die letzten acht Tage des Jahres 1969 beschließt das Westdeutsche Fernsehen sein Programm auf dem 3. Kanal mit einer allmählich herunterbrennenden „Feuerstelle“ in Farbe. Jeweils knapp drei Minuten lang zeigt der Bildschirm einen aus fester Kameraposition gedrehten brennenden Holzstoß, dem der kastenförmige Bildschirm das Aussehen eines Kaminfeuers gibt. Frisch entzündet, entwickelt es sich im Laufe der ersten Abende vom ersten Aufflackern zu einem stabil und lebhaft brennenden, schließlich schwächer werdenden und teilweise verglühenden Feuer. Gedreht wurde TV as a Fireplace nach einer Idee des niederländischen Künstlers Jan Dibbets. Fragen der Wahrnehmung, der Sinnestäuschung und der Illusion in Bezug auf das gewählte Ausdrucksmedium sind das große Thema des niederländischen Künstlers.

Robert Wilson: Video 50 (1978)
Video 50 , eine beinahe einstündige Abfolge von insgesamt 98 je zirka 30 Sekunden währenden szenischen Bildern, entstand im Auftrag des ZDF und stellt die erste Fernseharbeit des amerikanischen Theaterregisseurs Robert Wilson dar. Der gebürtige Texaner und ehemalige Architekturstudent entwickelte Mitte der sechziger Jahre in New York ein neuartiges Theaterkonzept, das mit der Inszenierung enigmatischer Bilder in einer zeitlupenhaften Darstellungstechnik das Publikum faszinierte und verwirrte. Der internationale Durchbruch des heute weltweit agierenden Regiestars fand in den siebziger Jahren statt. Mit dem Erfolg der Inszenierung von Philip Glass‘ Oper Einstein on the Beach am Hamburger Schauspielhaus im Oktober 1976 erlangte Wilsons Theater der Trance (Time Out, New York) auch im deutschsprachigen Raum Berühmtheit.

Die Einladung, eine Produktion für das deutsche Fernsehen zu realisieren, nahm Wilson zum Anlass, seine Ästhetik des „Bildertheaters“ und die darin erprobte Relation von Bühnenzeit und Echtzeit in einem kurzen, fernsehgerechten, Format zu realisieren. In einer vom ZDF herausgegebenen Ankündigung erklärt Wilson: „Auf dem Theater habe ich Stücke inszeniert, die 168 Stunden lang, die 24 Stunden lang, die fünf Stunden lang waren. Für Video 50 habe ich 30 Sekunden ausgewählt. Die Episoden sind kurz, in sich abgeschlossen, unabhängig voneinander. Einige sind kleine Dramen, andere sind kurze Geschichten, es gibt Porträts, Stilleben und Landschaftsbilder.“

Fünfzig unterschiedliche szenische Settings bilden den Ausgangspunkt für Wilsons dramatische Miniaturen, die von der artifiziellen Bildsprache des Surrealismus, der Werbefotografie der fünfziger Jahre und des Hollywoodkinos gleichermaßen geprägt sind. Die ausgeklügelten Mini-Szenarien, die einschlägige Bilder aus Kunst und Kino gleichermaßen zitieren und miteinander kombinieren, arbeiten mit Witz und Ironie an der Dekonstruktion von Narration, Psychologie und Linearität. Sie streifen das Absurde und tauchen tief in die bereits von den Surrealisten ausgiebig genutzten Sphären des Traums und des Unterbewussten ein. Die lineare Chronologie kontinuierlichen Erzählens wird von einer assoziativ verfahrenden Simultantechnik abgelöst.

Samuel Beckett: He Joe (1966)
1964 widmete sich der 60-jährige Autor Samuel Beckett erstmals dem Medium Film. Regisseur des Erstlingswerkes, an dessen Dreharbeiten Beckett teilnahm, war Alan Schneider, der Darsteller Buster Keaton. Der Film sollte die einzige Arbeit auf Celluloid bleiben, einige weitere Werke für das Fernsehen unter Beteiligung Becketts folgten jedoch. 1966 sendete der Süddeutsche Rundfunk Stuttgart in deutscher Sprache und unter dem deutschen Titel das Fernsehspiel He Joe , bei dem Beckett selbst Regie führte; Deryk Mendel spielte den Joe. Die BBC sendete am 04. Juli des gleichen Jahres die englische Version, bei der Beckett gemeinsam mit Alan Gibson Regie führte.

Das Intro des Fernsehspiels zeigt die Figur und ihren traumatisch bedingten Kontrollzwang. „Joe, Ende fünfzig, graues Haar“ ist eine Figur, die für die neurotischen Verhaltensweisen der Beckettschen Romanfiguren charakteristisch ist. Er sucht die Bedrohung in seinem Zimmer und muss erkennen, dass die eigentliche Bedrohung in seinem Inneren verortet ist. Er bleibt in der Selbstbeobachtung gefangen.

Jan Verbeek: On a Wednesday Night in Tokyo (2004)
Der Titel des Videos On a Wednesday Night in Tokyo verweist auf den Ort der Handlung und deutet auf eine reale Begebenheit, auf ein persönliches Erleben hin. Über fünf Minuten lang dokumentiert Jan Verbeek das rege Treiben auf einem nächtlichen U-Bahnsteig in Tokio. Die zunächst vertraute Situation - Menschen auf einem Bahnsteig, die in eine wartende U-Bahn einsteigen - verdichtet sich zu einem Kammerspiel, in dem Geduld und Belastungsvermögen der Beteiligten auf eine harte Probe gestellt werden: Immer neue Passagiere zwängen sich in ein bereits völlig überfülltes Abteil. Eigentlich müsste der Zug jeden Moment losfahren, doch die Situation zieht sich hin, und wieder gesellen sich neue Fahrgäste hinzu. Die Menschen stehen zusammengepfercht wie in einer Sardinenbüchse, und es scheint unmöglich, dass noch weitere Fahrgäste hineinpassen. Dennoch geht es unaufhaltsam weiter.

Die Arbeit von Verbeek ist eine Bestandsaufnahme eines Tokioter Albtraums, der sich tagtäglich in der japanischen Metropole aufs Neue wiederholt.

Joseph Beuys: Filz-TV (1970)
Die Aktion Filz-TV ist der erste von zwanzig kurzen Künstlerfilmen, die 1970 von der ARD ausgestrahlt wurden. Beuys hat die Aktion bereits 1966 in Kopenhagen uraufgeführt. Er benutzt für die neue Inszenierung das 1968 entstandene Filz-TV-Gerät, einen Fernseher mit Filz-beklebter Mattscheibe, eine dazu gehörige Filzplatte sowie ein Paar Boxhandschuhe und eine Blutwurst.

Während der knapp fünfminütigen Aktion hebt Beuys eine Ecke des Filzbelags kurz an, auf der Mattscheibe ist ein gestörtes Schwarzweißbild zu sehen. Anschließend streift er die Boxhandschuhe über und beginnt, sich mit schnellen Bewegungen ins Gesicht zu schlagen. Dazu hört man einen Wortbeitrag über Milch- und Fleischpreise.

Charakteristisch für Filz-TV ebenso wie für alle folgenden 19 Künstlerfilme ist die zurückhaltende Kameraarbeit. In jeder Aufnahme erscheint der Akteur beziehungsweise die Handlung annähernd formatfüllend auf der Bildfläche. Beuys ging es nicht darum, den Verursacher zu attackieren, sondern er zielte auf den Konsumenten: „[...] der Zuschauer selber ist sehr viel wichtiger. Dass und wie er agiert, ist wichtiger als alles das, was aus der Kiste kommt.“ In Filz-TV handelt Beuys stellvertretend für den Zuschauer. Mit der Filzscheibe filtert er das Bild weg, während der Ton weiter läuft. Wenn der Künstler in der letzten Einstellung den Fernseher vor die Wand und die dort hängende Filzscheibe rückt, ist das für ihn »wieder ein Bild an der Wand. Und zwar auch wieder ein Bild mit keiner Information [...].«