Gasprom Streit um Pipeline
Die frühere rot-grüne Bundesregierung hat noch zu Schröders Amtszeit Gasprom eine Milliarden-Bürgschaft zugesichert. Das bringt den Ex-Kanzler und neuen Aufsichtsratschef der Ostsee-Pipeline in die Bredouille
Die Bundesregierung müsste danach einspringen, falls Gasprom den Kredit von einer Milliarde Euro für den Bau der deutsch-russischen Erdgas-Pipeline nicht zurückzahlen kann. Der Alt-Kanzler ist seit Donnerstag Aufsichtsratschef beim Betreiber der Ostsee-Pipeline. Der Haushaltsausschuss des Bundestages wird sich nach Informationen der Welt am Sonntag am kommenden Mittwoch mit dem umstrittenen Vorgang und seinen Hintergründen befassen.
Schröder hat von der Bürgschaft nach eigenen Angaben nichts gewusst. »In meiner Regierungszeit hatte ich keinerlei Kenntnisse von einem solchen Vorschlag und war deshalb auch nie damit befasst«, heißt es in einer Erklärung Schröders, die der dpa vorliegt. Nach seinem Kenntnisstand gebe es einen gemeinsamen »Vorschlag« der Deutschen Bank und der KfW Bankengruppe für eine solche Finanzierung. Gasprom-Vorstandschef Alexej Miller habe ihm, Schröder, »verbindlich mitgeteilt, dass die Gasprom den Finanzierungsvorschlag der beiden Banken nicht angenommen hat und auch nicht annehmen wird«.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) verlangte in der Bild am Sonntag restlose Aufklärung. Nach seiner Auffassung sollte Regierungsmitgliedern »grundsätzlich« untersagt sein, kurz nach ihrem Ausscheiden eine Tätigkeit bei einem Unternehmen aufzunehmen, mit dem sie während ihrer Amtszeit zu tun hatten. FDP-Chef Guido Westerwelle will Aufklärung über die Bürgschaft »notfalls parlamentarisch erzwingen«. »Diese Affäre stinkt zum Himmel«, sagte Westerwelle der Bild am Sonntag .
Der stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Bodo Ramelow, kündigte an, seine Fraktion werde im Bundestag »alle Möglichkeiten nutzen, um die parlamentarische Aufklärung voranzutreiben«. Der Grünen-Vorsitzende Reinhard Bütikofer warf Schröder »Unverfrorenheit« vor und forderte ihn auf, sein Aufsichtsratsmandat niederzulegen. Es sei ein Skandal, dass Schröder behaupte, er habe nichts von der Garantie gewusst, sagte Bütikofer beim Landesparteitag der Berliner Grünen.
Schröder verteidigte sein Engagement für den Bau der Ostsee-Pipeline. Er sei damit im November 2005 konfrontiert worden und habe zunächst abgelehnt, sagte er dem Handelsblatt (Montag). Am 9. Dezember sei er dann »der Bitte des russischen Präsidenten nachgekommen. Ich kann daran nichts Falsches sehen.« Zu Behauptungen, es habe bereits Vorfestlegungen noch während seiner Amtszeit gegeben, sagte Schröder: »Das ist falsch.«
Der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) wies Kritik an der Staatsbürgschaft zurück. »Es war das Vernünftigste, was es gibt, dass wir diese Bürgschaft übernommen haben. Die nachfolgenden Generationen werden über diese Pipeline froh sein und dass Deutschland in Russland einen zuverlässigen und sicheren Lieferanten hat«, sagte Clement der Welt am Sonntag .
- Datum 25.01.2006 - 12:31 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa 01.04.2005
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Schröder ist einer der wenigen SPD Politiker, die über den parteipolitischen Tellerand hinausgucken können und ihren Kopf über die soziale-Gerechtigkeitssoße halten.
Aber leider schaut er in die falsche Richtung. Die nun langsam offensichtlicher werdende Kungelei von politischen Verträgen, Vergünstigungen, Posten und Gefälligkeitsbürgschaften hat nun ganz und gar nichts mit Kapitalismus und guter Wirtschaftstätigkeit zu tun, es ist politisch-wirtschaftliche Oligarchie und in der Regel müssen andere die Rechnung bezahlen.
Daß er nicht sauber und prospektiv wirtschaften kann, hat er ja schon als Ministerpräsident in Niedersachsen gezeigt. Und jetzt will er leitende Wirtschaftsfunktionen ausüben? Kann mir jemand sagen, welche nachgwiesene Wirtschaftskompetenz Gasprom bewegt hat, Schröder als Aufsichtsratsvorsitzenden zu küren?
Da kommt mir ein Verdacht: Dienen der Vertrag als Eintrittpreis für den Posten und die Bürgschaft als Absicherung gegen Schröders eventuelle Fehlentscheidungen?
Daß er jetzt von Klement gedeckt wird, war zu vermuten. Schröder wird sich erkenntlich zeigen müssen. Diese Klaviatur beherrscht er ja exzellent.
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Was soll man auch von einem erwarten, der sagt, dass Putin ein lupenreiner Demokrat ist.
Schröders politische Gegner sollten aber nicht zu viel Wind um die ganze Sache machen, Hauptsache er ist weg. Nicht, dass der alles hinwirft und sich wieder hier in Deutschland einen Job sucht. Das könnte noch viel schädlicher sein.
Schön. Jetzt hat der lupenreine Demokrat Schröder also in Hamburg gegen Westerwelle obsiegt.
In einem mißverständlichen Punkt: Westerwelle hatte in seinem Interview formuliert, Schröder habe einen "Auftrag gegeben"; hat er natürlich nicht.
Wie weiter? Wann wird der lupenreine Demokrat jemanden verklagen, der öffentlich behauptet/fragt, ob sich Schröder die Zähne habe bleichen lassen (damit er seine Gegner leichter fressen kann..)? Ob er Wimperntusche benutze (um etwas zu vertuschen...)?
So viele Fragezeichen!
Wir sollten einen neuen Titel für ihn prägen. Pipeliner und lupenrein könte zusamen ergeben: Lupenliner :-)) Auf gehts!
Gaspromi Gerhardowitchs Einlassungen zum Thema Bürgschaft sind lachhaft. Niemand glaubt ihm. Und niemanden würde es wundern, wenn morgen Schröder-towarisch Heiko Gebhardt und Ex-Kanzlerflüsterer Manfred Emil Bissinger Posten bei Schröders Gasprom-Tochter bekämen. Dann könnte die Pipeliner auch noch gemeinsam Spesen machen.
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