SPD Kröten und ParagrafenwahnSeite 5/5
Wir dürfen unseren Wohlfahrtsstaat nicht weiterhin über steigende Lohnnebenkosten sprich Sozialversicherungsbeiträge finanzieren, sondern wir müssen ihn schrittweise steigend aus den Steuereinnahmen finanzieren. Wir dürfen auch nicht weiter hinnehmen, dass der Sozialstaat als soziale Hängematte ausgenutzt wird. Wer als Sozialdemokrat in seinem Gewissen überzeugt ist, alle sozialstaatlichen Übertreibungen aufrechterhalten zu sollen, der irrt sich in seinem Gewissen. Keineswegs müssen wir Maggie Thatchers neo-liberalistischem Beispiel folgen! Wohl aber haben einige skandinavische Länder uns erfolgreich vorgemacht, wie man den Wohlfahrtsstaat aufrechterhält, indem man ihn allmählich und sozialverträglich umstellt.
Alle drei Hauptaufgaben sind im Kern ökonomischer Natur. Alle notwendigen Schritte werden zwangsläufig in bisherige Annehmlichkeiten und in bisherige Besitzstände einschneiden. Sie werden in der eigenen Partei zunächst genauso unpopulär sein wie neulich die Agenda 2010 oder Hartz IV. Und Charakterschauspieler wie Gysi und Lafontaine werden mit großem Aufwand in den Wunden herumbohren. Die Versuchung wird groß sein, um vermeintlicher sozialer Gerechtigkeit willen, die eigene Stimme zu verweigern. Wenn ihr aber solchen Versuchungen nachgeben solltet, wenn diese drei Hauptaufgaben nicht gelöst werden sollten, so kann niemand von euch eine anschließende politische Tragödie ausschließen. Jedenfalls aber würden dann die Sozis Franz Müntefering und Peer Steinbrück als unzureichende Minister in die Geschichte eingehen und gewiss nicht sie allein.
4.) Ich will noch einen vierten Punkt hinzufügen. Zur Selbstbehauptung von Deutschlands hohem Lebensstandard ist ein hoher Stand unserer Wissenschaft, unserer Grundlagenforschung, unserer anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung unverzichtbar. Doch der Kompetenzwirrwarr zwischen Bund und Ländern und die Überregulierung unserer Gesellschaft lähmen uns. Der Deutschen Paragrafenwahn behindert unsere Leistungsfähigkeit. Jeder Politiker, der ein zusätzliches Gesetz schafft, leistet uns einen Bärendienst. Jeder Abgeordnete, der ein altes Gesetz vereinfacht oder gar abschafft, sollte ein Bundesverdienstkreuz erhalten.
III.
Zum Schluss, liebe Freunde! Meine herzliche Bitte ist: Lasst euch nicht von einem denkbaren erfreulichen konjunkturellen Aufschwung täuschen! Denn weder die Massenarbeitslosigkeit wird davon abgeschafft, noch rettet ein kleiner Aufschwung den Sozialstaat vor Überforderung!
Wenn es aber nach dreieinhalb Jahren immer noch fünf Millionen Arbeitslose geben sollte, dann hätte die Große Koalition ihre wichtigste Aufgabe verfehlt! Dann hätte zugleich die Sozialdemokratie ihre drängendste Aufgabe verfehlt! Wenn die Finanzierung des Sozialstaats dann noch mehr gefährdet sein sollte als heute, dann hättet ihr ein Herzensanliegen aller Sozialdemokraten vernachlässigt. Wenn die Große Koalition ihre wichtigsten Aufgaben nicht erfüllen würde, so würden jedenfalls auch die Sozialdemokratie und all unsere Anhängerschaft darunter leiden! Man muss ja kein Marxist sein, um die Wahrheit zu begreifen, die ja in dem Satz drinsteckt, nach dem es das ökonomische Sein ist, welches das Bewusstsein bestimmt.
Lasst euch deshalb nicht von kurzfristigen Stimmungen, von Meinungsumfragen und Landtagswahlen irritieren. Ihr werdet häufig genug vor der Frage stehen: Was soll hier Vorrang haben das taktische Interesse der eigenen Partei oder aber das Interesse des öffentlichen Wohles?
Ich sage ganz offen: Ich halte nicht viel von den Theorien eines zwar begrenzten, aber absichtlichen Konfliktes innerhalb der Koalition. Ich erinnere euch an 1982 damals waren zwar Lambsdorff und Genscher die Hauptschuldigen, aber einige Sozialdemokraten waren mitschuldig, weil sie denen den Vorwand geliefert haben und weil sie glaubten, ihre spezielle Interpretation sozialdemokratischer Interessen sei wichtiger als das gemeinsame öffentliche Wohl. Die Folge aber waren 16 Jahre Opposition so wie Herbert Wehner es vorhergesagt hatte.
Für mich ist heute die Schlussfolgerung durchaus eindeutig. Zwar ist es absolut legitim, den Interessen der eigenen Partei und ihrer Wähler zu dienen. Aber höher steht der Dienst am öffentlichen Wohl. Oder wie vor zweitausend Jahren der alte Cicero geschrieben hat:
Salus populi suprema lex.
(Es gilt das gesprochene Wort)
- Datum 05.04.2006 - 13:31 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 3.4.2006
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Zum sehr geschätzten unten veröffentlichten Artikel Höheres Wachstum in anderen EU-Ländern WIHE ersuche ich anführen zu dürfen, dass Österreich als Durchzugsland von einer enormen Anzahl von ausländischen LKWs sowie PKWs frequentiert wird. Hierbei handelt es sie bei weitem nicht nur um die Strecke zwischen Bayern und Südtirol sondern sehr wohl auch um die Südbahnstrecke im Osten und Süden des Landes. Die Autobahnen befinden sich teilweise in schrecklichem Zustand. In Italien zahlen Sie übrigens auch Autobahnmaut.
Weiteres möchte ich hinzufügen, dass Österreich trotz niedrigerer Benzinpreise alles andere als ein Billigland ist. Besuche in Supermärkten und anderen Läden zeigen, dass fast alle Waren teuerer sind als in Deutschland, geschweige denn unseren östlichen Nachbarländern (dorthin fahren viele Österreicher übrigens einkaufen und zum Zahnarzt).
Österreich schafft es auch nicht annähernd in ausreichendem Maß mit niedrigen Steuersätzen Firmen anzulocken. Die Bundeshauptstadt Wien liegt ca. 60 Kilometer von der slowakischen Hauptstadt Pressburg und von der ungarischen Grenze entfernt. Auch die Tschechische Republik und Slowenien sind sehr nahe. Aufgrund der teilweise eklatanten Unterschiede der Lohn- und Gehaltsniveaus wandern unsere Arbeitsplätze dort hin. Aber auch diese Länder sind nicht mehr ganz so attraktiv. Rumänien und Bulgarien sind jetzt der letzte Schrei. Monatliches Durchschnittseinkommen in diesen Ländern: ca. 160 Euro
Mit Europa verhält es sich so ähnlich. Wenn Volkswirt Sinn (den ich leider nicht kenne) meint, die Europäisierung und die Globalisierung könnten nicht von Vorteil für unser Land sein, weil wir bislang in Deutschland keine steigenden Zahl von Arbeitsplätzen zu verzeichnen haben, dann lässt er damit ein ganz erstaunliches Maß an Naivität durchblicken. Wozu, fragt sich der überrasche Leser, hat man denn seine Volkswirte, wenn die sich einem volkswirtschaftlichen Prozess ausgesetzt sehen, wie unsereins einem warmen oder kalten Regen? >
Prof. Sinn vom IFO-Institut ist des öfteren im Fernsehen zu sehen. Er ist Chef des IFO-Institutes. Volkswirte wie er beobachten eher die Entwicklung der Wirtschaft und ergründen die Ursachen einer Entwicklung als dass sie die Entwicklung in eine bestimmte Richtung drängen.
Wenn die Politik den Binnenmarkt beschließt, dann messen Volkswirte die Effekte des Binnenmarktes, aber sie sind für den Binnenmarkt nicht verantwortlich, verantwortlich sind die gewählten Politiker.
Hier ein Auszug aus einem Interview, das Prof. Sinn 2004 gegeben hat ohne Kommentar, denn ich denke, es bedarf keines weiteren Kommentars. Überlegen Sie selbst, wieviele der Schocks letztlich hausgemacht sind, weil deutsche Politiker es im Bundestag so beschlossen haben.
>Sinn: Die deutsche Wirtschaft leidet momentan unter fünf großen Schocks, die uns harte Anpassungslasten abverlangen. Vier Faktoren sind exogener Natur: Die Globalisierung, der europäische Binnenmarkt, die Einführung des Euro und die Osterweiterung der EU. Ein endogener Faktor ist die deutsche Vereinigung, die uns jährlich 85 Milliarden Euro kostet. Dazu kommen als Dauerproblem die bekannten Fehler im deutschen Arbeits- und Sozialrecht.>
http://www.cesifo-group.d...
Was würde uns das Mehrheitswahlrecht nützen,
wenn deutsche Interessen oder die Interessen deutscher Arbeitnehmer genauso vernachlässigt würden wie zuvor?
Wer deutsche Arbeitnehmer der Konkurrenz von Sklavenlöhnen ungeschützt aussetzt, macht sich mitschuldig an der hohen Arbeitslosigkeit, ob nach dem Mehrheits- oder Verhältniswahlrecht gewählt.
Auch Menschen mit einem IQ unter 100, und das ist die Hälfte der Bevölkerung, haben ein Recht auf einen Arbeitsplatz, mit dem sie ihr Leben bestreiten können.
Wir alle wissen: Alter schützt vor Erfahrung nicht. Und Erfahrung macht Meinung, auch das ist allgemein bekannt. In sofern befürchtet Altbundeskanzler Schmidt also zu Unrecht, man könnte ihm ein solides Urteil allein auf Grund seines Alters absprechen (das Bild vom Elefanten übrigens wirkt aus genau dem Grund ein klein wenig kokett). Nachdem jedoch am Beginn der Rede gesagt wird, worin der Auftrag bestanden hat, vermisse ich ein klein wenig den (nicht wirklich versprochenen) Ratschlag, wie denn eine Große Koalition funktionsfähig zu gestalten sei. Fest scheint für den Redner lediglich zu stehen, dass heute alles anders und nichts mehr vergleichbar ist - bis auf den Umstand, dass mit dem Verhältniswahlrecht alles leichter wäre. Das mag stimmen, wenn man denn Politik als Betätigungsfeld großer einsamer Männer betrachtet, die weise Entscheidungen treffen und anschließend eisern für deren Umsetzung sorgen. Ich fürchte nur, eine derartige Auffassung ist dann doch ein ganz klein wenig angestaubt.
Verglichen mit dem Mehr an "Durchschlagskraft", welche ein Mehrheitswahlrecht verspricht, sind die damit für die Demokratie verbundenen Nachteile einfach zu groß, als dass man unserem Altkanzler unbesehen zustimmen könnte in seiner Auffassung. Womöglich hält Europa nicht allein aus Gewohnheit, sondern aus Erfahrung und auf Grund rationaler Abwägung am Verhältniswahlrecht fest. Schließlich geht es heute (anders, als noch vor 40 Jahren) nicht mehr um die Sicherung der Souveränität einzelner Staaten. Es geht um den ins Stocken geratenen Prozess des europäischen Zusammenwachsens. Europa hat sich in einer globalisierten Welt zu behaupten und es wird einen vergleichsweise komfortablen Platz nur dann einnehmen können, wenn es sich nicht allein militärisch stark und wirtschaftlich effizient, sondern auch menschlich integer und chancengerecht zu entwickeln vermag. Attraktivität ist mitnichten allein eine Frage des Wohlstands relativer Mehrheiten. Es geht deshalb für alle europäischen Staaten momentan weniger darum, um jeden Preis einer (wie auch immer gearteten) Volks-Mehrheit zum politischen Durchbruch zu verhelfen. Es geht darum, möglichst viele Menschen mitzunehmen auf dem Weg und möglichst viele Perspektiven einzubeziehen in die anstehenden Gestaltungsprozesse. Global entscheidende Entwicklungen werden nämlich erfahrungsgemäß wesentlich früher wahrgenommen, Lösungsansätze können rascher zum Allgemeingut werden, wenn auch kleinere Gruppen an der Regierungsarbeit beteiligt sind - und sei es auch nur in der Rolle der Opposition. Rascheres Erkennen und schnelleres Reagieren jedoch haben etwas mit gesamtgesellschaftlicher Effizienz zu tun. Den Preis für eine zunehmende gesamtgesellschaftliche Effizienz, die Auseinandersetzung miteinander, müssen wir ohnehin zahlen. Denn schließlich leben wir nicht länger auf der einsamen Insel der Glückseeligen, sondern inmitten einer Welt, in der die Kräfte ganz anders verteilt sind, als es uns lieb sein kann.
Zustimmen kann man aus all diesen Gründen insbesondere jener Passage im Text, in der zu absoluter Offenheit und Ehrlichkeit geraten wird. Dem Hinweis, man möge doch bitte die Paragrafen 91 a und b noch einmal unter die Lupe nehmen, sollte man ebenfalls folgen. Allerdings nicht unter der Zielstellung, sie möglichst bald wieder abzuschaffen. Sie sollten vielmehr dahingehend überprüft werden, ob nicht bestimmte Grundvoraussetzungen überhaupt erst eine Einheit in Vielfalt praktikabel machen. Die angestrebte "Reform" des Bildungswesens beispielsweise geht für viele Menschen genau in die verkehrte Richtung. Es ist keineswegs ein Fehler, Gemeinschaftsaufgaben zu definieren. Es ist lediglich verkehrt, den Überbau von der Basis zu lösen. Gerade heute sollte Deutschland in den Augen Vieler kein lockerer Zusammenschluss autonomer Kleinstaaten sein, dem über der Auseinandersetzung mit lokalen Egoismen der Sinn fürs Große Ganze abhanden kommt. Wir brauchen ein staatliches Gebilde, welches seinen Mitgliedern in einer unübersichtlichen und anstrengenden Zeit wenigstens ein Minimum an vergleichbaren Startchancen einräumt - und zwar ohne Rücksicht auf den (ererbten oder erworbenen) Status der jeweiligen Familienväter. Auch das ist eine Frage der Menschenwürde.
Schließlich noch eines: Das Thema Gerechtigkeit, ob nun in Bezug auf die Verteilung bezahlter Arbeit oder mit Blick auf die neuen Bundesländer, ist auf jeden Fall eines, mit dem sich die große Koalition wird befassen müssen, hier hat Altbundeskanzler Schmidt zweifellos Recht. Es ist allerdings schon seiner Natur nach ein Thema, das nicht per Machtdekret verhandelt werden kann. Gerechtigkeit ist eine Frage, die sich aus der Summe unzähliger Einzelauffassungen ergibt. Wenn die Wahlbeteiligung in Deutschland (und insbesondere im Osten des Landes) weiter so sinkt, wie sie es in den letzten Jahren getan hat, wird die Politik ein ernst zu nehmendes Problem bekommen. Und zwar vollkommen unabhängig von ihrer strukturellen Organisation. Ein großes Problem mit der Wahrnehmung der tatsächlichen Realitäten nämlich. Und dieses Problem, fürchte ich, ist weit gefährlicher, als der Geburtenrückgang, die hohe Arbeitslosigkeit und die Globalisierung zusammen. Es verhindert nämlich, dass funktionierende und deshalb akzeptable Lösungen für die genanten Probleme entwickelt werden. Analyse Prognose Planung, das ist noch immer der Weg ans Ziel. Ohne komplexe, tragfähige, realistische Analyse also, sehr geehrter Damen und Herren Politiker, sehr geehrter Herr Schmidt, wird es keinesfalls eine Lösung der anstehenden Probleme geben. Damit, finde ich, müsste sich auch mal jemand befassen...
@drto: Das Verhältniswahlrecht ist unschuldig. Es wird, wie so viele andere Sachen auch, nur nicht wirklich effektiv genutzt. Das "Däumchendrehen" einiger Hinterbänkler verursacht übrigens mitunter viel weniger Probleme, als der Aktionismus mancher "Leithammel". Das Salär der vielen Reformblockierer fällt, gesamtwirtschaftlich gesehen, kaum ins Gewicht. Die finanziellen (Spät-)Folgen mancher Gesetze aber können erheblich sein. Nie ist mir zu Ohren gekommen, dass ein Politiker für angerichtete Schäden gehaftet hätte.
Mir scheint, mancher Berufspolitiker hält sich für eine Art Astronaut, der Spuren im Mondstaub hinterlassen muss, will er in die Geschichte eingehen. Ein Mann - eine Wahl - ein neues Gesetz. Und in dem Punkt hat Helmut Schmidt absolut Recht: Wir ersticken unter unseren Regeln. Reformieren heißt in Deutschland leider nie: Gesetze abschaffen. Reformieren heißt immer: Gesetze dazudichten. Politikverdrossenheit ist kein Ergebnis der 5%-Hürde oder von Koalitionszwängen. Sie ist das Ergebnis eines Missverhältnis zwischen Partizipation und Gängelung, und an diesem Missverhältnis würde sich auch bei Einführung eines Mehrheitswahlrechtes nichts ändern.
@wihe: Mit Europa verhält es sich so ähnlich. Wenn Volkswirt Sinn (den ich leider nicht kenne) meint, die Europäisierung und die Globalisierung könnten nicht von Vorteil für unser Land sein, weil wir bislang in Deutschland keine steigenden Zahl von Arbeitsplätzen zu verzeichnen haben, dann lässt er damit ein ganz erstaunliches Maß an Naivität durchblicken. Wozu, fragt sich der überrasche Leser, hat man denn seine Volkswirte, wenn die sich einem volkswirtschaftlichen Prozess ausgesetzt sehen, wie unsereins einem warmen oder kalten Regen?
Die Volkswirte beobachte, die Politiker beschließen und der Wähler ärgert sich - tolle Gemeinschaft mündiger Staatsbürger!
Abschliessend noch ein Wort zu den EU-Kritikern unter den Kommentatoren: Dass D durch den gemeinsamen Binnenmarkt als größte Exportnation riesige Vorteile generiert, scheint der ein oder andere nicht zu verstehen - ganz abgesehen von den nicht-monetären kulturellen Vorteilen der EU.>
Jens,
im Fernsehen sah ich mal einen sehr nachdenklichen Prof. Sinn,den bekannten Volkswirtschaflter, der meinte: "wenn die Europäisierung und die Globalisierung wirklich zu unserem Vorteil wäre, dann müßte man dies bemerken an einer steigenden Zahl von Arbeitsplätzen in Deutschland. Aber diesen Effekt sehen wir nicht, wir sehen nur, wie die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland immer weiter abnimmt.
Gruß WIHE
Lieber Helmut Schmidt. Sie sagen, wenn wir in Deutschland in dreieinhalb Jahren immer noch über 5 Millionen Arbeitslose haben, dann sei die schwarz-rote Koalition wohl für die Katz gewesen. Vielleicht haben sie recht. Dennoch sehe ich bei dieser Einschätzung wieder nur die Gefahr, dass man der alten Arbeiterpartei SPD wieder einmal nur viel zu viel nämlich alles zumutet, viel mehr als Kröten je schlucken können.
Man mutet ihr nämlich zu, anzuerkennen, dass Eigentum nur noch relaxen soll, also jeder, der schon viel hat, immer noch mehr haben darf und damit die Schmerzgrenze für mittellose Modernisierungsverlierer, die davon abhängig wären, dass Eigentum auch verpflichtet, weiter erhöht wird.
Gebe also Gott, dass Sie das nicht tatsächlich noch miterleben müssen, dass also entweder die Zahl immer noch bei über 5 Millionen liegt oder aber doch deutlich darunter, von wegen der Kröten.
Denn wenn die Zahl in dreieinhalb Jahren immer noch über 5 Millionen liegen sollte, was viele Experten für möglich halten, die meinen, es gebe vor 2030 sowieso keine Vollbeschäftigung mehr, was soll dann geschehen? Soll die Fortschrittsdividende etwa nur den Habenden vorbehalten bleiben?
Sehr geehrter Herr Ex-Bundeskanzler, Sie erinnern sich doch sicher, dass die Behauptung, sozial sei, was Arbeit schaffe, letztes Frühjahr dazu führte, dass die SPD in Grund und Boden geschrieben wurde, durch den Regierungswechsel bisher aber keine einzige neue Stelle entstanden ist.
Ich hoffe daher doch sehr, dass die Zukunft auch ohne die Vollbeschäftigung rosig aussehen wird, weil sich das die Menschen immer erträumt haben und es auch gar keinen Grund dafür geben kann, dass diejenigen, die mehr Geld als Verstand besitzen immer nur die anderen an der Nase herumführen.
Die SPD-Bundestgasfraktion hat gewiss härtere Töne erwartet als die, die sie zu hören bekam.
Der liebenswerte (Ur-)Alt-Kanzler, einer der zwei ganz Großen die Deutschland im vergangenen Jahrhundert an der Macht erlebte, wollte offensichtlich keine aufgeregte Streitdebatte haben bei seinem Besuch in Berlin.
Ich kann ihn gut verstehen. Und so wurde die Rede nur zum Schwannengesang anstatt zur Philippika; die BEIDE große Bunmdestagsfraktionen verdient haben.
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