Echolot Star aß Chips in Graz!Seite 2/2

Schlecht ist es um den Deutsch-Pop bestellt. Die viel gepriesene Hamburger Schule ist Geschichte, selbst wenn Bands wie Blumfeld oder D ie Sterne gerade mal wieder neue Platten veröffentlichen. Zumindest ist Richard Kämmerlings in der FAZ dieser Ansicht. Unter der Überschrift „Was ist aus dem Deutsch-Pop geworden?“ stellt er fest: „Es ist vorbei. Es geht nicht mehr. Der Zauber ist verflogen.“ Statt Innovation reagiere das einfallslose Weiterstricken eines Erfolgsrezepts. „Im Willen zum kommerziellen Durchbruch verkam die Individualität zur Masche, nah an der Grenze zur Selbstparodie – vor allem bei Tomte , die eine fatale Selbstmythisierung zum Sprachrohr einer Generation dazu verführte, jede von ihnen besungene Alltagstrivialität für zeichenhaft zu halten.“

Nicht viel besser sind die neuen Stücke der einstigen Vorreiter Blumfeld geraten: Musikalisch an der Grenze zum Schlager bliebe nur Biedermeier übrig. „Beziehungsweise: das Kinderlied. Distelmeyer besingt Schneeflöckchen, den rührigen Apfelmann, der auf dem Wochenmarkt seine Früchte, verboten oder nicht, feilbietet, den April oder Schmetterlings Gang. Die soziale Wirklichkeit endet im Vorgarten, in dem sich, eben wie im Paradies, nicht nur Fuchs und Hase, sondern auch Löwe und Krokodil gute Nacht sagen. Der Soundtrack könnte auf jedem Kindergeburtstag für Stimmung sorgen.“

Zumindest dies lässt sich von den neuen Alben der Düsseldorfer Fehlfarben , von S.Y.P.H. und Britta nicht zwingend behaupten. Alle drei Alben handeln vom Älterwerden – auf je verschiedene Weise.

26 1/2 , das neue Album der ergrauten Fehlfarben, ist folgerichtig das Alter der Band. Monarchie und Alltag stiftete bei seinem Erscheinen 1980 „ein Wir, obwohl (oder weil) es ein Abgesang war auf die verlorenen Punkkriege“, schreibt Klaus Walter in der  taz . Fehlfarben-Sänger Peter Hein führte Knietief im Dispo steckend seine alte Band 2002 wieder zusammen. Anlässlich eines Jubiläums, das keines ist, dürfen auf 26 1/2 alte Freunde und Weggefährten das Mikrofon ergreifen. Bei Helge Schneider oder Sven Regener wirkt das durchaus ansprechend, bei Toten-Hosen-Sänger Campino und Herbert Grönemeyer eher peinlich.

Und was macht die nachfolgende Generation? Bands wie Wir sind Helden oder Kettcar – ziehen sie den Karren aus dem von Kämmerling beschriebenen Dreck? Die Berliner Wir sind Helden versuchen gerade die gesamteuropäische Karriere. Die taz berichtet von einem Konzert in Frankreich, ZEIT-Online war bei Auftritten in Holland und Dänemark zur Stelle.

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