Spanien "Das Leben ist wichtiger...Seite 2/2
Doch deshalb wolle er gewiss nicht zurück treten, versicherte Bono ohne Augenzwinkern. Schließlich habe er aus seinen abweichenden Meinungen nie ein Hehl gemacht und dennoch loyal mitregiert. Und in der heißesten Entscheidung der Regierung stand er voll auf Seiten Zapateros: schließlich ist es er, der bürgerliche Amerikafreund José Bono, gewesen, der als zuständiger Minister kurz nach dem Amtsantritt vor zwei Jahren als erste Amtshandlung die spanischen Truppen aus dem Irak abkommandierte. Damit allein schon schrieb er Geschichte.
Der neue starke Mann im Kabinett, Rubalcaba, wird eine andere wichtige Aufgabe haben. Er, der als Vater der Einigung zwischen Madrid und den Nationalisten in Katalonien hohe Verhandlungskompetenz bewiesen hat, soll jetzt als Innenminister die Regierung den Friedensprozess im Baskenland betreuen. Diesen Knoten zu lösen wird eine Meisterprüfung besonderer Art. Wenn er daran scheitert, wäre das auch ein Rückschlag für Zapatero, vielleicht sogar das Ende. Dies aber, so munkeln manche in Madrid, könnte der eigentliche Hintergrund sein für die Auszeit, die José Bono sich jetzt nimmt: Als Exminister könnte er sich in Ruhe als Reserve und Alternative zu Zapatero bereit halten, für den Fall, dass dessen Beliebtheits- und Erfolgskurve knicken sollte.
Immerhin, daran erinnert man sich in Spanien noch gut, hatte dieser José Bono nach der Wahlniederlage des heutigen spanischen EU-Kommissars Joaquín Almunia im Jahr 2000 als neuer PSOE-Chef und nächster Spitzenkandidat gegolten – bis ein bis dahin unauffälliger junger Mann namens José Luis Rodríguez Zapatero aus León gegen ihn antrat und auf dem Parteitag, gegen alle Prognosen, eine knappe Mehrheit bekam. Sollte da noch eine Rechnung offen sein? Bono selbst würde dazu nur wiederholen, was er am Freitag öffentlich versicherte: „Glauben Sie mir: Ich will nichts mehr werden.“ Das Leben beginnt jetzt!
- Datum 12.04.2006 - 13:31 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 7.4.2006
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