Presseschau Krieg oder Verhandlungen?
Iran provoziert, und die Welt macht sich Sorgen. Wie aber soll die Staatengemeinschaft auf die neue Eskalationsstufe im Atomstreit mit Teheran reagieren? Ludwig Greven kommentiert das aktuelle Meinungsbild
In einem sind sich die Kommentatoren der deutschen Zeitungen weitgehend einig: „Eine atomare Bedrohung kann der Westen nicht hinnehmen“, schreibt
Die Welt
. So weit, so wahr – aber auch nichtssagend. Denn wer würde dem widersprechen wollen (abgesehen von der Frage, warum nur „der Westen“ sich vor einer weiteren, unkontrollierbaren Atommacht fürchten soll)?
Die entscheidende Frage, die sich freilich auch schon auf früheren Stufen der nach oben offenbar offenen iranischen Atom-Drohungsskala stellte, klammern die Kommentatoren der
Welt
und anderer Blätter aus: Wie kann, wie sollte die internationale Staatengemeinschaft reagieren, um Iran zu hindern, das in einigen Jahren zu erreichen, wovon die theokratische Führung in Teheran bislang bloß den Eindruck erweckt, auf dem Weg dorthin zu sein: den Besitz eigener Atombomben?
Im Grunde, und daran haben die
neuen prahlerischen Äußerungen und Demonstrationen von Präsident Ahmadineschad
nichts geändert, gibt es nur drei Möglichkeiten: Entweder verhandelt der Rest der Welt weiter mit Teheran, um einen Verzicht des Landes auf Nuklearwaffen zu erreichen. Oder man versucht, wenn das nicht hilft, dies mit Sanktionen zu erzwingen. Oder, drittens, die USA und/oder Israel versuchen, die iranischen Atomanlagen militärisch zu zerstören.
Alle drei Wege bergen freilich Risiken: Die Verhandlungen vor allem der EU-Troika aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland haben bislang nicht gefruchtet. Wirtschaftssanktionen wiederum würden Iran sicher treffen und könnten die ohnehin Not leidende Bevölkerung von der geistlichen Machtelite weiter entfremden; sie würden aber vermutlich den Westen selber noch weit stärker treffen – schließlich ist Iran das viertgrößte Ölförderland der Welt, und ein Ölpreis von über 100 Dollar würde die Weltkonjunktur mit Sicherheit abwürgen.
Die militärische Option, welche die USA immer wieder ins Spiel bringen, birgt aber noch weit gewaltigere Gefahren. Weder ist garantiert, dass amerikanische oder israelische Bomber die weit verstreuten und tief verbunkerten iranischen Atomanlagen zerstören können, noch dass sie damit das iranische Nuklearprogramm mehr als nur um einige Jahre verzögern würden. Eine Invasion des militärisch hoch gerüsteten Landes würden jedoch selbst die USA nach dem Debakel im benachbarten Irak derzeit nicht wagen; wahrscheinlich wäre die US-Armee auch gar nicht in der Lage dazu. Zudem würde ein Angriff auf Iran die islamische Welt endgültig gegen den Westen aufbringen – mit verheerenden Folgen vermutlich auch für die Sicherheit bei uns.
Angesichts dieses schwerwiegenden Dilemmas kommentiert die
Frankfurter Allgemeine
denn auch eher nüchtern: „Für jene Staaten, die bisher vergeblich eine Verhandlungslösung zu erreichten hofften, und für die maßgeblichen Akteure im Sicherheitsrat rückt so die Stunde der Wahrheit langsam näher. Irgendwann werden sie entscheiden müssen, ob sie ein atomares Iran letztlich hinzunehmen bereit sind oder sie die Risiken, die damit verbunden wären, für inakzeptabel hoch halten. Das ist eine ernüchternde Alternative, und ‚billige’ Optionen gibt es nicht.“
- Datum 25.01.2006 - 12:31 Uhr
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Als die Aliierten 1945 den wahnsinnigen Hitler endlich gestoppt und zu Fall gebracht hatte, waren bereits zig Millionen unschuldige Menschen tot. Entweder vergast oder im Krieg gefallen. Wenn Sie warten wollen, bis religiös motivierte Terroristen die Atombombe in der Hand halten, bitte, nur zu!
Religiöser Fanatismus war und ist die Todesursache Nummer 1 der Spezies Mensch. Vermutlich wird sie es noch lange bleiben, da es leider immer Menschen geben wird, die auf den Schwachsinn hereinfallen, die ihnen andere vorkauen.
Laut einer neuen Forsa Studie (Spiegel) sieht eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger die größere Gefahr für den Weltfrieden zur Zeit von U.S. Präsident Bush ausgehen, denn durch Iran´s Präsidenten Ahmadinezhad, trotz dessen Atompolitik.
Sehr Religiös sind anscheinend beide. Und wirklich verhandlungsbereit ?
Schade das das Opfer solcher Konflikte in erster Linie immer das einfache (un?)informierte Volk ist. Wie schön wäre es, wenn die beiden Staatsmänner nach (wild)westlichen Vorbild mit dem Colt direkt untereinander ausmachen würden. Da hätten wir alle was davon.
Das Problem ist nicht primär ein nuklear bewaffneter Iran, sondern gewaltbereite Islamisten, die sich mit dessen Hilfe nukleares Arsenal beschaffen könnten.
Der Iran als Waffenkammer der Islamisten in ihrem heiligen Krieg gegen die zivilisierte Welt: dies ist bereits heute Realität. Erweitert um die Option "A" würde das die Möglichkeiten der Dschihadisten um ein vielfaches potenzieren.
Die Frage ist also wo das geringere Übel liegt. In einem disseminierten "A-Dschihad all over the world" mit allen Konsequenzen oder in einem gemeinsamen, vereinten Schlag aller bedrohten Länder gegen ein Land, dessen Führung ganz offen mit dem (nuklearen) Feuer spielt und die Welt ins Verderben zu ziehen droht.
Wahnsinnige und Verbrecher bringt man in jedem Staat der Erde in Sicherheitsverwahrung, vulgo Knast. Warum sollte dieses Prinzip nicht auch für Staaten gelten, welche die globale öffentliche Sicherheit bedrohen?
Na dann fangen wir (Wir zivilisierte Welt)mit Geld sammeln an, damit wir Dachau, Auschwitze,... auf Hochglanz zubringen, diesmal aber für die Moslem, und damit die ganze Welt erkannt, das wir mit dem Moslem zivilisierte umgehen als damals mit den Juden , bauen wir für sie eine kleine Mosche, damit sie beten können, bevor sie vergast werden.
Der Westen benutzt zur Durchsetzung seiner strategischen Interessen seit dem Imperialismus Taktiken, die heute nicht mehr funktionieren. Es wird provoziert, denn wie alle anderen Nationen, durchschaut auch der Iran diese Strategien. Der Westen wird nicht mehr ernst genommen:
"Spaltungs-Taktiken" wurden angewendet 1926 von Frankreich in Marokko: die berberischen und arabischen Bevölkerungsgruppen wurden gegeneinander ausgespielt, um das marokkanische Bestreben zur vollen Machtausübung zu zerschlagen. Algerien 1830-1870: Französisches Département, die einheimische Bevölkerung jüdischen und muslimischen Glaubens war rechtlos, Christen erhielten die Staatsbürgerschaft und damit alle Bürgerrechte. Ab 1870 erhielt auch die jüdische Bevölkerung die französischen Bürgerrechte. Die Muslime blieben als "Indigènes" rechtlos. Die Franzosen versuchten die Berber von der arabischen Bevölkerung zu spalten. Obwohl algerische "Indigènes" in der französischen Armee dienten und damit mit zur Befreiung Europas während des II. Weltkriegs beitrugen (70'000 starben), erhielten sie keinerlei Bürgerrechte. 1906 wurde in Frankreich das Laizismus-Gesetz eingeführt, noch 1956 bestimmte aber das Französische Parlament als Bedingung zur Einbürgerung der muslimischen Bevölkerung des Départements Algérie, dass der Einbürgerungswillige zum Christentum konvertieren musste. Daraufhin begann der Unabhängigkeitskrieg, der 1,5 Mio Tote forderte.
Der 8. Mai 1945, in Europa gefeiert, ist in Algerien ein Trauertag: die Franzosen schlugen Demonstrationen in Kherrata, Sétif und Guelma blutig nieder: nach algerischen Quellen starben ca. 40'000 Personen: Die Franzosen schossen aus Flugzeugen auf die vorwiegend rurale Bevölkerung, die mit Mistgabeln und anderen Arbeitsutensilien "bewaffnet", ihren Unwillen kundtat.
Fruchtbarer Halbmond & das schwarze Gold:
1907 sassen die Briten in Basra und Südwestiran: das dort geförderte Erdöl war von höchster Priorität. Wo sitzen die Briten heute im Irak, um angeblich "Frieden & Demokratie" zu bringen? Im Südwesten Irans lebt eine arabische, weiter nordöstlich die persisch Bevölkerung. Eigenartigerweise kommt es öfters - wenn Regierungsangehörige aus Teheran in diese Region reisen wollen - zu Bombenattentaten. Woher stammen diese Bomben? Wer sind die Drahtzieher? In einem der Iran-Reporte 2006 der Heinrich Böll-Stiftung wird ein Agieren der Briten nicht ausgeschlossen.
Russland lehnt eine "Demokratie wie im Irak" (G8-Summit: Putin zu Bush) ab: Ein "einheimischer" Präsident, kontrolliert von der Bush-Administration bzw. US-Ölimperien, die über die russischen Erdöl- und Erdgasressourcen bestimmen und die Gewinne ihren Aktionären zufliessen lassen. Genauso lehnt der Iran eine derartige "Demokratie" ab - Haley-Burton sitzt übrigens immer noch in der iranischen Freihandelszone und macht Geschäfte mit diesem Mitglied der "Achse des Bösen".
Naher Osten & das Dickicht der Versprechungen: Zwischen 1915-1917 unzählige Versprechen, Abkommen und Zusagen der Ententemächte: 3 Geheimabkommen, die Husain-McMahon-Korrespondenz: Die Briten bekräftigen ihren Wunsch die Unabhängigkeit der arabischen Länder verwirklicht zu sehen und die Bereitschaft, ein Kalifat unter einem echten Araber aus dem gesegneten Stamme des Propheten anzuerkennen.
McMahons Briefe, in bewusst unklar gehaltenen Diktion mit verwirrenden Hinweisen auf Regionen, Distrikte und Landesteile mit rein arabischen bzw. nicht rein arabischen Bewohnern boten Ansatzpunkte für unterschiedlichste Interpretationen, nicht zuletzt aber für das arabische Gefühl, von den Briten gezielt irregeführt, betrogen und verraten worden zu sein.
Husain verstand unter arabisch alle jene Gebiete, deren Bewohner, unabhängig ihrer Religionszugehörigkeit, ethnisch gesehen Araber waren und Arabisch sprachen.
McMahon dagegen setzte Araber den Muslimen gleich und deklarierte daher solche Gebiete für nicht rein arabisch, die einen hohen Anteil arabischer Christen aufwiesen. - Wieder Spaltungstaktik. Im Sykes-Picot-Abkommen wurden die französischen und britischen Ansprüche in der Region festgelegt. Um dem Zusagen-Sumpf zu entkommen wurde schliesslich im November 1917 in der Balfour-Deklaration der Gründung einer "jüdischen Heimstätte" zugesagt - mit anderen Worten: die Zuwanderung europäischer Juden wurde - obwohl illegal - geduldet bis diese stark genug war sich zu behaupten. Danach legten die Briten das UN-Protektorat ab und zogen sich aus Palästina zurück.
X-Mal betrogen, hintergangen und verraten: Glaubt denn der Westen immer noch, seinen Worten und Bekräftigungen werde geglaubt? Die militärischen Interventionen der USA und Briten sprechen eine andere Sprache.
Wundert sich der Westen tatsächlich über den Hass, den die so behandelten Menschen auf den "zivilisierten Westen" entwickeln? Das Entstehen extremistischer Strömungen in diesem schon viel zu lange andauernden "gut und böse" Spiel ist doch voraussehbar, vorallem wenn die "Bösen" von der USA militärisch aufgerüstet werden, wenn sie in ihrem Spielchen gegen einen "noch Böseren" nützlich sind: Taliban in Afghanistan, Saddam Hussein gegen den Iran. Wundert sich der Westen tatsächlich über die Aufrüstung? Der rote Teppich wird doch nur ausgelegt, wenn man Atomwaffen im Bunker hortet - ansonsten wird mit der militärischen Übermacht und Angriff gedroht! Man wirft dem anderen Verletzung von grundlegender Menschenrechte vor, verletzt sie aber selbst!!
Braucht es tatsächlich die Katastrophe eines III. Weltkriegs mit Hauptkriegsschauplatz Fruchtbarer Halbmond und Millionen "ungewollter Nebenprodukte" = toter Zivilisten, um endlich das Stigma "Böse = Muslime" abwerfen zu können?
Israel?
Ist ein Frieden möglich solange die Generation, die den Holocaust erlitt noch lebt und an der Macht ist?: das Trauma sitzt derart tief, dass sie die eigenen Menschenrechtsverletzungen schlichtweg nicht wahrnehmen wollen/können. Auch Verletzungen der Bürgerrechte im eigenen Land, wenn es sich um arabische Israelis oder um orientalische oder äthiopische Juden handelt. Es wäre dringend nötig, dass dieses Trauma ernstgenommen wird: Den betroffenen Machthabenden muss mit entsprechendem Fingerspitzengefühl und politischem Druck klargemacht werden, dass sie sich nicht in der Opferrolle verstecken können: Ja sie waren Opfer eines der schrecklichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte geworden! Aber sie sind jetzt Täter. Die Tage dieser Generation sind gezählt: Sie helfen Israel und der wartenden nachfolgenden israelischen Generationen herzlich wenig, wenn sie sich von ihrem Trauma, ihren Ängsten leiten lassen, denn sie schüren nur neuen Hass und damit neue Konflikte. Wäre es nicht angebrachter, den Generationenwechsel in dieser Führungsschicht jetzt vorzunehmen und den Opfern des Holocaust zu innerer Versöhnung zu helfen? Wie jeder Mensch so werden auch sie sterben - die Frage ist nur wie. Die Frage ist welches Erbe hinterlassen sie ihren Kindern und Enkeln.
Die Europäer haben aber ebenso bei sich aufzuräumen: Israel wird ihnen so lange nicht vertrauen, als das Neonazis öffentlich auftreten, unbestraft Hakenkreuze auf die Wände öffentlicher Gebäude oder Transportmitteln schmieren, Ausländer unbestraft zusammengeschlagen dürfen und die Opfer gefragt werden, ob sie den Schläger provozierten.
Der Iran tut das einzig Richtige. Der Nahe Osten ist nicht
Eigentum oder der Hitnerhof der USA bzw. Israels. Dem Despotismus dieser Staaten muss mit einem glaubwürdigen Schreckenspotential Halt geboten worden.
Verletzung des Völkerrechts, Verneingung des Willens der Weltgemenischaft, einseitige Grenziehungen mit dazugehörigen Land- und Wasserdiebstählen sind anscheinend für den Westen nicht relevant, wenn sie von Israel begangen werden.
Die arabische Welt hat vom Westen, was in den Chroniken der Geschichte mühelos entnohmen werden kann, nur Betrug zu
erwarten. Beim nun über 50-jährigen Konflikt kann die arabische Welt auf keine faire und neutrale Behandlung des Problems durch den Westen hoffen. Vertrauen auf den Westen würde nur das Vorhandensein von Schwachsinnigkeit bestätigen. Der Aufbau eines geeigneten Gewaltpotentials ist der richtige Weg. Die USA und Israels bestätigen dies, den ein solches Potential ist ihr Freibrief für ihre angegewendete Willkür. Basierend auf diesen Freibrief muss man den wehementen Widerstand der USA und Israels verstehen. Nur Stärke grantiert Freiheit und auch eben Willkür (Javier López).
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