China/usa Widersprüchliche Haltung

Die Supermacht USA begrüßt Chinas blühende Ökonomie und sucht Pekings diplomatischer Unterstützungen, vor allem im Iran-Konflikt. Washington fürchtet aber gleichzeitig einen gefährlichen Rivalen, politisch und wirtschaftlich

Der erbitterte Streit ums Protokoll zwischen Washington und Peking ist beigelegt: Fast symbolisch für das gespannte Verhältnis zwischen den USA und China einigten sich die Diplomaten, sich nicht zu einigen. Also ist der erste offizielle Besuch von Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao in Washington aus chinesischer Sicht ein Staatsbesuch - aus amerikanischer Sicht lediglich ein Arbeitstreffen. Bush wird Hu, der schon an diesem Dienstag in den USA eintrifft, am Donnerstag (20. April) zwar mit allen militärischen Ehren empfangen. Aber ein Staatsbankett im Weißen Haus wird es nicht geben.

Obwohl bei den Gesprächen brisante Themen von globaler Bedeutung - wie Iran, Nordkorea oder der Welthandel - anstehen, nahmen der Disput ums Protokoll »achtzig Prozent der Vorgespräche ein«, berichtete die New York Times unter Berufung auf das Weiße Haus. Bush zeigt sich spröde und gönnt Hu keinen »Staatsbesuch«, wie ihn 1997 der damalige US-Präsident Bill Clinton Hus Vorgänger Jiang Zemin zugestand.

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Das Gerangel um Formalitäten wirft ein bezeichnendes Licht auf die widersprüchliche Haltung Washingtons zu China. Denn die Supermacht USA begrüßt Chinas blühende Ökonomie, die Welthandel und Globalisierung voranbringt, sieht in Peking einen potenziellen Partner für Krisenherde wie Nordkorea und Nahost. Allerdings fürchtet Washington auch einen möglicherweise gefährlichen Rivalen in der Welt, politisch und wirtschaftlich.

Mit Sorge wird in den USA Chinas wachsender Einfluss in Afrika und Südamerika registriert. Nun stehen strittige Themen an, wie die Debatte im UN-Sicherheitsrat über Teherans Atompläne. Bush sucht Pekings Unterstützung - insbesondere bei den Handelsfragen. »Wir erwarten von China mehr Engagement«, betonte er mit Blick auf das enorme amerikanische Handelsdefizit, die Marken- und Know-How-Piraterie Chinas oder den künstlich niedrigen Wechselkurs des Yuan.

Für Peking ist der »Staatsbesuch« mehr symbolisch als substanziell. Mit dem Empfang im Heiligtum der Supermacht will der chinesische Präsident, der 2003 ins Amt kam, sein Profil als neuer Führer des Milliardenvolkes schärfen. Dabei geht der eher steife Technokrat Hu Jintao wenig aus sich heraus, so dass nicht nur die Amerikaner immer noch »who's Hu?« rätseln. Für diesen ist vor allem das Thema Taiwan wichtig. Hu will Bush dazu bringen, den zur Unabhängigkeit neigenden taiwanesischen Präsidenten Chen Shui-bian in die Schranken zu weisen. Im Gegenzug könnte Bush hoffen, dass China mehr Druck auf den Iran ausübt und UN-Sanktionen zumindest nicht verhindert.

Den viertägigen Besuch von Dienstag an, bei dem Hu Jintao in Seattle auch mit Microsoft-Gründer Bill Gates speisen wird, hat die größte chinesische Einkaufstour aller Zeiten vorbereitet. Eine 200- köpfige Wirtschaftsdelegation mit Vizeministerpräsidentin Wu Yi an der Spitze reiste durch 13 Bundesstaaten und bahnte Geschäfte im Wert von 16 Milliarden US-Dollar an, darunter den Kauf von 80 Boeing-Flugzeugen.

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    • Quelle ZEIT online, dpa, 18.04.2006
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    • Schlagworte Export | Atomwaffe
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