Mafia Der Pate aß KäseSeite 3/3
Berlusconi hat die Wahlen knapp verloren. Romano Prodi wird im Mai eine neue Regierung bilden. Glauben Sie, dass der Regierungswechsel Auswirkungen auf den Kampf gegen die Mafia haben wird?
Da bin ich nicht allzu optimistisch. Die Mafia infiltriert die Institutionen des Staates und hat es immer geschafft, Teile des Parteiensystems für sich einzuspannen. In der zukünftign Regierungskoalition Prodis gibt es Parteien und Personen, die politisch wie kulturell aus dem Substrat der Christdemokratischen Partei kommen einer Partei, die das Land mehr als 40 Jahre dominiert hat und stark mit der Mafia verrnetzt war. Giulio Andreotti, siebenmaliger Ministerpräsident des Landes, ist vom höchsten Gericht des Landes 2004 für schuldig befunden worden, Kontakte zur Mafia unterhalten zu haben. Im Urteil wird auf eine konkrete Kollaboration verwiesen. Seine Straftafen wurden jedoch vom Gericht als verjährt eingestuft. Weiss irgend jemand in Deutschland, dass einer der hochgeschätztesten Politiker des Landes, ein Senator auf Lebenszeit, der die Politik immer noch mitprägt, der Zusammenarbeit mit der Mafia für schuldig befunden worden ist?
Wenige, aber viele Italiener wissen das auch nicht. In den Medien wird meist behauptet, er sei freigesprochen worden. Der Journalist Marco Travaglio ist einer der wenigen, der beharrlich auf das Urteil gegen Andreotti verweist. Beliebt hat er sich damit nicht gemacht. Selbst innerhalb der Linken wird der Senator heute allgemein verehrt.
Das ist das Drama. Die Menschen meinen, dass ein Mafioso ein brutaler Mensch sein muss, der auf einem Haufen Waffen sitzt und seine Todesschergen aussendet. Jemand wie Provenzano passt da gut ins Bild verroht, ignorant und durch und durch Sizilianer. Das ist jedoch nicht das wahre Anlitz der Cosa Nostra. Da sind hochgeachtete Geschäftsmänner und Politiker mit von der Partie. Leute mit Stil und Bildung und sehr viel Einfluss.
Giuseppe Carlo Marino ist Professor für moderne Geschichte an der Universität Palermo und Author vieler Bücher wie Storia della Mafia (Geschichte der Mafia) und I Padrini (Die Paten). Er gilt als einer der bedeutendsten Kenner der Mafia in Italien.
Das Gespräch führte Nina Rothenberg.
- Datum 19.04.2006 - 13:31 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 14.4.2006
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