Überfall Viele Fragen offen

Auch eine Woche nach dem Überfall von Potsdam ist der Tathergang noch nicht geklärt. Zwei Verdächtige sitzen mittlerweile im Gefängnis

Nach dem rassistischen Überfall auf einen Deutschen äthiopischer Herkunft in Potsdam sind die beiden Tatverdächtigen in brandenburgische Justizvollzugsanstalten (JVA) gebracht worden. »Die 29 und 30 Jahre alten Männer befinden sich in zwei unterschiedlichen JVAs«, sagte der Potsdamer Polizeisprecher Rudi Sonntag am Samstag auf Anfrage. Zu den weiteren Ermittlungen verwies er auf die Bundesanwaltschaft. Gegen die beiden Verdächtigen war am Freitag Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen worden.

Der Tathergang ist weiter unklar. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins Focus haben Zeugen berichtet, das Opfer habe vor dem Überfall in einer nahe dem Tatort gelegenen Discothek eine tätliche Auseinandersetzung mit zwei Personen gehabt. Der Betreiber der Discothek habe sich am Freitag dazu nicht äußern wollen. Er habe eine »Vereinbarung mit der Polizei« und wolle die Ermittlungen nicht gefährden, zitiert Focus den Mann.

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Zudem war das Opfer zum Tatzeitpunkt nach Angaben des Magazins stark alkoholisiert. Ärzte sollen bei ihm demnach 2,08 Promille festgestellt haben. Auch die Täter hätten nach Informationen aus Polizeikreisen auf der Minuten langen Mailbox-Aufnahme stark betrunken geklungen. Die beinahe tödliche Attacke sei offenbar blitzschnell verlaufen. Ein Gerichtsmediziner habe bei dem Opfer keine Spuren gefunden, die auf einen längeren Kampf hindeuteten.

Die Bundesanwaltschaft will nun vor allem Spuren und Zeugenaussagen ausgewertet werden. Nach dem gegenwärtigen Stand der Ermittlungen seien die festgenommenen Männer »dringend verdächtig«, in den frühen Morgenstunden des Ostersonntags ihr Opfer brutal zusammengeschlagen zu haben, hieß es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft. »Die Beschuldigten haben die Tat bestritten.« Generalbundesanwalt Kay Nehm geht von einem fremdenfeindlichen Tatmotiv aus.

Der dringende Tatverdacht beruht laut Bundesanwaltschaft auf der Aufzeichnung eines Gesprächsteils zu Beginn des Überfalls auf einer Telefon-Mailbox und der vorausgegangenen, von der Ehefrau des Opfers mitgehörten Äußerung »Sollen wir Dich wegpusten?« eines der beiden Täter. Das Opfer, ein 37 Jahre alter Familienvater, schwebt weiterhin in Lebensgefahr. Er konnte bislang nicht vernommen werden.

Nach einem Bericht der in Potsdam erscheinenden Märkischen Allgemeinen soll der Mann die Täter provoziert haben, bevor es zu der Auseinandersetzung kam. So habe er sie als »Schwein« bezeichnet. Zudem habe er versucht, einen von ihnen zu treten. Das habe ein Zeuge gesehen. Entgegen der bisherigen Darstellung habe der Deutsch-Äthiopier auch keine Rippenbrüche und sonstigen Verletzungen am Oberkörper erlitten. Vielmehr sei ihm durch einen wuchtigen Faustschlag der Schädelknochen an einem Auge zertrümmert worden. Das habe ein rechtsmedizinisches Gutachten ergeben.

Am Freitagabend versammelten sich in Potsdam rund 4000 Menschen, um ihre Solidarität mit dem Opfer zu zeigen. Oberbürgermeister Jann Jakobs rief bei der Kundgebung unter dem Motto »Potsdam bekennt Farbe« die Bürger zu Zivilcourage auf.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) bleibt wegen seiner Äußerungen nach dem Überfall in der Kritik. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil verlangte in der Berliner Zeitung eine rasche Klarstellung. »Ich finde es bestürzend, dass der Bundesinnenminister solch aggressiven Rassismus zumindest fahrlässig verharmlost.« Schäuble hatte nach der Tat davor gewarnt, vorschnell Schlüsse über die Motive der Täter zu ziehen. Er fügte hinzu, auch blonde und blauäugige Menschen würden Opfer von Gewalttaten.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) übte unterdessen scharfe Kritik an Nehm. Es wäre nicht erforderlich gewesen, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen an sich zieht, sagte Schönbohm der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung . »Der Generalbundesanwalt hat überzogen«, sagte Schönbohm. »Er hat aus der Sache ein Politikum gemacht und zu einer Stigmatisierung Brandenburgs beigetragen. Der politische Schaden, den er angerichtet hat, ist erheblich.«

Die Hinweise der Bundesanwaltschaft auf einen möglichen rechtsextremen Hintergrund der Tat seien zumindest fragwürdig, sagte der CDU-Politiker. Möglicherweise sei der Hintergrund der Tat weniger spektakulär. Schönbohm wies die Vorwürfe Nehms zurück, er habe durch die frühe Bekanntgabe der ersten Festnahme die Ermittlungen beeinträchtigt. Er habe seine Äußerungen sorgfältig erwogen, sagte der Minister.

Zugleich entbrannte ein Streit über die weitere Förderung von Programmen gegen den Rechtsextremismus. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, sagte der Welt am Sonntag : »Ich habe Zweifel, ob wir alle Initiativen weiter fördern sollten.« In den vergangenen sieben Jahren sei »teilweise ein rot- grünes Netzwerk mit staatlichen Geldern bedacht worden«.

SPD-Vorstandsmitglied Niels Annen kündigte Widerstand gegen die Pläne des Bundesfamilienministeriums an, mit den bislang vorgesehenen 19 Millionen Euro ab 2007 auch Programme zur Integrationsförderung und gegen den Linksextremismus zu finanzieren. »Das werden wir nicht mitmachen.« Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz sagte der Passauer Neuen Presse : »Das wird es mit der SPD als Koalitionspartner nicht geben.«

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 22.04.2006 um 14:10 Uhr

    Die Taeter schlugen vielleicht nicht nur aus rassistischen Motiven, sondern auch aus Wut, wenn sie aber "Nigger" rufen ist das Rassismus!

    Von gewaltbereiten Body-Buildern nicht anders zu erwarten!

    Wenn das Opfer "Schwein" ruft, sollte man das nicht als Beleidigung auffassen: Schweine sind intelligente Tiere!

    • Anonym
    • 22.04.2006 um 16:36 Uhr

    Diese Bilder sind schaerfer:

    http://www.hln.be/hlns/ca...

    • Anonym
    • 22.04.2006 um 15:02 Uhr

    Dieses Verbrechen koennte inszeniert sein?

    Sie sollten doch noch einmal nachdenken!

    Erst suche ich einen dunkelhaeutigen Menschen, dann Schlaeger, ueberzeuge sie, im Interesse von Multikulti, soetwas zu machen, dann empoere ich mich: Deutschland Rassisten!

    Es gibt eine Krankheit, die sich Verfolgungswahn nennt!

    Aber das entscheiden besser Aerzte!

  1. Tathergang noch ungeklärt und rassistischer Übergriff.
    Wie passt das zusammen?
    Nichts aus dem Fall Sebnitz gelernt?

    • Anonym
    • 22.04.2006 um 16:11 Uhr

    In Belgien sind die Taeter noch nicht gefasst, die einen 17 jaehrigen toeteten: wegen seines MP3 Players!

    Imame haben aufgerufen, ihn anzuzeigen, im Fernsehen waren sie aber, soweit ich das sah, nur arabisch sprechend zu vernehmen!

    Dann gibt es auch noch eine muslimische Organisation in Belgien, die das alles wieder fuer falsch haelt!

    Hier ein link:

    http://www.hln.be/hlns/ca...

    • Anonym
    • 22.04.2006 um 14:37 Uhr

    Es ist richtig, dass der Staat durchgreift, auch beim leisen Verdacht des Rassismus!

    Daraus koennen Rechtsradikale lernen!

    Das Gleiche ist wuenschenswert bei islamischen Faschisten!

    Die gehoeren auch ins Gefaengnis!

    Zum Beispiel Hassprediger in Moscheen!

    Ich wuensche mir, dass die Polizei sie festnimmt und die Staatsanwaltschaft sie anklagt wegen des Untergrabens unserer freiheitlichen Grundordnung!

    Wie lange muessen wir noch darauf warten bis diese Prediger des Toetens zur Rechenschaft gezogen werden??

    • Anonym
    • 22.04.2006 um 13:57 Uhr

    Auch wenn Provokationen des Opfers erfolgt sein sollten, so bleibt doch die unakzeptable Tatsache eines potentiellen Totschlages!

    Es ist gut, dass Deutschland sich darueber aufregt!

    Die Taeter sind gefaehrlich und sollten weniger Body-Building betreiben, sondern vielleicht mal ein Buch lesen!

    • Karaya
    • 22.04.2006 um 17:45 Uhr
    8. \N

    vielleicht kann sich ja noch jemand daran errinern. vor ein paar wochen kam eine meldung, dass ein schwarzer überfallen wurde.
    darauf fing die gut geschmierte propagandamaschine an zu laufen. erst spiegel und danach einige andere systemzeitungen.
    kurze zeit später kam eine ergänzungsmeldung(immerhin), dass der afrikaner von 2 arabern überfallen wurde.
    wieder kurze zeit später war von der meldung im ganzen netzt nichts mehr zu finden.
    das passte wohl nicht so ganz ins antideutsche weltbild.

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  • Quelle ZEIT online, 22.4.2006
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