Seit Jahren kämpfen Alternativmediziner um die Methode, und immer mehr Patienten schenken ihr das Vertrauen: Die Akupunktur als alternative Heilmethode hält sich hartnäckig, und nun wird ihr auch eine bislang verweigerte Anerkennung zuteil: Am vergangenen Dienstag entschied der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in Düsseldorf , dass Kassenpatienten mit chronischen Rücken- und Knieschmerzen die Nadeltherapie künftig von ihrer Krankenkasse erstattet bekommen. Für Menschen mit Spannungskopfschmerzen und Migräne wird es weiterhin keine offizielle Erstattung geben - die Kassen zahlen die Akupunktur in diesen Fällen nicht. © Jan-Peter Kasper dpa/lth BILD

Die Entscheidung sei auf Grund von zwei Modellprojekten gefallen , die vor sechs Jahren begonnen hatten und in deren Verlauf rund 10 000 Ärzte mehrere 100 000 Patienten auf Kassenkosten mit Akupunktur behandelten, sagte der G-BA-Vorsitzende Rainer Hess. Während der Modellphase sei die Akupunktur allerdings nahezu unbegrenzt ohne Beschränkung auf bestimmte Diagnosen erstattet worden. Faktisch führt die erste dauerhafte Anerkennung der Methode deshalb zu einer Einschränkung der Leistung.

»Es geht nicht darum, Patienten Leistungen vorzuenthalten«, erklärte der G-BA-Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Ulrich Weigeldt. Weigeldt sagte aber auch, dass - anders als bei anderen G-BA-Beschlüssen über die Erstattungsfähigkeit von Therapien - die Überlegenheit der traditionellen Akupunktur weiterhin nicht eindeutig erwiesen sei. »Hier könnten wir eine Tür aufgestoßen haben, die wir überhaupt nicht wieder zu bekommen«, sagte er im Hinblick auf künftige Beschlüsse zu anderen Therapien.

Bisherigen Analysen zufolge ist der Erfolg einer Akupunktur gemäß Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) zwar nicht größer als die Scheinakupunktur, die gezielt falsche Punkte behandelt. Beide Akupunkturformen erwiesen sich aber im Vergleich zu schulmedizinischen Verfahren als effektiver - zumindest, wenn es um Schmerzen in den Knien und im Rücken geht. Für Spannungskopfschmerzen und Migräne trifft dies nicht zu, sie finden als Indikation deshalb keinen Platz im Leistungskatalog der Krankenkassen.

Die Krankenkassen begrüßen die Entscheidung des G-BA. "Die Akupunktur ist ein wichtiger Baustein in der Schmerztherapie", sagte Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. "Ausschlaggebend für die AOK ist, dass die Akupunktur bei chronischen Rücken- und Knieschmerzen bei vielen Patienten besser wirkt als bisher übliche Therapieformen wie Arzneimittel oder Krankengymnastik." Aus Sicht der AOK ist es daher konsequent, diese Form der Schmerztherapie offiziell für die beiden Indikationen in den Leistungskatalog aufzunehmen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss ist das wichtigste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäuser. Er legt in Form von Richtlinien fest, welche Leistungen die etwa 70 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland erstattet bekommen.