fifa Jeder darf "WM" sagen

Dank dem Bundesgerichtshof ist die Fifa in ihrem Kontroll- und Vermarktungszwang jetzt erst einmal gebremst. Gut so, sagt Markus Rohwetter

Bis zum Beginn der Weltmeisterschaft dauert es zwar noch zweiundvierzig Tage, aber eigentlich hat man schon heute die Nase voll davon. Kaum etwas, das nicht mit dem bevorstehenden Großereignis beworben wird: Brot, Zahnbürsten, Bier, Schuhe, Fernseher, sogar ein Bordell (»Die Welt zu Gast bei Freundinnen«)... Fußball, Fußball, Fußball. Und mittendrin der Weltfußballverband, der versucht, werbende Unternehmen in Gut und Böse einzuteilen. Gut ist, wer Lizenzen bei der Fifa kauft, bevor er sein Produkt mit der WM schmückt. Böse ist hingegen, wer dies einfach so macht. Dann bekommt er nämlich Ärger mit den Juristen des Verbandes, der sein Geschäftsmodell bedroht sieht.

Damit ist es jetzt erst einmal vorbei. Am Donnerstag entschied der Erste Zivilsenat des Bundesgerichtshofs, dass die Fifa keinerlei Markenrechte am Begriff »Fußball WM 2006« anmelden könne. Genau das hatte der Verband aber vor einigen Jahren versucht, als er sich eben jene Worte beim Deutschen Patent- und Markenamt hatte eintragen lassen. Mehr als 850 Waren und Dienstleistungen sollte niemand mehr mit diesen Worten bewerben dürfen, ohne an die Fifa zu zahlen. Doch der Plan ging nicht auf. Unternehmen beschwerten sich, das Patentamt löschte die Rechte der Fifa wieder und schließlich zog diese vor Gericht.

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Dass die Karlsruher Richter den Weltverband nun in die Schranken weisen, ist richtig. »Fußball WM 2006« ist eine ganz normale sprachliche Bezeichnung für dieses Ereignis. Jedermann könne sie verwenden, so die Richter, weil es sich eben nicht um eine besondere Marke handele, die sich durch Einzigartigkeit auszeichne.

Dadurch wird eine Unsitte erschwert, die sich in jüngster Zeit stark verbreitet hat: Der Versuch von Unternehmen, sich alltägliche Wortwendungen, Namen oder sogar Farbtöne rechtlich schützen zu lassen - um dann jene abzukassieren, die teils aus purer Unwissenheit den falschen Satz sagen. Längst grasen spezialisierte Anwaltskanzleien das Internet ab, um vermeindliche Markenschmarotzer zur Kasse zu bitten. Welcher E-Bay-Verkäufer ahnt schon, dass ihm die eine Formulierung wie »Die angebotene Uhr ist nicht von Cartier, sieht aber ähnlich aus« mit hoher Wahrscheinlichkeit juristischen Ärger einbringt? In diesem Fall könnte man zwar noch argumentieren, dass es sich bei dem Namen »Cartier« um eine Marke handelt. Dennoch könnte man in solchen Fällen durchaus diskutieren, wo ein berechtigtes Interesse endet und wo Verfolgungswahn beginnt.

Die Fifa ist in ihrem Kontroll- und Vermarktungszwang jetzt erst einmal gebremst. Den Wirrwar von offiziellen Fördern, Sponsoren und Einfach-nur-auf-den-Zug-Aufspringern hat ohnehin wohl niemand mehr außerhalb der Fifa-Rechtsabteilung durchschaut. Pech nur für jene, die an die Fifa hohe Lizenzgebühren gezahlt haben. Andererseits können sie die Summen auch als Lehrgeld verbuchen. Denn dass die Weltmeisterschaft zum größten deutschen Marketingereignis werden würde, war abzusehen. Und jede Werbung funktioniert bekanntlich nur, wenn sie Aufmerksamkeit erzeugt. Wenn aber viele - oder gar alle - mit demselbem Ereignis werben, ist auch das schönste Alleinstellungsmerkmal irgendwann futsch.

 
Leser-Kommentare
    • li1
    • 28.04.2006 um 13:33 Uhr

    Die Entscheidung des BGH war überfällig und hat dem Bürger, und Unternehmen weit über die Angelegenheit Fifa hinaus wieder ein kleines Stück Rechtsicherheit zurückgegeben.

    li

  1. Fußball WM 2006 Fußball WM 2006Fußball WM 2006 Fußball WM Fußball WM 2006...(usw.)

  2. Jawohl, wir haben von der Fußball WM 2006 die Nase voll!!!
    Keine Fußballweltmeisterschaft hat den Autor dieser Zeilen so wenig interessiert. Kommerz, Kommerz, Kommerz. Wohin der Fußballinteressierte schaut. An die astronomischen Gehälter der Ballkünstler (letzteres Wort darf nicht nur wegen markenrechtlicher Bedenken auf deutsche Spieler nur vorsichtig verwendet werden) haben wir uns schon längst gewöhnt. Aber was zu viel ist, ist zu viel! Bannmeile für Sponsoren, neue Zirkusarenen für marode Städte, und, und, und

    Hoffentlich ist sie bald vorbei, die Fußball WM 2006!!!
    Fußball WM 2006 Fußball WM 2006 Fußball WM 2006 Fußball WM 2006 Fußball WM 2006 Fußball WM 2006 Fußball WM 2006 ...
    Fußball WM 2006 ... Fußball WM 2006 ... Fußball WM 2006

    korfstroem

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  • Quelle ZEIT online, 27.4.2006
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