Diäten Streit um Politikerrenten

Die SPD will die Altersversorgung der Bundestagsabgeordneten deutlich senken, aber gleichzeitig die Diäten erhöhen. Der Koalitionspartner sieht das anders

Der Bundestag will im Herbst einen neuen Anlauf für eine »kleine Parlamentsreform« nehmen. In zentralen Punkten gibt es zwischen den großen Parteien allerdings noch große Differenzen. So lehnt die Union weiter strikt die SPD-Position ab, auch die Altersversorgung und die Abgeordnetendiäten neu zu regeln.

Als Voraussetzung für eine Anhebung der Diäten forderte die SPD am Mittwoch, die Altersbezüge der Abgeordneten um bis zu 1000 Euro zu verringern. »Die derzeitige Altersversorgung ist zu hoch«, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Olaf Scholz. Die Bevölkerung weiß er damit auf seiner Seite: In der Bevölkerung sorgt die üppige Altersversorgung, die sich die Abgeordneten gönnen, während sie die gesetzlichen Renten beschneiden, schon lange für großen Unmut.

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Nach jetziger Regelung erwerben Abgeordnete für jedes Jahr im Parlament einen Pensionsanspruch von drei Prozent ihrer Monatsdiäten. Nach einer Mitgliedschaft von insgesamt 23 Jahren summiert sich die Altersversorgung auf einen Höchstbetrag von mehr als 4800 Euro monatlich. Nach den Vorstellungen der SPD-Fraktionsspitze sollen die Pensionsansprüche künftig nur noch um zwei Prozent pro Jahr der Bundestagszugehörigkeit steigen. Dafür sollen die Diäten von derzeit 7009 Euro im Monat auf rund 7600 Euro, entsprechend den Bezügen eines Bundesrichters, angehoben werden. An der steuerfreien Kostenpauschale von 3674 Euro im Monat soll sich nichts ändern.

Nach Ansicht von CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer gibt es für solche Änderungen »derzeit keinen akuten Handlungsbedarf«. Zunächst müssten bereits beschlossene Eingriffe abgearbeitet werden, sagte er der Leipziger Volkszeitung . Wie ZEIT online aus Kreisen der Unionsfraktion erfuhr, lehnt auch die CDU die Vorschläge des Koalitionspartners ab. Bislang sei man nicht überzeugt, dass es eine Möglichkeit gebe, die Altersversorgung der Abgeordneten besser zu regeln, als dies jetzt der Fall sei. Eine Erhöhung der Diäten sei derzeit zudem politisch nicht opportun. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Hartmut Koschyk, signalisierte jedoch immerhin Geprächsbereitschaft.  „Wir werden ausloten, ob wir einen gemeinsamen Standpunkt finden können, der eine größtmögliche Übereinstimmung in der Großen Koalition schafft und gleichzeitig für hohe Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit sorgt", sagte er ZEIT online. Scharfe Kritik am SPD-Vorschlag äußerte dagegen der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Jörg van Essen. Er sagte ZEIT online , die FDP halte an ihrem Konzept fest, dass die Abgeordneten sich wie Freiberufler selbst versichern sollten. Man sei nicht bereit, sich auf Kompromisse einzulassen.

Auch die Linkspartei fordert, dass die Parlamentarier künftig durch Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung einen eigenen Beitrag zu ihrer Altersversorgung leisten. Auch die bisherige Kostenpauschale müsse überprüft werden, erklärte ihre Parlaments-Geschäftsführerin Dagmar Enkelmann.

Der Bundestag hatte bereits in der vergangenen Wahlperiode beschlossen, dass Pensionen nach acht Jahren Parlamentszugehörigkeit nur noch 22 Prozent (vorher: 24) betragen sollen. Diese Kürzung ist bislang nicht in Kraft gesetzt.

Laut Scholz und Ramsauer gehört zu dem geplanten Reformpaket auch die Verlängerung der Wahlperiode von jetzt vier auf fünf Jahre, die Einführung eines Selbstauflösungsrechts des Bundestags sowie die eventuelle Verankerung von plebiszitären Elementen wie Volksabstimmungen in die Verfassung. 

 
Leser-Kommentare
    • self22
    • 10.05.2006 um 21:32 Uhr

    Die Politiker sollten in allen Systemen, über die sie entscheiden, wie normale Menschen verankert sein.
    Sollten sie dann zum Beispiel ein Rentensystem an die Wand fahren, weil sie vergessen (wohl eher ignorieren),dass es so etwas wie Demografie gibt, dann darf es nicht sein, dass sie mit horrenden und sicheren Altersruhegeldern daneben stehen und sich über die Verlierer-Rentner-Generationen lustig machen können.
    Ich würde alles verwetten, dass es nie soweit gekommen wäre, wenn sie auch betroffen gewesen wären! Und die Wette hätte ich gewonnen.
    Und so ist das mit allen Systemen, aus denen sich die Entscheider herausmogeln. Es interessiert sie schlicht nicht mehr richtig, wegen fehlender eigener Betroffenheit. Der volle Antrieb fällt natürlicherweise weg.
    Ausnahmen bestätigen wie immer nur die Regel.

  1. Die Vorschläge von Olaf Scholz gehen grundsätzlich in die richtige Richtung aber eben nicht weit genug. Die Bundestagsabgeordneten sollten sich entweder in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichern müssen, wie Frau Enkelmann es vorschlägt, oder auch sich selbst um ihre Altersbezüge bemühen müssen, wie Jörg van Essen es fordert. Beides wäre besser als der All-Inclusive-Service mit Überversorgung, den es zur Zeit gibt.

    Aber nur wenn es mehr Eigenverantwortung oder Beteiligung an der Solidargemeischaft gibt, kann auch eine Erhöhung der Diäten im vernünftigen Rahmen ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

    Die steuerfreie Kostenpauschale gehört abgeschafft, der Betrag muss zur normalen voll zu vesteuernden Diät hinzugerechnet werden. Berufsbedingte Ausgaben sollten, wie bei abhängig Beschäftigten als Werbungskosten oder wie bei Selbständigen als Betriebsausgabe steuerlich abzugsfähig sein, was natürlich belegt werden muss.

    Eines sollte aber sicher sein: Die Zeit der Luxuspensionen ohne Eigenverantwortung muss auch bei Politikern endgültig zu Ende sein!

  2. alle Abgeordneten sollten von ihrem Arbeitgeber ( wer ist das wohl ? ) bei der gesetzlichen Rentenversicherung angemeldet werden zu den üblichen Bedingungen; für ihre private Zusatzversicherung sind sie dann selbst verantwortlich ( das alles bitte, ohne eine vorherige "angemessene" Erhöhung der Diäten !

    MfG.
    O.K.

    • rmz
    • 10.05.2006 um 22:18 Uhr

    Es sollten vor allem nicht nur die Altersbezüge der Poliker gesenkt werden, sondern die Politiker mit Altersbezügen: von denen die Hälfte und davon nochmal die Hälfte und von denen nochmal die Hälfte etc. etc. Die Bürokratie ist ein ZNS-Geschwulst mit einer mittlerweise den ganzen Körper durchdrungenen Metatstasierung. Ich grüße alle jungen Deutsche mit dem Motto (wie vor kurzer Zeit im STERN veröffentlicht): "wir wandern aus, weil wir nicht die Pensionen deutscher Beamter erwirtschaften wollen!".

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