Anlegern, die ihre Ersparnisse in Gold investiert haben, ergeht es derzeit wie Hans im Glück in einer verkehrten Welt. Im Märchen blieb von Hansens Goldklumpen am Ende nichts mehr übrig, im wirklichen Leben aber vermehrt sich der Wert des Goldes derzeit fast von selbst. Am Dienstag erreichte das Edelmetall die neue Rekordhöhe von 697,90 US-Dollar je Feinunze und lag damit 2,65 Prozent über Vortagesniveau. Das ist der höchste Preis seit Beginn der 80er Jahre. © ZB FUNKREGIO OST

Ein Ende der Hausse ist nicht abzusehen: Bis zu 1.000 oder gar 2.000 Dollar je Feinunze könne der Preis steigen, prognostizieren Rohstoffexperten. Doch Vorsicht: „Der Anstieg widerspricht jeden fundamentalen Daten“, warnt Christoph Eibl, Leiter des Rohstoffhandels bei der Fondsgesellschaft Tiberius Asset Management.

„Die Rohstoff-Hausse ist ein Reflex auf die Politik des lockeren Geldes der Notenbanken “, erklärt Markus Stahl, Leiter der Abteilung Fonds- und Vermögensverwaltung bei der BW-Bank. Um die Konjunktur anzukurbeln, versorgten die großen Notenbanken der Welt die Märkte in den vergangenen Jahren mit reichlich Liquidität. Die steigende Geldmenge sorgte auf den Rohstoffmärkten für inflationäre Tendenzen. „Ein solcher Geldüberhang kann die Nasdaq-Internet-Werte aufblasen“, sagt Stahl, „aber eben auch die Rohstoffe“. 

Zwar gibt es vordergründig durchaus Argumente, in der Hoffnung auf weitere Preissprünge in Gold zu investieren: Die Ressourcen im Hauptförderland Südafrika sinken, während die Förderkosten steigen. Dem knapperen Angebot gegenüber steht eine in den vergangenen Jahren gestiegene Nachfrage, vor allem in den aufstrebenden Schwellenländern Indien und China.

Zusätzlich stützt das so genannte De-Hedging der Minengesellschaften den Preis: Viele Goldminen haben sich in der Vergangenheit gegen fallende Notierungen gewappnet, indem sie ihre Produktion im Voraus zu einem festen Preis verkauften. In Zeiten der Hausse scheinen ihnen solche Absicherungsverträge weniger nötig, sie bauen Positionen ab. Die Minenbetreiber vertrauen also auf einen weiterhin zumindest stabilen Goldpreis und beflügeln dadurch die Hoffnungen anderer Marktteilnehmer auf Gewinne. 

Hinzu kommt schließlich: Gold gilt als sicherer Hafen in riskanten Zeiten . So werden denn auch vor allem geopolitische Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit Iran als Grund für den aktuellen Preisauftrieb genannt. Weitere Unsicherheitsfaktoren im Fokus der Finanzmärkte sind das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA und die Staatsverschuldung der großen Volkswirtschaften. Gegen die daraus erwachsenden Währungsrisiken sichern sich Anleger mit Gold ab. Gerade institutionelle Anleger kaufen derzeit das Edelmetall, um ihre Portfolios gegen etwaige Einbrüche am Aktienmarkt oder Währungsturbulenzen abzusichern.