Presseschau Das gute Deutschland

Seit wann hat Bush die Deutschen lieb? Und wir ihn? Adrian Pohr kommentiert das aktuelle Meinungsbild

Können wir Deutsche mit Bushs Amerika befreundet sein? Was vor wenigen Monaten noch undenkbar schien, macht Angela Merkel, oft für ihre außenpolitische Begabung gerühmt, offenkundig möglich: Deutsche Zeitungskommentare, die sich von Bush geschmeichelt fühlen. So würdigte der US-Präsident im Rahmen von Merkels Besuch Deutschland als „partner in leadership“ und würdigte die Kriegsunlust der Deutschen.

Freudig erregt jauchzt die BILD -Zeitung: „Die Worte des Präsidenten sind mehr als eine Höflichkeitsfloskel. (...) Instinktsicher hat der mächtigste Mann der Welt erkannt: Angela Merkel ist die starke Frau Europas, seine wichtigste Ansprechpartnerin auf der anderen Seite des Atlantiks.“ In diesem schwelgenden Stil geht es weiter: „Bush ist fasziniert von Merkels Persönlichkeit.“

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Diese Faszination scheint auch in der Stuttgarter Zeitung durch: „Unabhängig von der politischen Entscheidung gegen den Krieg hatte Gerhard Schröder mit seinen markigen Auftritten nicht dazu beigetragen, dass Deutschland in einer sachlichen Auseinandersetzung mit den USA einen Rest an Einflussnahme hätte wahren können. Angela Merkel ist im Ton konzilianter, bekräftigt die Gemeinsamkeiten, aber wahrt, jetzt beim Thema Iran, alle ihr zur Verfügung stehenden Spielräume.“ Und der US-Präsident habe aus seinen Fehlern gelernt. Bush habe, „ebenfalls nach einer ausgiebigen Phase der Kraftmeierei, gelernt, dass er die politischen Krisen dieser Welt nicht im Alleingang zu seinen Gunsten entscheiden kann.“ Auch im Schwabenland freut man sich hauptsächlich über sich selbst: „Deutschland wird gebraucht.“

Die Rhein-Neckar-Zeitung sieht die transatlantischen Beziehungen ebenfalls wieder in einem erfreulichen Zustand. Bush wisse genau, dass amerikanischer Unilateralismus an Grenzen stoße. „Merkels Kanzlerschaft ist seine Projektionsfläche für das gute Deutschland. Anders als Schröder kann sie die Brücke stabiler Beziehungen wieder befestigen. Das macht uns George W. Bush noch nicht zum intimen Freund. Aber die Tatsache, dass er regiert, steht diesem wichtigen Ziel auch nicht entgegen.“

Die Braunschweiger Zeitung dagegen bleibt skeptisch. „Deutschland wird gewissermaßen bis zur Grenze des Erträglichen gelobt.“ Dabei sei Bush Methode ist leicht zu durchschauen: „Es ist die der Vereinnahmung. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind stabil und sie werden es bleiben. Aber nicht wegen, sondern trotz dieses US-Präsidenten.“

In der Badischen Zeitung klingen die alten Ressentiments durch: „Die große Umarmung, an der sich Bush nun versucht, wirkt generös. In Wahrheit ist sie das Eingeständnis zunehmender Isolation. Tony Blair ist am Kippen, Berlusconi schon abgewählt, da ist es Zeit, in Europa neue Freunde zu suchen.“

Betrachtet man, wie die deutsche Bundeskanzlerin bei den Staatschefs der westlichen Welt ankommt, so scheint sie eine ausgesprochen gute Freundin zu sein. Und wer hat nicht gerne mächtige Freunde - auch wenn es die zwiespältigen Amerikaner sind.

 
Leser-Kommentare
  1. den Irak Krieg ablehnten,Schroeder keinen Anlass ausliess um die Bush Regierung zu brueskieren,wurden in USA gewisse franzoesische Produkte boykottiert.In der Zeit habe ich nirgendwo Aufrufe gesehen die aehnliche Boykotte gegen deutsche Produkte forderten.Dabei gibt es weitaus mehr deutsche Produkte in USA als franzoesische zu kaufen.

  2. ist zwar eine zeitlang trendy und zeitgeisty gewesen.
    Man muss aber nicht jedem mainstream bis ins Hades-Reich folgen.
    Die Amis sind deswegen dzt. on top (eh nimma lang), weil die grösste Einwanderungsgruppe Deutsche waren.
    Logischerweise hasst jeder Deutsche alles Deutsche - die Zeiten sind aber ein bisserl häerter geworden und mit Lichterlkerzen komm ma jetzt auch nicht mehr weiter.

  3. Wenn jemand die richtige Einschätzung zur "neuen DAF" an seine Leser weitergibt, dann ist es sicher die Braunschweiger Zeitung. Denn eine Kanzlerin mit Wahlkreis auf Rügen muss Mann einfach nur loben, um selbst der Rüge zu entgehen.

    Die Performance von G.W. Bush hatte schon fast etwas Eulenspiegelhaftes, insbesondere seine Bereitschaft, mal neu darüber nachzudenken, wieso sich die USA wegen ihres Ölbedarfs ausgerechnet in die Abhängigkeit von Schurkenstaaten begeben konnten.

  4. Seit wann hat Bush die Deutschen lieb? Schon immer, würde ich sagen. Und wir ihn ? Schon immer, also ich und meine Freunde,und viele andere Deutsche auch. Verwechseln Sie bitte nicht Deutsche und linken. Es ist nicht immer das selbe. Schröder ist zwar Deutscher aber nicht Deutschland.

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  • Quelle ZEIT online 8.5.2006
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