Kongo-Einsatz Hoffen auf den Best Case

Das Bundeskabinett hat den Kongo-Einsatz beschlossen. Doch die Mission ist noch immer mit vielen Fragezeichen behaftet.

Mehrfach war die Entscheidung vertagt worden, am Mittwoch war es nun endlich soweit. Das Bundeskabinett stimmte einem Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung der Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo zu. An der EU-Mission, die unter deutscher Führung steht,  werden sich rund 800 deutsche Soldaten beteiligen, kündigte Verteidigungsminister Franz Josef Jung an. Davon sind 280 allerdings so genannte Unterstützungskräfte, die in erster Linie Sanitätsdienste und logistische Aufgaben für die übrigen Soldaten übernehmen werden. Insgesamt werden rund 1700 Soldaten an der Mission beteiligt sein.

Jung bestätigte, dass sich der Einsatz der deutschen Soldaten auf die Region Kinshasa konzentrieren werde. Dies war in der Debatte um die Mission einerseits von vielen Seiten gefordert worden, da nur diese Region in dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land als halbwegs sicher gilt. Andererseits wurde aber auch kritisiert, eine zu enge Auslegung des Auftrags sei unpraktikabel und würde die Wirksamkeit des Einsatzes zu sehr einschränken. Die deutschen Soldaten sollen den ruhigen Ablauf der Wahlen durch ihre Präsenz garantieren und in Krisenfällen ausländische Helfer evakuieren. Jung bekräftigte, es handele sich um ein »robustes Mandat«.

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Das Mandat beginnt am 30. Juli, dem Termin für die Wahlen, der in den vergangenen Monaten immer wieder nach hinten verschoben war, und läuft für vier Monate. Wenn der best case eintritt, und darauf scheint die Regierung ihre ganze Hoffnung zu setzen, hat die Republik Kongo in diesem Zeitraum den Wahlprozess abgeschlossen und eine neue Regierung steht. Wenn sich allerdings der worst case einstellen würde, also das Wahlergebnis von einzelnen Kriegsherren nicht anerkannt wird, müssten die Truppen möglicherweise unverrichteter Dinge abziehen - was Kritiker der Einsatzplanung für unwahrscheinlich und unsinnig halten. Auch einen Termin für eventuell notwendige Stichwahlen gibt es bislang nicht.

Als großen Erfolg stellte Jung die Tatsache dar, dass sich 18-EU-Staaten an der Mission beteiligen. Von Anfang an war es das Ziel gewesen, eine möglichst breite europäische Teilnahme zu erreichen. Betrachtet man die Zahlen genauer, fällt die Bilanz allerdings weniger international aus. Deutschland und Frankreich werden mit etwa 1300 Soldaten den Löwenanteil der Truppe stellen, die anderen Länder beteiligen sich in sehr geringem Umfang.

Ungewöhnlich ist auch, dass zum Zeitpunkt des Kabinettsbeschlusses die Feinabstimmung immer noch nicht steht. Erst am 29. Mai soll der endgültige Operationsplan aufgestellt werden. Wie viele deutsche Soldaten letztlich in Kinshasa stationiert sein werden und wie viele im Nachbarland Gabun, gehört beispielsweise zu den Details, die noch offen sind. Ebenso fehlen noch Hubschrauber für die erfolgreiche Umsetzung der Mission. Der Bundestag soll dennoch bereits am 1. Juni den Einsatz  beschließen. 

Der wird im Übrigen deutlich teurer, als zunächst geplant. Jung bezifferte die Kosten auf 56 Millionen Euro. Das Geld soll aus dem Verteidigungshaushalt genommen werden. Der CDU-Verteidigungsexperte Ernst-Reinhard Beck kritisierte diese Art der Finanzierung. »Das ist Geld, das im Transformationsprozess der Bundeswehr fehlen wird«, sagte der Abgeordnete ZEIT online . Er hätte sich gewünscht, dass für diese zusätzliche Aufgabe auch zusätzliche Mittel bereitgestellt worden seien.

Leser-Kommentare
  1. HAHAHA Über die Linken kann man echt lachen.

    • eik
    • 18.05.2006 um 9:23 Uhr

    Egal ob Wirtschaft, Wahlen, Wiederaufbau, Deutschland muß für alles herhalten. Lange schon sieht man, dass man unsere Politiker in alle Zusagen hineinschwatzen kann. Wer stellt sich denn endlich mal vor die Interessen Deutschlands und sagt "bis hierher und nicht weiter mit uns, sonst steigen wir aus". Wer von den Politikern, die diesem Einsatz zugesagt haben, hat sein Kind in der Truppe? Wenn auch nur das geringste schiefläuft in diesen nicht bemeßbaren Ländern, dann stehen die paar hundert Soldaten einem korrupten, aggressiven, aus dem Ruder laufenden Mob gegenüber. Im Falle der Auseinandersetzung mit diesem französischen Kolonialerbe wären dann wieder die Deutschen die Dummen. Aber wie immer sind unsere Politiker ganz lieb und weltgewandt. Die schwarzgeränderten Briefe gehen ja nicht an sie.

    • th123
    • 18.05.2006 um 9:42 Uhr

    soweit ich informiert bin, muss kein deutscher Soldat in einen Auslandseinsatz gehen der dies nicht ausdrücklich freiwillig will. Und viele wollen, da gibts nämlich jede Menge Geld und etwas Abwechslung zum stupiden Kasernenalltag und außerdem noch was zu erzählen bei anschließenden Kameradschaftsabenden im Offizierskasino.
    Das der Einsatz im Kongo unsinnig ist steht zumindest für mich außer Zweifel und viele Soldaten sehen das wohl auch so. Aber gleich zu schreien wenn Soldaten mal außerhalb der meist schon fremdbewachten Kaserne ihren Dienst tun sollen halte ich für verlogen, denn schließlich ist das deren Aufgabe, da muss man sich die Sinnfrage wohl schon eher stellen.
    Das Berufsrisiko, für Eitelkeiten von Staatsmännern sein Leben zu setzen, ist dem Soldaten immanent.

  2. Verantwortungsbewusste Politik sieht anders aus ! Die durch einen geschickten diplomatischen Schachzug der Franzosen in einen Einsatz verwickelte Bundesregierung macht eine sehr unglückliche Figur. Wo hat die deutsche Regierung Ihre Interessen formuliert, die Grundlage für militärisches Eingreifen im Kongo sind ? Wo wird den betroffenen Soldaten klar der politische Wille und die Sinnhaftigkeit Ihres Einsatzes aufgezeigt. Selbstverständlich müssen die Zeit- und Berufssoldaten der Bundeswehr sich vom ersten Dienstag an mit dem Szenario eines Einsatzes auseinandersetzen. Doch haben die Familienväter, - mütter,Töchter und Söhne in Uniform nicht auch einen Anspruch darauf verantwortungsbewusst eingesetzt zu werden ? Selbstverständlich ist klar, dass eine Bundesregierung mit dem Anspruch eine größere Rolle in der Weltpolitik zu spielen (z.B. die Träumereien von einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat) und die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik auf ein solides Fundament zu setzen, auch den Einsatz von Soldaten in Erwägung zieht. Trotzdem sollte gerade im Hinblick auf Ihre finanziellen und personellen Ressourcen eine Schwerpunktsetzung stattfinden und ein durchdachtes ganzheitliches Konzept (AA,BMVg, BMZ und BMIn) vorhanden sein, um die Beteiligten vom Sinn Ihrer Mission zu überzeugen. Von Staatsbürgern in Uniform erwartet man v.a. in solchen Einsätzen kulturelle Kompetenz, Intelligenz u.v.m. Von den gleichen Soldaten kann man dann aber nicht erwarten, dass diese "söldnergleich" in den Einsatz gehen ohne sich Gedanken über Sinn, Zweck und Gefahren des Einsatzes zu machen. Es bleibt nur zu hoffen, dass in den nächsten Tagen die Kritik von den Verantwortlichen ernst genommen wird und der akute Handlungsbedarf noch in ein improvisiertes, aber schlüssiges Gesamtkonzept umgesetzt wird.

  3. Unsere Soldaten sind zu Staatsbürgern in Uniform erzogen worden (NUR für den echten Verteidigungsfall) und nicht als Söldner/Rambos die sich in irgendwelche Einsätze (auch ungerechte) schicken lassen.

    Das deckt sich doch nicht mit dem Sinn unseres Grundgesetzes. Hier habe ich starke Zweifel. Die Ausbildung anderer Sicherheitskräfte ob Soldaten, besser Polizeikräfte, die sich dann selbst für Ihr eigenes Land einsetzen, konnte ich gerade noch akzeptieren.

    Solche schlecht geplanten Einsätze (wenn man die Medien beobachtet) können dem internationalen Ansehen unseres Landes viel mehr schaden als nützen. Was ist das für eine schwache Politik, die nicht einmal NEIN sagen kann. Darin waren Schröder und auch frühere Regierungen echt mutiger.

    Sich als „Führungstruppe“ von den anderen scheinheiligen Partnern zögernd in die erste Riege schieben zu lassen, das verheißt nicht Führungsstärke, sondern Führungsschwäche (unserer Politiker). Wir machen uns da einfach lächerlich!!

    Ich habe noch die kleine Hoffung, das das Vorhaben Ende Mai von verantwortungsbewussten Politikern aller Parteien im Bundestag gestoppt wird.

    .

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