„Es gibt kleine und mittlere Städte in Brandenburg und anderswo, wo ich keinem, der eine andere Hautfarbe hat, raten würde, hinzugehen. Er würde sie möglicherweise lebend nicht mehr verlassen“, sagte der frühere Sprecher von Bundeskanzler Gerhard Schröder am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Ein drastischer Satz, der in dem Bundesland sogleich helle Empörung auslöste.

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) warf Heye eine „Verunglimpfung ganzer Regionen in Brandenburg“ vor, die durch nichts zu rechtfertigen sei. Sein Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sprach von einer „unglaublichen Entgleisung“ und forderte den Rücktritt Heyes als Vorsitzender des Vereins Gesicht zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland. SPD-Landesfraktionschef Günter Baaske sah gar das Land beleidigt, Brandenburgs CDU-Generalsekretär Sven Petke forderte eine Entschuldigung.

Nun könnte man diese Reaktionen als Ablenkungsmanöver nach dem Motto: „Haltet den Dieb!“ abtun, wenn die Sache nicht so ernst wäre. Seit der Wiedervereinigung hat sich im Osten eine Subkultur rechter Gewalt ausgebreitet, die trotz aller Bemühungen – auch des von Heye geleiteten Vereins – bislang nicht eingedämmt werden konnte.

Fachleute, die sich mit dem Thema beschäftigen und in vielfältigen Initiativen dagegen ankämpfen, rechnen vor, dass seit 1990 in Deutschland pro Jahr bis zu 17 Todesopfer fremdenfeindlicher Gewalt zu beklagen waren. Erst zu Ostern wurde mitten in Potsdam ein in Äthiopien geborener schwarzer Deutscher von rechten Schlägern ins Koma geprügelt. Und auch andere Gegenden im Osten, in Sachsen, Teilen Thüringens und Mecklenburg-Vorpommerns, aber auch manche Fußballstadien, sind solche gefährlichen Orte.

Niemand, der sich mit dem Thema ernsthaft beschäftigt oder gar solche Überfälle schon erlebt hat, wird deshalb bestreiten, dass es in bestimmten Gebieten Ostdeutschlands und auch Ostberlins für Menschen anderer Hautfarbe nicht ratsam ist, sich etwa nachts allein dort aufzuhalten. Sie würden – wie das Opfer in Potsdam – Gefahr laufen, Leib und Leben aufs Spiel zu setzen. Organisationen wie der Afrika-Rat, aber auch amerikanische Reiseführer warnen deshalb aus gutem Grund vor diesen No-Go-Areas genannten Angsträumen für Farbige.

Für die betroffenen Bundesländer ist das sicher nicht schön, quasi in einer Reihe mit Staaten zu stehen, für die das Auswärtige Amt Reisewarnungen herausgibt. Aber es hilft nichts, davor die Augen zu verschließen und den Kopf in den Sand zu stecken. Dadurch wird nichts besser.