Bei einer Protestaktion der Muslimbrüder und linker Oppositioneller in Kairo hat die Polizei am Donnerstag mehr als 200 Demonstranten festgenommen. Das verlautete aus Sicherheitskreisen in der ägyptischen Hauptstadt. Insgesamt rund 2000 Menschen hatten sich vor einem Gebäude der Richterkammer versammelt, um ihre Solidarität mit zwei Richtern auszudrücken, die ihrer Ämter enthoben werden sollen. Sie hatten nach der Parlamentswahl im Mai öffentlich über Wahlmanipulation geklagt. Augenzeugen sahen, wie einige der mehr als 10 0000 eingesetzten Polizisten Demonstranten und Journalisten verprügelten.An einer Sitzung des Berufsstandsgerichtes in Kairo in dem Verfahren gegen die zwei Richter Mahmud Mekki und Hischam Bastawisi nahmen die Beschuldigten am Donnerstag nicht teil, nachdem ihren Verteidigern der Zugang zum Saal verweigert worden war. Mekki und Bastawisi, die wie andere Richter auch an der Beobachtung der ägyptischen Parlamentswahl im vergangenen Herbst beteiligt gewesen waren, hatten Berichte über Wahlmanipulation und Einschüchterung durch bezahlte Schlägertrupps in einigen Bezirken an die Presse weitergegeben. Der Prozess wurde auf den nächsten Donnerstag vertagt.Der Sprecher der Kairoer Richterkammer, Mahmud al-Askalani, sagte, rund 1000 Angehörige der Sicherheitskräfte hätten sich am Donnerstag wegen der Protestaktion im Gerichtsgebäude aufgehalten. »Das ist illegal und in der Geschichte der ägyptischen Justiz noch nie zuvor passiert«, fügte er hinzu.Die Nationaldemokratische Partei (NDP) von Präsident Husni Mubarak hatte bei der Parlamentswahl circa 70 Prozent der Stimmen erhalten. Zweitstärkste Fraktion wurden die Muslimbrüder mit 19 Prozent.