BND Bespitzelung angeordnet
Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Hansjörg Geiger soll einen Journalisten direkt beauftragt haben, Kollegen auszuhorchen
Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Hansjörg
Geiger, hat den Spitzeleinsatz eines Journalisten gegen
Berufskollegen angeordnet. Das schrieb der ehemalige Geheimdienstkoordinator Bernd
Schmidbauer in einer am Samstag veröffentlichten
Pressemitteilung. Geiger habe im Dezember 1996
verfügt, »dass ein Journalist eingesetzt wird,
um Abflüsse aus dem BND zu klären«. Das Bundeskanzleramt -
Regierungschef war damals Helmut Kohl - sei darüber nicht
informiert gewesen.
Laut einem
Focus
-Bericht soll es sich dabei um einen freiberuflichen
Journalisten und Buchautoren handeln, der bereits seit August 1982
unter dem Decknamen »Dali« - später »Schweiger« - für den Geheimdienst
arbeitete und von nun an Journalisten ausspähen sollte. Das Blatt
berief sich auf den geheimen Untersuchungsbericht des früheren
Karlsruher Bundesrichters Gerhard Schäfer, der im Auftrag des
Parlaments die Observation von Journalisten durch den BND überprüft
hat.
Der BND-Späher soll einen Agentenlohn von knapp 653 000 Mark erhalten
und dafür 856 Berichte geliefert haben, unter anderem über Journalisten
der Nachrichtenmagazine
Focus
und
Spiegel
sowie über Redakteure der
Süddeutschen Zeitung
und des
Hamburger Abendblatts
. Der
Beschuldigte bestreitet laut
Focus
seinen Spitzeljob.
Dem
Focus
-Bericht zufolge bestätigte der BND-Kritiker und Buchautor
Erich Schmidt-Eenboom, dass er zwischen April 2003 und Juli
2004 vom BND mehrmals kleinere Spenden für sein Weilheimer
Forschungsinstitut erhalten hat. Er habe einem BND- Kontaktmann bereits
im Juli 1997 kopierte Dokumente eines verstorbenen Stasi-Spions zur
Auswertung überlassen. Der Autor versicherte aber, er habe niemals
Informanten verraten. Er hätte sich mit dem BND zuweilen auf »ein Katz-
und Mausspiel eingelassen«.
Nach einem Bericht des
Spiegel
hat der BND jahrelang interne
Informationen über das Magazin aus Spitzelberichten gesammelt. Mehrere
als V-Leute geführte Journalisten hätten über Informanten
berichtet. Der BND habe mögliche Geheimdienstmitarbeiter enttarnen
wollen, die beispielsweise in der Plutonium-Affäre Insiderwissen
weitergegeben haben sollen. Dies gehe aus dem Bericht des
Sonderermittlers Schäfers hervor. Anders als behauptet, habe der BND
noch bis zum vergangenen Jahr Quellen unter Journalisten geführt.
Die FDP forderte eine öffentliche Aufklärung der Vorwürfe. Wer wie der
BND verfassungswidrig die freie Presse bespitzele, der müsse erleben,
dass dies nicht in geheimen Gremien, sondern vor den Augen der
Öffentlichkeit aufgeklärt werde, sagte FDP-Partei- und Fraktionschef
Guido Westerwelle am Samstag beim Parteitag in Rostock. »Die
Pressefreiheit ist ein kostbares Gut und darf niemals aufgegeben
werden. Die Pressefreiheit ist die Schwester der Meinungsfreiheit.«
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sprach
von einem ungeheuerlicher Vorgang und forderte ebenfalls eine
öffentliche parlamentarische Behandlung. Das Parlamentarische
Kontrollgremium dürfe nicht dazu missbraucht werden, »dass
skandalöse Vorgänge hinter den Regeln der Geheimhaltung versteckt
werden«.
Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Neskovic, Vertreter der Links-Fraktion im PKG, wird Ende Juli ein einwöchiges Praktikum beim BND
machen. BND-Chef Ernst Uhrlau habe dem ehemaligen Bundesrichter das
Gastspiel in der Pullacher Zentrale erlaubt, berichtete der »Spiegel«.
Neskovic sagte dem Magazin: »Ich möchte ein Gefühl für die Arbeitsweise
des Dienstes bekommen.«
- Datum 17.05.2006 - 13:33 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa 13.5.2006
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Art.5 Abs.1 GG: "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus ALLGEMEIN ZUGÄNGLICHEN QUELLEN ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."
Man sollte es lesen, bevor man sich aufs Grundgesetz beruft. Wer die allgemeine Zugänglichkeit seiner Quellen nicht nachweisen kann (oder will) und sich statt dessen umsatzsteigernd auf streng geheime Untersuchungsberichte beruft, braucht sich nicht all zu sehr wundern, wenn ihm der Geheimmdienst auf den Pelz rückt. Selbstverständlich nur im Sinne seiner ureigenen Aufgabe, des Schutzes unseres Grundgesetzes nämlich - einschließlich seines Art. 5, Abs. 1.
Es mag vielleicht unmoralisch und menschlich enttäuschend sein, wenn Journalisten Journalisten bespitzeln. Vor allem für die, die sich nur all zu gern ausführlichst und mit glasklaren Prinzipien den alten Stasigeschichten widmen. Grundgesetzlich verboten ist es wohl nicht. Vior allem dann nicht, wenn im Ergebnis der Aktionen keine beweisbare Zensur stattgefunden hat.
Man mag zu den Geheimdiensten stehen, wie man will - so lange nicht das Bespitzeln ansich unter Strafe gestellt wird, und zwar das Bespitzeln eines JEDEN freien Bürgers und nicht nur das der angeblich freien Pressse, so lange wird es wohl eine der liebsten Beschäftigungen sämtlicher GEHEIMdienste dieser Welt bleiben.
Und sehn wir doch mal den Tatsachen ins Auge: Würden die Schlapphüte ausschließlich allgemein zugängliche Daten sammeln und ebensolche Quellen auswerten, wären sie ja schließlich kein "echter" Geheimdienst. Dann könnten sie ja gleich als Journalisten arbeiten, nicht wahr?
Wie sagt man doch so schön? Der Zeck heiligt die Mittel. Der Zweck des Grundgesetzschutzes ist schon ein ziemlich heiliger in Deutschland. Wer ihn verfolgen will, kann nach eigener Auffassung manchmal weder auf die allgemeine Moral noch auf die individuellen Gefühle der Betroffenen Rücksicht nehmen. Höchstens auf die Staatsräson (Kohl hat GAAAARNICHTS gewusst!) Das ist so, das war so und das wird so bleiben. Im In- wie im Ausland und allen Kommissionen und Untersuchungsausschüssen zum Trotz. So lange es sie gibt, die Herren streng-geheimen Unfehlbaren.
Oder hatte da vielleicht jemand allen Ernstes angenommen, der BND sei (ganz anders als die nicht auf dem Boden des GG stehende Stasi) ein Häkelkränzchen frommer, ehrlicher Hausfrauen?
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