Gesundheit Betrug mit gespendeter Arznei
Wie kommt man der Korruption im Gesundheitswesen bei? Transparency International rechnet mit Milliardenverlusten durch die illegalen Praktiken. Und fordert, Medikamentenpreise gleich bei der Zulassung festzulegen
Das neue Jahrbuch von Transparency International Deutschland (TI) liest sich wie ein Handbuch für Betrüger. Mehrere Milliarden Euro würden jedes Jahr in den korrupten Kanälen des deutschen Gesundheitswesens verschwinden, sagte Gabriele Bojunga, Sprecherin der AG Gesundheit von TI an diesem Dienstag. Das drittteuerste Gesundheitssystem der Welt biete jede Menge Lücken, die Kriminelle für ihre Machenschaften nutzen könnten - auf Kosten von Versicherten und Steuerzahlern.
Vor allem Arzneimittelhändler bereichern sich in großem Stil. So landeten beispielsweise Medikamente, eigentlich als Spenden für Krisengebiete bestimmt, in neue Verpackungen gehüllt in deutschen Apotheken, berichtet TI. In einigen Fällen seien Arzneimittel bei den Herstellern sogar gezielt als Spenden angefordert worden, um sie dann mit falschen Chargennummern in Deutschland auszuliefern. Hier würden sie zu Preisen verkauft, die weit über dem internationalen Durchschnitt liegen. Letzteres bestätigt der Arzneimittelforscher Ulrich Schwabe von der Universität Heidelberg.
Er hat die Preise verschiedener Medikamente in europäischen Ländern mit den deutschen verglichen.
Sein Ergebnis: "Im europäischen Vergleich sind Generika in Deutschland deutlich zu teuer."
Ein weiterer Kostentreiber sind die undurchsichtigen Vertriebsstrukturen für pharmazeutische Produkte, beobachtet TI. Inzwischen sei ein Graumarkt entstanden, auf dem sich Broker etabliert hätten, die mit Medikamenten Warentermingeschäfte betrieben. "Offenbar sind die Gewinnspannen bei Arzneimitteln weit größer, als die Pharmaindustrie uns glauben machen will", sagt Bojunga. Sie fordert, Arzneimittelverpackungen müssten möglichst fälschungssicher gemacht werden. Außerdem müsste der Großhandel darauf verpflichtet werden, nur direkt bei Herstellern einzukaufen. "Und die Preise von Medikamenten müssen schon im
Zulassungsverfahren
festgelegt werden."
Auch unter Ärzten nehmen dunkle Geschäfte offenbar zu. TI beobachtet einen Trend dahin, "dass mit der zunehmenden wirtschaftlichen Schieflage vieler Praxen die Anfälligkeit für korruptives Verhalten zunimmt". Niedergelassene Mediziner ließen sich dafür bezahlen, dass sie ein bestimmtes Medikament verschreiben. Oder sie stellten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für fiktive Angestellte aus. Mit diesen Bescheinigungen kassierten Arbeitgeber dann illegal Anteile der Lohnfortzahlungen. Auch würden medizinische Studien zugunsten von Produkten der Sponsoren verfälscht. TI verlangt deshalb eine Pflicht aller medizinischen Einrichtungen, Finanzierungen durch Sponsoren offen zu legen. Die Fälschung von Studien müsse nachdrücklicher verfolgt und bestraft werden. Dazu fordert die Anti-Korruptionsorganisation, einen Tatbestand "Abrechnungsbetrug" in das Sozialgesetzbuch einzufügen, damit Krankenkassen Regressansprüche leichter geltend machen könnten.
Letztlich sei der strukturellen Korruption im deutschen Gesundheitswesen durch neue Gesetze und eine schärfere Strafverfolgung jedoch nicht beizukommen, sagt Bojunga. "Es muss eine Kultur entstehen, die Korruption im Medizinbereich ächtet", fordert sie. Hoffen sollte man darauf nicht.
Gerade erst hat der Bundestag verboten, dass Pharmafirmen Medikamente zu Marketingzwecken kostenlos an Apotheker abgeben,
die diese dann teuer weiterverkaufen. Schon sei aus Kreisen der Arzneimittelhersteller zu hören, man wolle dieses Verbot umgehen, berichtet Peter Schönhöfer, Herausgeber des Arzneimittel-Telegramms und langjähriger Beobachter des deutschen Pharmamarkts. Wie? Das ist noch nicht recht zu erkennen. Doch Eingeweihte munkeln, angeblich würden Apothekern inzwischen horrende Summen angeboten - für Schaufensterwerbung.
- Datum 17.05.2006 - 13:33 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 16.5.2006
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Als Privatversicherter bekomme ich jede Rechnung, auch wenn ich sie am Ende nicht selbst zahle, zu Gesicht. Damit kann ich sehen, ob ich denn in diesen Punkten wirklich behandelt wurde. Kreative Rechnungsführung haben mich einmal zum Wechsel meines Zahnarztes veranlasst: Am Telefon der Praxis konnte nichtmal geklärt werden, was bei dem Punkt überhaupt behandelt wurde!
Ich finde, dass auch gesetzlich Versicherte die Rechnungen einfach sehen können sollten. Denn ausser dem Arzt sind sie die einzigen, die wissen, was behandelt wurde. Sie sollen die Rechnungen nicht bezahlen, nur sehen. Denn wenn der Arzt die Rechnung gleich an die Krankenkasse schickt, ist die dessen Behauptungen ausgeliefert. Falls es Fragen gibt, kann der Patient die Krankenkasse um Klärung bitten.
Ich glaube nicht, dass die meissten Ärzte betrügen. Aber ich bin überzeugt, dass es schwarzen Schafen leicht gemacht wird. Und dahinter eine mächtige Pharmalobby steht, die trotz Ineffizienz glänzend verdient.
Würden alle Patienten die Rechnungen sehen, dann wären zum vollendeten Betrug wenigsten zwei Parteien notwendig (Arzt plus Patient), und nicht mehr nur eine. Das macht es wenigstens schwieriger.
FR
aber einen Fehler haben Sie Ihrer Argumentation.
Morgen werden nämlich die nach diesem Abrechnungssystem betrogenen Ärzte für höhere Einkommen streiken. Und dann müssen doch wieder die Beitragszahler ran...
Zitat: ...Gutachter des Wissenschaftsrates jedoch empfehlen die Einstellung der Ausbildung...
Das ist kein Wunder, denn hier lehren so renommierte Ärzte wie Prof. Dr. med. Dietrich HW Groenemeyer innovative, mikrotherapeutische, minimal invasive Behandlungsmethoden (entwickelt und angewendet).
Der empfiehlt auch Bewegung, nicht immer nur Medikamente. Das gefällt der Pharma Lobby bestimmt nicht.
Zitat Der Spiegel (vom 17.5.2006):
WITTEN/HERDECKE AUF DER KIPPE
Deutschlands wichtigster Privatuni droht der Exitus
http://www.spiegel.de/uni...
.
......im Gesundheitswesen bei? Klare Frage - einfache Antwort: gar nicht!! Ergänzt man die von UdoKaemmle erstellte Liste um spektakuläre Beiträge des Fernsehens
(Herzklappen, Zahnersatz, Laborleistungen) und fragt nach Konsequenzen oder gar Sanktionen, wird man erkennen, hier geht es nicht um kriminelle Machenschaften sondern um eine ganz legale, vom Staat tolerierte Form der Geldumverteilung von unten nach oben. Mit dem Wort Korruption tut man Bulgaren und Rumänen unrecht, hier bemüht man sich doch noch um eine gewisse Diskretion.
Jahrelang stiegen Wachstum, Beiträge und somit Verteilungsmasse. Leider wird es jetzt aus den bekannten Gründen etwas eng.Das ist die schlechte Nachricht - allerdings nur für die Beitragszahler!
Wer über wesentliche Phasen der Nachkriegsgeschichte die FDP als Paten hatte und auch noch die Unterstüptzung eines bedeutenden Flügels der CDU fand, hat eine Bereicherungsmentalität entwickelt und in die Tat umgesetzt. Die braven Normalbürger müssen das alles bezahlen, was diese Mafia durchgesetzt hat und weiter durchsetzt. Meiner Meinung hilft hier nur ein völliger Neubeginn, wie das weiß ich nicht.
"Dazu fordert die Anti-Korruptionsorganisation, einen Tatbestand "Abrechnungsbetrug" in das Sozialgesetzbuch einzufügen, damit Krankenkassen Regressansprüche leichter geltend machen könnten."
Bei einer genaueren Recherche wäre aufgefallen, dass durch Abrechnungsbetrug den Krankenkassen kein Schaden entsteht. Betrogen werden jedoch die anderen Ärzte, da der Punktwert durch überhöhte Abrechnungen sinkt. Zur Kostensteigerung oder Senkung läßt sich über eine Verminderung des Abrechnungsbetrugs aber nicht beitragen.
Grüße
Transparency sei Dank. Hier ein schneller Zugang zu früheren Artikeln aus "Die Zeit":
Die Zeit - Wirtschaft: Big Pharma is watching you
www.zeit.de/2006/15/Pharma_2fUSA
Die Zeit - Wirtschaft : Patentierter Gewinn
www.zeit.de/2006/15/Lobby
Die Zeit - Wirtschaft : Merkels bittere Pille
www.zeit.de/2006/15/Irrtmer
Die Zeit - Wirtschaft : Patienten sollen sparen
www.zeit.de/online/2006/08/arzneimittel
Die Zeit - Gesundheit : Ein neues Gesicht
http://www.zeit.de/online...
Die Zeit - Wissen: Schock in Phase 1
http://www.zeit.de/2006/1...
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Wie lange lassen wir uns das noch gefallen? Mir tun neben den Patienten auch die Assistenzärzte leid, die den Gürtel so eng schnallen müssen.
Erst mit Transparenz in der Abrechnung (Preise genau aufgeschlüsselt und dem Patienten zur Bestätigung vorgelegt) kann der Patient sparen helfen. Die Regierung muss dem Druck der Lobbies widerstehen lernen.
Die Tricks der Pharmaindustrie mit den eigenen Studien hatten mir schon vor ein paar Jahren die Freude an meiner Arbeit verdorben, so das ich heute froh bin, was anderes machen zu dürfen.
Ich bin persönlich dazu übergegangen mir gesundheitlich zu erst selbst zu helfen und vermeide Krankenkassen-, Arzt- und Apothekenkosten, wo irgend möglich.
.
Auch das Gewurstel der grossen Koalition an der Gesundheitsreform zeigt erneut, dass niemand in der Lage
( oder nicht willens) ist, sich der Pharmalobby entgegenzusetzen.
Wir brauchen eine Positivliste, die Arzneimittel mit unzulänglich dokumentierte Wirkung und ungenügender Kosten-Nutzen Relation von der Belastung der Solidargemeinschaft ausschliesst.
Bisher wird das Problem ausufender Arzneimittelkosten dadurch angegangen, dass man es durch Regressdrohungen auf die niedergelassenen Ärzte abwälzt. Man geht natürlich den Weg des geringsten Widerstandes. Gleichzeitig können die Krankenkassen mit der Kostenübernahme fragwürdiger Behandlungskonzepte und von Medikamenten mit zweifelhafter Wirksamkeit oder marginaler Verbesserung gegenüber bereits vorhandenen Medikamenten um Mitglieder werben. Ihnen wird kein Regress wegen kostentreibender Werbung angedroht.
Darüberhinaus ist eine Ausweitung der Festbetragsregelung möglich. Bei den offenbar bestehenden Gewinnmargen ist dies im Interesse der Allgemeinheit für die Arzneimittelindustrie zumutbar. Selbst im teuren Norwegen sind viele Medikamente, die auch in Deutschland verkauft werden, billiger, obwohl ein Mehrwertsteuersatz von 25 % (!!!) darauf erhoben wird.
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