Nachhaltiges Investment Riskante IdealeSeite 3/3
Um die Jahrtausendwende liefen
dotcom
-Unternehmen besonders gut, und ebenso die Produkte, die in erneuerbare Energien investierten, also der selektive Ansatz. Die Performance des zweiten Ansatzes entsprach eher der des breiten Marktes – so ist er eben auch ausgelegt.
Als die dotcom -Blase platzte, litten Umwelttitel besonders stark. So wie die Theorie voraussagt: Bei Börsenhochs laufen die selektiven Ansätze überdurchschnittlich gut, fallen aber die Kurse generell, fallen selektive Produkte stärker. Mitte 2000 hatten reine Umwelttechnologiefonds sehr viel stärker an Performance eingebüßt als der Markt, während der breitere Ansatz weniger stark gefallen war.
Mit dem Steigen der Erdölpreise kamen die erneuerbaren Titel sehr stark in Aufwind und stiegen wiederum stärker als der Markt. Kann ein Anleger mit Unsicherheiten leben, ist der selektive Ansatz für ihn geeignet. Risikoscheue Menschen sollten eher den breiteren Ansatz wählen.
ZEIT online: Die Erdölpreise sind immer noch hoch. Profitieren die selektiv-ökologischen Anleger?
Butz:
Auch
best-in-class
-Anleger profitieren, denn ein Kriterium dieses Ansatzes ist ja die Energieeffizienz der Unternehmen. Beide nachhaltigen Ansätze laufen derzeit besser als der Markt. Für Neueinsteiger ist entscheidend, wie sie den Markt einschätzen: Rechnet man mit einem Anstieg des Erdölpreises auf 100 Dollar oder vielleicht sogar doppelt so viel, so macht es Sinn, den selektiven Ansatz zu fahren und gezielt in erneuerbare Energien zu investieren. Wer sein Geld lieber auf mehrere Branchen verteilen möchte, sollte den zweiten Ansatz wählen.
Welcher sich besser entwickelt, kann man nicht voraussagen. Das wäre Kaffeesatzleserei. Welcher Ansatz für einen Anleger der richtige ist, hängt davon ab, wie er den Markt einschätzt und wie risikobereit er ist. Aber mit beiden Modellen wettet er darauf, dass eine höhere Energieeffizienz künftig belohnt wird – mit dem Unterschied, dass das selektive oder idealistische Modell eher auf gute Branchen setzt, das breitere oder realistischere Modell auf gute Unternehmen im Vergleich zur jeweiligen Branche.
ZEIT online: In welchen der beiden Ansätze investieren Sie privat?
Butz:
Diese Frage kann ich leider nicht beantworten, denn wir haben einen Kodex, dem zufolge niemand in Titel investieren darf, mit denen er beruflich zu tun hat. Wenn Sie mir diese Frage aber hypothetisch stellen, würde ich antworten: Ich bin technisch sehr interessiert und habe lange im Sektor der erneuerbaren Energien gearbeitet. Deshalb ist der selektive Ansatz für mich sehr attraktiv. Aber es ist ja bekannt, dass gerade „Anlageexperten“ paradoxerweise oft schlecht diversifizieren und ihre Fähigkeit „den Markt zu lesen“ überschätzen! Vernünftiger wäre es daher, wenn sie Ihr Kernvermögen in den breiteren Ansatz investieren und einen Teil Ihres Geldes, mit dem sie bewusst ein höheres Risiko eingehen wollen und können, gezielt in den selektiveren Ansatz.
Christoph Butz ist Nachhaltigkeitsexperte bei Pictet Asset Management in Genf. Das Gespräch führte Alexandra Endres.
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- Datum 03.07.2006 - 11:12 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 18.5.2005
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