Radio Okapi Die Stimme des KongosSeite 2/2

18:50 Uhr: Die Sportredakteurin verliest ihre Kurzmeldungen in Studio eins, wo man an den Wänden sehen kann, wie hoch das Wasser bei der letzten Regenflut in Kinshasa stand: Etwa dreißig Zentimeter. Kongos Volleyballteam hat gegen Kenia mit 3:0 Sätzen verloren. In Kinshasa beginnen morgen die Stadtmeisterschaften im Basketball und zur Aufmunterung noch mal die Meldung vom Tage: Platz 70 für die "Leoparden" auf der FIFA-Rangliste. 

19:15 Uhr: Brouil Mungonge geht auf Sendung, Moderatorin der Talk-Show Dialogue Entre Congolais . Thema sind die anstehenden Wahlen. Die drei größten Parteien sind eingeladen. Präsident Joseph Kabila hat Vital Kamerhe geschickt, einen seiner engsten Vertrauten. Kamerhe gilt als das aggressive Mundwerk des rhetorisch farblosen Staatschefs. Die Moderatorin beeindruckt das nicht. "Keine Monologe, Monsieur, unsere Hörer wollen auch noch Fragen stellen."

Die Wahlen werden der vorläufige Höhepunkt in der Geschichte von Radio Okapi sein. Als die Kongolesen im Dezember 2005 über ihre neue Verfassung abstimmten, war Radio Okapi 36 Stunden live auf Sendung, übertrug aus den Provinzen im ganzen Land. Titi saß wie immer mit ihren Handys am Rezeptionstisch, nahm Ergebnisse der Wahlkommission entgegen, tippte Kurzmitteilungen der Hörer in den Computer. Am 30. Juli 2006 wird es um viel mehr gehen: Um die erste freie Wahl eines Präsidenten und eines Parlaments seit mehr als vierzig Jahren; um das Risiko von Fälschungen und die Gefahr einer neuen Eskalation der Gewalt. 60 Okapi-Korrespondenten werden im ganzen Land unterwegs sein – und dieses Mal wird man wohl  drei, vier Tage, vielleicht eine ganze Woche ununterbrochen live senden müssen.

Kurz nach 20 Uhr: Zeit für den DJ, der den Tag mit vier Stunden Musik beschließt. Die Nacht beginnt mit kongolesischem Hip Hop von "Ace de Pique". In den Kneipen im ganzen Land stellen die Wirte das Radio laut und die Boxen in die Fenster. Die allabendlichen Partys können beginnen – zumindest dort, wo man sich nachts auf die Straßen traut.

 
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