DGB Abgang unter Sprechchören
Am Ende des Wahlkrimis steht eine tragische Heldin: Ursula Engelen-Kefer ließ sich zur Kandidatur drängen - und verlor. Eine Reportage
Als der Gong die Delegierten des DBG-Bundeskongresses am Dienstagmorgen pünktlich um neun Uhr ins Plenum ruft, blickt man in nervöse und ratlose Gesichter. Unruhig tigern die Tagungsteilnehmer im selbst ernannten "Parlament der Arbeit" umher und suchen Antworten auf die große Frage dieses Tages: Tritt Ursula Engelen-Kefer noch einmal an? Wagt es die langjährige Vizevorsitzende, sich gegen die mächtigen Bosse der Einzelgewerkschaften zu stellen? Die hatten Engelen-Kefer schon im Dezember nicht mehr für eine Wiederwahl vorgeschlagen.
Die meisten Delegierten wissen keine Antwort; die etwas wissen oder ahnen, halten sich bedeckt. Plötzlich entsteht Unruhe in den Reihen derer, die die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vertreten. "Hast du's gehört: Sie wird nicht antreten!" Weiter vorne umringen aufgeregte Leute eine schmale kleine Frau im roten Blazer. Stramm presst sie ihre Handtasche an die Seite. Heftig dringen die Gewerkschafter auf Engelen-Kefer ein. "Ursula, das kannst du nicht machen!" "So kann man nicht mit dir umgehen." "Hier geht es doch nur um Macht. Du musst weitermachen!" Engelen-Kefer, die kampferprobte Sozialpolitikerin des DGB, zuckt mit den Schultern, löst sich langsam aus der Gruppe und wendet sich in Richtung Podium. Auf dem Weg dorthin wird sie immer wieder angehalten. Delegierte reden auf sie ein, ermuntern sie, abermals anzutreten.
Da betritt Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten und Leiter der Findungskommission, das Podium und macht einige "Anmerkungen" zur bevorstehenden Wahl. Man brauche einen "starken Dachverband", sagt er, man stecke in einer "schwierigen Situation" und deshalb habe man einen "ausgewogenen Vorschlag" für die Wahlen gemacht. Ein Raunen läuft durch den Saal, spitze Zwischenrufe dringen nach vorne. Möllenberg lässt sich nicht stören. Man sehe es ihr nicht an, aber "die Ursula" sei 62 Jahre alt und man wähle ja auf vier Jahre. Da ergebe sich ein Problem: "Wir können doch nicht auf der einen Seite gegen die Rente mit 67 wettern und dann auf der anderen Seite einen solchen Vorschlag machen." Weiter kommt Möllenberg nicht. Lautstark machen ver.di-Leute ihrem Unmut Luft, vereinzelt hört man Buhrufe, schließlich sogar Sprechchöre. "Aufhören", skandieren sie.
Als Möllenberg geht, kehrt nur langsam wieder Ruhe ein. Michael Sommer stellt sich zur Wiederwahl als Vorsitzender und wird es auch, wenn auch mit schlechterem Ergebnis als beim letzten Mal. Doch das ist Nebensache.
Derweil sichern immer mehr Delegierte Engelen-Kefer ihre Unterstützung zu. Ein ver.di-Mann schimpft entrüstet: "Ich bin schon 70 Jahre alt und immer noch dabei. Aber hier, mit diesen Rentenargumenten, fühle ich mich nur noch als Schrott." Und dann kommt, was manche erhofften, andere befürchteten: Engelen-Kefer wird zur Wahl vorgeschlagen. Das bedeutet Kampfkandidatur. Für einige bedeutet es auch: Sie beugt sich nicht der Macht der Bosse. Ihr Mann, Klaus Engelen, kann es nicht fassen. "Heute Morgen hat sie das Haus bedrückt verlassen und gesagt, dass sie verzichten will".
Genau das hatte Engelen-Kefer auch vor. Noch auf der Präsidiumssitzung am Morgen vor Sitzungsbeginn hat sie eine Verzichtserklärung abgegeben, die sie vor dem Plenum später auch wiederholen wollte. Doch dazu kommt es nicht. Ganz im Gegenteil: Um 10.20 Uhr steht Engelen-Kefer auf dem Podium und gibt sich kämpferisch wie immer. Sie fühle sich "gut, fit und engagiert" und habe im Übrigen "nie einen Zweifel daran gelassen, dass ich weitermachen will." Unter Applaus fällt der entscheidende Satz: "Ich werde mich der Wahl stellen."
- Datum 23.05.2006 - 11:11 Uhr
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Der Schaden, den Frau Engelen-Kefer mit ihrem Verhalten verursacht hat, ist immens. Offenbar war ihr das egal.
Wie kann man glaubwürdig Arbeitnehmer (oder wen auch immer vertreten), wenn man sich nicht mal gegenüber den Vorstandskollegen an seine kurz zuvor getroffenen Aussagen hält?
Am Ende waren ihre Ansichten zu betonhaft und ihr Verhalten zu wenig loyal.
Man muß kein Anhänger von Frau Engelen-Kefer gewesen sein, um die Personalie an der Spitze des DGB bestürzend zu finden.
Seit Jahren dümpeln die Sozialausschüsse der CDU bedeutungslos vor sich hin. Was will eine CDU-Vertreterin im Vorstand des DGB? Die CDU hat die Sozialpolitik vor Jahren schon ersatzlos verabschiedet. Der CDU ist ein großer Schritt gelungen, die Gewerkschaften endgültig in die Bedeutungslosigkeit zu drängen.
Und die dummen Kälber? Wählen ihren Metzger selber!
Die SPD als willige Erfüllungsgehilfen, die Gewerkschaften als tumbe Handlanger des Neoliberalismus.
Die soziale Kälte in Deutschland hat ein neues Gesicht bekommen.
korfstroem
Nun, die korrupten Patrone die die Gewerkschaft zu einem Selbstzweck gemacht haben, und nicht zu einer Institution die zum Sozialen Frieden durch sozalen Ausgleich mehr beiträgt, und ihre Verantwortung für die die aus dem Arbeitsleben und damit auch aus der Gesellschaft ausgestoßenen werden so nicht mehr sehen kann. Sollen diese doch minimalisiert und oder kriminalisiert werden diese Habenichtse und Unterdogs, die Gewerkschafter haben wichtigeres zu tun es, zb. sich ihre Prostituierten von den Unternehmern zahlen lassen, oder Insiderinformationen aus den Konzernen für den eigenen Vorteil nutzen, abgesehen von fetten Aufsichtsrats und Vorstandsgehältern.
Für die sozialen Probleme kann sich ja dann die Bundeswehr kümmern , wenn sie erst für den Einsatz im Innern freigeschaltet ist, Bluthund Noske läst gruessen.
Es wird nichts anderes bleiben als dass sich die Arbeitslosen und noch Arbeitenden, sich ganz neu von unten kämpferisch organisieren und die Gewerkschaften ein weiteres mal erfinden, diesmal aber nicht den Zecken über die Mitbestimmung die Möglichkeit zum Verrat und Komplizenschaft lassen, sondern für ihren gerechten Anteil an den fortschritten an Technologie und deren Arbeitsersparnis zu kämpfen. Die jetzigen Gewerkschaften sind überlebt, ihre Funktionäre zu verdorben, ihre Betriebsräte zu feige, da ist nichts mehr zu erwarten ausser Selbstbereicherung und Verrat und Oportunismus.
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